Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

Fürsten von Oranien noch ungeteilt. Im Jahre 1809 kam Stadt und Amt Herbstein an Hessen- Darmstadt. Im Jahre darauf erfolgte die Stiftung des Groszherzogtums Frankfurt, das auszer dem Fürstentum Fulda das kurmainzische Fürstentum Aschaffenburg, die Grafschaft Hanau, sowie die freien Städte Frankfurt und Wetzlar enthielt. Schlosz Johannisberg im Rheingau erhielt der Marschall Kellermann und Schlosz Adolfseck der Marschall Durok. Die Schlacht bei Leipzig machte diesem Groszherzogtum Frankfurt sowie dem Königreich Westfalen ein Ende.

Die eigentliche Zerstückelung des Fürstentums fand erst 1816 statt, wo die Amter Brückenau mit Motten, Hammelburg nebst Thulba und Saleck und der Ulstergrund(Batten, Brand, Dietges, Findlos, Liebhards, Melperts, Oberbernhards mit Steinbach, Seiferts und Thaiden) an Bayern, Holzkirchen an den Prinzen von Koburg und später an Max von Bayern kamen; Preussen über- nahm die andern Bestandteile des Fürstentums und gab davon an Kurhessen Stadt und Amter Fulda, Neuhof, Johannisberg, Groszenlüder und Burghaun, Hünfeld, Eiterfeld, Haselstein, den Rest von Biberstein nebst den ritterschaftlichen Bezirken von Buchenau, Mannsbach und Wehrda. Die Ortschaften Melters, Hattenrot und Utrichshausen kamen an Kurhessen und diese sämtlichen Be- sitzungen bildeten das neue Groseæherzogtum Fulda(Provinz Fulda). An Weimar kamen Geisa, Dermbach, auszerdem fiel von Kurhessen zur Provinz Hanau das Amt Salmünster nebst Urzell und Sannerz. Am 23. Mai 1802 hatten zu Paris Frankreich und Preussen einen Vertrag, dem kurz darauf auch Russland beitrat, geschlossen; danach wurde dem fürstlichen Hause Oranien-Nassau zur Entschädigung für die verlorene Erbstatthalterschaft und für die in den Niederlanden gelegenen Domänen das Fürstentum Fulda abgetreten. Der Erbstatthalter übertrug seinem Sohne, dem Erb- prinzen Wilhelm, das Erzstift Fulda mit allen seinen Bestandteilen und Zugehörungen als ein Erbfürstentum. Der Erbprinz sandte im September 1802 den geheimen Regierungsrat und Kammer- direktor von Schenk nach Fulda mit einem Schreiben an den Fürsten Adalbert von Harstall, um die Maszregeln und Vorkehrungen zu verabreden und zur Vollendung zu bringen, wodurch die Übergabe des Landes bewerkstelligt werden sollte. Der Fürst erklärte dem Gesandten, dass er von Kaiser und Reich das Hochstift zu Lehen trage und nicht eher abtreten werde, als bis er von Kaiser und Reich dazu werde angewiesen werden. Trotz des Zuredens mehrerer Kapitulare und auch des Hofkanzlers Dr. Brack und der Brüder des Fürsten blieb er dei seinem Entschlusse und sandte seinen Oberstallmeister und Geh. Rat von Egloffstein mit einem Schreiben an den Prinzen von Oranien des Inhalts, er werde das Fürstentum nicht eher abtreten, als bis durch einen förmlichen Reichsbeschluss die Abtretung des Hochstiftes genehmigt sei; diese Abtretung wurde nun- mehr in kategorischer Weise von dem Prinzen verlangt. Das Domkapitel sandte eine Deputation an den Prinzen, um dem neuen Landesherrn in seinem und des Landesherrn und der Dienerschaft Namen die Versicherung der Ergebenheit, Treue und Ehrfurcht zu melden. Trotz dieses keineswegs zu rechtfertigenden Verfahrens beharrte der Fürst Adalbert fest bei seinem Entschlusse, obgleich man auch von Frankfurt, wo der Prinz von Oranien sich aufhielt, mit militärischer Besetzung drohte. Das Kapitel, der Stadtmagistrat, selbst die vom Fürsten eingesetzte Kommission zur Prüfung der Angelegenheiten rieten zur Nachgiebigkeit. Vergeblich! So war der Monat September vorüber- gegangen. Inzwischen war von Erfurt ein Bataillon Preussen bis nach Hünfeld(21. Okt.) vorge- gangen, um am 22. in Fulda einzurücken, was auch geschah. Geheimer Rat v. Schenk und Oberst