Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Mit dem 25. Mai des Jahres 1885 schlieszt sich also abermals ein Ring von 50 Jahren ab und reiht sich als jüngstes Glied an die lange Kette der Geschichte der gelehrten höheren Schulen Fuldas an, eine Kette, die ununterbrochen, trotz allem Wechsel der Zeiten, bis hinauf an das Ende der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Chr. reicht, und zwar der Art, dass sich die Ringe der- selben als Fortsetzung der Klosterschule der Benediktiner in ununterbrochener, einheitlicher Reihen- folge aneinander schlieszen; nur im Jahre 1573 spaltete sich auf zwei Jahrhunderte hin die Kette in zwei Glieder, so dasz dem Gymnasium der Benediktiner das der Jesuiten zwar getrennt, aber friedlich, wenn auch in edlem Wetteifer, zur Seite ging, bis 1773 auch diese beiden getrennten Glieder wieder wie zwei Stromesarme zu einem gemeinsamen Bette zusammenflossen, aus welchem sodann ohne Unterbrechung das hochfürstliche Gymnasium, dann das Lyceum und Gymnasium und endlich das jetzige(erst Kurfürstliche, dann Königliche) Gymnasium hervorgingen.

Wenn die eingeschlagenen Wege öfters verschieden, die Methoden vielfach abweichend, auch der Unterrichtsstoff bald im gröszeren, bald im kleineren Masze zugemessen erscheint und sich darin gerade und naturgemäsz die wechselnden Anschauungen der verschiedenen Jahrhunderte offen- baren, so ist doch allzeit das eine Ziel, christliche Religion und eine sorgfältige Pflege des reli- giösen Lebens, verbunden mit einem gründlichen Studium der Werke klassischer Literatur in poö- tischer und prosaischer Form, sowie die Erziehung tüchtiger Kräfte für Kirche und Staat zu einem gesunden nationalen Volksbewusstsein, trotz aller Wandlungen und Trübungen in allen Zeiten und Jahrhunderten erstrebt und festgehalten worden.

Möge auch die jetzige Anstalt, in dem Bewusztsein, das Erbteil einer groszen Vorzeit über- kommen zu haben, im ferneren Verlaufe der Jahre nach wie vor eine Pflanzstätte christlicher Zucht und Sitte, eine Ubungsschule des Geistes zur Ausbildung in Sprachen und Wissenschaften, eine Palästra zur Erstarkung eines körperlich kräftigen Geschlechtes und frischer, jugendlicher Begeisterung für die Grösze und Blüte des Vaterlandes sein und bleiben!

Prof. T. Gesenbaur.

Erläuterung des beigegebenen Planes:

1. 2. 3. Kloster, Kirche, Sakristei der Barfüszer.(Kolleg der Jesuiten); 4. Vorhof der Kirche; 5. die alte Münze(Gymnasium der Jesuiten und päpstliches Seminar); 6. der grosze Christoffel mit der Strasze gleiches Namens; 7. 8. 9. Back- und Brauhaus, Garten und Gartenhaus, Ackerhof des Kollegs; 10. 11. 12. Privat- und Alumnats-Häuser; 13. Altes Rathaus: 14. Pfarrkirche und Pfarrhaus; 15. 16. Ratskeller, Wachthaus; 17.Uff dem Steynwege; 18. Hinter den Barfüszern; 19. Hitzenplan; 20. Ulner-(Töpfer-) gasse; 21. 22. Milch- und Kraftbrunnen; 23. Spillings- turm; 24. Steinerne Kemnaten;--- Besitzungen des Kollegs; projektierter Grundplan der Akademie.