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antragen; das wahrlich mit Recht; denn die Protokolle wurden seither auf einzelne Bogen Papier geschrieben, die lose umherfuhren, und nur einem Zufall ist es zu verdanken, dasz gerade die letzten Protokolle, welche der Reorganisation vorausgingen, sich in einem groszen Faszikel aus früherer Zeit, der nur Zensurtabellen enthielt, verschoben hatten und in einem obscuren Winkel aufgefunden wurden. Aber auch diese sind unvollständig, wie das Protokoll vom 2. Mai beweist, das ohne weitere Aufschrift mit einem neuen Bogen beginnt, der jedenfalls nur die Fortsetzung einer vorausgegangenen Beratung enthält, deren Schlusz die Worte bilden:„Latein vorläufig als fundamentum divisionis“, darauf Absatz.„Darnach wurde von Wagner mitgeteilt etc.“
In dieser Konferenz wurde ferner beantragt, zur Anschaffung von Klassenbüchern, Absenten- listen, u. s. w. die Regierung vorerst um einen Kredit von 200 fl., insbesöndere für Abbildungen und Karten für den naturgeschichtlichen Unterricht zu ersuchen, indem sonst dieser Unterricht, wie ihn der Plan fordert, nicht erteilt werden könnte. Und das war in der That sehr wahr!
Mittlerweile waren die Prüfungen mit den Lyceumsklassen beendet worden, und es wurde nun folgende Bestimmung getroffen. Die Schüler des ersten Jahrgangs sollten einen Teil der Tertia bilden, dazu wurden noch aus dem zweiten Jahrgang 9 Schüler„zurückgeschoben“. Die übrigen Schüler des zweiten Jahrgangs bildeten die Unter-Sekunda, wozu noch 8 Schüler aus dem dritten Jahrgang kamen; die übrigen Schüler des dritten Jahrgangs bildeten die Obersekunda; die Prima fiel vorläufig aus. Mit dem Beginn des Wintersemesters wurde die Prima ebenfalls eröffnet und am 26. März die erste Reifeprüfung für die akademischen Studien mit 5 Primanern vorgenommen, von denen zwei, Ignaz Hofle und Anton Maier, als Amtsgerichtsräte a. D. noch am Leben sind (vgl. das Osterprogramm S. 26).—
Es waren dies tief in den Organismus der Lehranstalt einschneidende Beschlüsse, zwar ohne Nachteil für dieselbe, aber von besonderer Tragweite für den Lebensgang und Beruf vieler Lyceisten, deren gröszere Anzahl schon ein weit vorgerücktes Alter hatten und von denen zunächst der 3. Jahrgang schon im Herbst, der 2. Jahrgang in 1 ½ Jahren zur Maturitätsprüfung gekommen wären, die jetzt in weite Entfernung, bei fast allen mindestens 1 ½ Jahre, bei anderen 2 bis 2 ½ Jahre hinausgerückt war, weil zu gleicher Zeit jetzt auch der Schlusz des Schuljahres vom Herbst auf Ostern verlegt wurde. Eine besonnene und milde Schonung unter Anerkennung der bestehenden Ver- hältnisse wäre auch hier von segensreicher Wirkung gewesen! Die Schüler des Gymnasiums wurden keiner weiteren Prüfung unterworfen, sondern die Verteilung derselben in die Klassen Tertia bis Sexta erfolgte auf Grund der Osterzensuren, weil die Anforderungen des neuen Lehrplans nicht so beträchtlich höhere waren, dasz sie nicht von der Mehrzahl der Schüler befriedigt werden konnten.
Am 22. Mai erfolgte die Verteilung der Klassenlokale; zu Ordinarien der einzelnen Klassen wurden von unten aufsteigend bestimmt: für VI. Vollmar, V. Klee, IV. Wehner, III. Eysell(für den erkrankten Wolf), IIb. Schmitz und IIa. Wagner.
Am 25. Mai 1835 wurden sämtliche Schüler der Anstalt in den Prüfungssaal beschieden; das Lehrerkollegium, bestehend aus: Wagner, Wehner(Arnd war nicht zugegen), Schmitz, Klee, Vollmar, Neuhof, Eysell, Rihl, Jessler und Henkel, fand sich da ein. Der Studienkommissar Prof. Wagner hielt eine Rede und stellte die Herren Dr. Schmitz und Kandidat Eysell vor. Darauf wurde die Verteilung der Schüler in die 6 Klassen sowie die Kollokation vorgenommen, und— damit war die Eröffnung des reorganisierten Kurfürstlichen Gymnasiums vollzogen.


