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Vergnügungen ob. Die Herren, deren Namen vorstehend durch hervorragende Schrift kenntlich gemacht sind, bildeten den verantwortlichen engeren Ausschuss. Auch die städtische Verwaltung sagte ihre Beteiligung an dem Feste zu und stellte den ehemaligen Schülern für den Notfall eine Beihülfe zur Deckung der ihnen entstehenden Unkosten in Aussicht. An Beiträgen ehemaliger Schüler konnten 583,95 Mk. verwendet werden, die Stadt gab einen Zuschuss von 110,42 Mk.
Da nun eine hinreichende Beteiligung gesichert war, so begann alsbald in der Schule ein emsiges Schaffen zur Vorbereitung der Feier. Es war keine Kleinigkeit, die Vorträge und Aufführungen der Schüler auszuwählen und einzuüben, ohne doch die tägliche Schularbeit zu sehr zu beeinträchtigen. Besondere Sorgen machte die Vorbereitung der in Aussicht genommenen Festspiele: die Verteilung der Rollen, die Ausmerzung der Fehler in Aussprache und Betonung, die Gewöhnung der Darsteller an sinngemässe Bewegungen ihrer Gliedmassen, die Herrichtung der Bühne, die Beschaffung der Kostüme. Und auch die Ein- übung der Musikstücke, welche von den Schülern in Gemeinschaft mit der städtischen Musik- kapelle ausgeführt werden sollten, war ein saures Stück Arbeit. Aber die Geduld der leitenden Lehrer sowie der gute Wille der mitwirkenden Schüler und Musiker überwanden schliesslich doch alle Schwierigkeiten.
Inzwischen hatten auch die verschiedenen Ausschüsse der ehemaligen Schüler, zu denen einzelne Mitglieder des Lehrkörpers abgeordnet waren, alle Hände voll zu thun, und ich sage für den Eifer und die Unverdrossenheit, mit denen sie für das Gelingen des Festes arbeiteten und für die Opfer, welche sie an Zeit und Geld brachten, allen Beteiligten nochmals an dieser Stelle herzlichen Dank.
In den ersten Tagen des Monats Juli war das Wetter ungünstig, aber rechtzeitig zerteilten sich die Regenwolken, und vertrauensvoll blickten am Morgen des ersten Festtages die Bewohner der im Fahnenschmuck prangenden Stadt zum Himmel empor. Aut den Strassen sah man Schüler, welche die von dem Festausschuss gestifteten Schleifen auf der Brust trugen, zu den letzten Proben eilen, auf dem Bahnhofe wurden ankommende Festteilnehmer, ehemalige Lehrer und Schüler des Gymnasiums, in Empfang genommen. Zur Vertretung des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums erschien Herr Provinzial-Schulrat Dr. Matthias..
Das Fest selbst begann am Nachmittag um 5 Uhr mit einer Vorfeier im„Schützengarten“. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Feierlichkeit mit einem von dem Gesanglehrer der Anstalt, Herrn W. Schmidt, komponierten Weiheliede für gemischten Chor und Orchester eingeleitet wurde. Hierauf sprach der Primaner G. Herr einen von Herrn Dr. Hofmann gedichteten Festgruss:
Das Weihelied verklingt. Nun seid willkommen, Gilt's einer Mutter Jahresfest zu feiern, Die ihr so zahlreich euch um uns geschart, Die lange nicht die Schar der Lieben sah, Die ihr so freudig Anteil habt genommen, So eilen wohl, die Liebe zu erneuern,
Als Kunde euch von unsrem Feste ward. Die Kinder alle her von fern und nah.
Ihr grüsstet wieder all die trauten Stätten, Und sie erblickt mit stolzestem Entzücken Und froh habt die Erinn'rung ihr erneut, Versammelt neu die licbevolle Schar,
Sie hielten euch mit unlösbaren Ketten, Und selig darf an's Herz sie wieder drücken,
Da ihr euch längst in alle Welt zerstreut. Die sie entbehrt so manches lange Jahr.
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