Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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III. Lyceum und Gymnasium. 18051835.

Die groszen politischen Umwälzungen, welche sich am Ende des 18. und im Anfange des 19. Jahrhunderts in Europa und vorzugsweise in Deutschland infolge der französischen Revolu- tionskriege vollzogen, übten ihren Einflusz auch auf das Fürstentum Fulda, nicht bloss auf die höheren Schulen, sondern anch auf den politischen und territorialen Bestand des Landes aus. Im Separat-Frieden zu Basel(1795) hatte Preussen seine Länder am linken Rheinufer den Franzosen abtreten müssen unter der Bedingung, beim Friedensschlusse zwischen dem Deutschen Reiche und Frankreich dafür entschädigt zu werden. Bei dem Friedensschlusse zu Rastatt(1795 1799) hatte die Reichsdeputation diese Abtretung genehmigt und eingewilligt, dass die Reichsstände für diese ihre linksrheinischen Besitzungen durch eine Säkularisation der geistlichen Herrschaften in Deutschland entschädigt werden sollten. Nach der verlorenen Schlacht der Osterreicher unter dem Erzherzog Johann gegen die Franzosen unter Moreau bei Hohenlinden(3. Dez. 1800) musste Osterreich für das deutsche Reich zu Luneville(9. Febr. 1801) den Frieden unterzeichnen, worin das linke Rheinufer an Frankreich abgetreten und die Entschädigung für die deutschen Reichs- stände festgesetzt wurde. Damit war die Säkularisation der geistlichen Fürstentümer zugestanden, das Damoklesschwert war verhängnisvoll über dem Fürsten von Fulda aufgehängt. Das Fürsten- tum Fulda hatte die drohenden Gefahren, die der 30jährige Krieg schon einmal seiner Selbstän- digkeit bereitet hatte, und die seinem Wohlstande geschlagenen blutigen Wunden glücklich über- standen und seine Integrität noch 150 Jahre bewahrt, ja sogar im 18. Jahrhundert eine Periode neuer Blüte erlebt. Jetzt war es seinem Ende nahe.

Es ist hier geboten, um den Zusammenhang und die Wirkung der nachfolgenden Ereignisse ruhig und klar zu erkennen, einen kurzen Überblick der territorialen Anderungen während dieses Zeitraums vorauszuschicken. Das Fürstentum Fulda umfasste am Ende des 18. Jahrhunderts auszer den getrennten Gebietsteilen, dem Schlossgute Johannisberg im Rheingau und der in Franken ge- legenen Probstei Holekirchen ein ziemlich geschlossenes und abgerundetes Territorium, das im Süden die Amter Neuhof, Motten, Brückenau, Sannerz, Ürzell, Salmünster, Hammelburg und Thulba umfasste, woran sich im Osten Weyhers, Biberstein, Geisa, Rockenstuhl, Zella und Derm- bach anschlossen. Im Norden lagen die Amter Fürsteneck, Neukirchen, Burghaun, Haselstein und Hünfeld; nach Westen dehnten sich die Amter Hosenfeld, Hauswurz, Blankenau, Herbstein, Salz- schlirf und Groszenlüder aus; in der Mitte lag die Stadt Fulda(dazu das Zentamt, Altenhof und Konvent), die Probstei Michelsberg, Andreas-(Neuen-)berg, Johannisberg, Petersberg und Macken- zell. Zwischen den Jahren 1803 und 1806 kamen die Besitzungen der Herren von der Tann, von Weyhers(Gersfeld) an das Königreich Bayern; das Gebiet der Herren Görtz zu Schlitz und Ried- esel zu Lauterbach, Stockhausen u. s. w. an das Groszherzogtum Darmstadt; die Besitzungen der Ritter zu Buchenau, Wehrda, Mannsbach, Lengsfeld, Gehaus und Weilar an Hessen-Kassel, später an das Königreich Westfalen. Diese Besitzungen hatten jedoch schon vorher nur teils in ober- hoheitlicher, teils im bloszen Lehensverbande zu Fulda gestanden. Das Hauptland blieb unter dem