Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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1791 als Religionslehrer an der städtischen Schule bestimmt. 1793 wurde er zum Priester geweiht, nachdem er bereits schon seit Januar desselben Jahres als Lehrer an der Vorbereitungsschule un- terrichtet hatte. Darauf wurde er Professor am Gymnasium, bis Faulbecker 1802 Fulda verliess, wo Pfister im Okt. 1802 zum Direktor des Gymnasiums ernannt wurde. Sein Direktorium fällt in die Zeit des UÜbergangs und der Säkularisation des Benediktiner-Konvents. Pfister führte die Leitung der Schule ruhig weiter bis zum Jahre 1805. Unterdessen war bereits der Plan Meiss- ners, der im August 1804 in Fulda erschien und zum Direktor des Lyceums und Rat des Kon- sistoriums von dem Fürsten von Oranien ernannt worden war', statt der Universität ein Lyceum zu errichten, genehmigt worden, zu dessen Direktor Meissner, und ein Gymnasium, zu dessen Rektor Gierig ernannt waren. Mit Ostern 1805 hatte das hochfürstliche Gymnasium sein Ende erreicht. Pfister wurde am 25. Nov. 1809 zum Pfarrer von Oberleichtersbach ernannt, resignierte jedoch später auf die Pfarrei und starb am 3. Okt. 1839 zu Grossenbach.

Die öffentlichen Prüfungen am hochfürstlichen Gymnasium wurden jährlich, wie oben erwähnt, 5mal je 2 Tage für alle Klassen am Vor- und Nachmittag abgehalten. Die erste war in der Regel im Januar, die zweite im März, die dritte im Mai, die vierte im Juli und die fünfte im September. Rechnet man 2 Monate für Ferien ab, so fällt jedesmal auf den zweiten Monat eine öffentliche Prüfung. Welche Gründe man für eine solche Einrichtung hatte, wodurch doch in der That der ruhig fortlaufende Unterricht in aufregender Weise unterbrochen wurde, ob man glaubte Veran- lassung zu haben, das Publikum über die Leistungen der Schulen aufzuklären oder die hie und da aufsteigenden Bedenken über den Lehrplan selbst beseitigen zu wollen, das entzieht sich der Be- urteilung. Eine bestimmte Absicht lag jedenfalls zu Grunde, welche sich auf die beiden letzten angedeuteten Punkte bezog, und zwar um so wahrscheinlicher, als die Prüfungsgegenstände gerade in dem ersten Jahre in einer detaillirten Angabe aller gestellten Fragen enthalten sind, so dass diese Berichte ein förmliches Prüfungs-Protokoll bilden.

Die erste öffentliche Prüfung des neubegründeten hochfürstlichen Gymnasiums fand im Sep- tember 1774 statt, auf welcher auch poetische und prosaische Arbeiten der Schüler vorgelegt wurden. Nach dieser ersten Prüfung wurde von den weltlichen Kostgängern des bischöflichen Seminars ein Lustspiel aufgeführt, das den TitelAllwitz führte und worin einvorgeblicher Gelehrter verspottet wurde. In dem Vorbericht zur Prüfung vom Januar 1776 wurde die Lehr- methode des fürstlichen Gymnasiums, welche in derNördlinger Bibliothek für das Schul- und Erziehungswesen unter sonstiger rühmlicher Anerkennung ihrer Leistungen einige Ausstellungen gefunden hatte, gerechtfertigt und in diesem Bericht eine neue Gruppierung der Lehrgegenstände, nach Wissenschaft, schöne Wissenschaften und Sprachen aufgestellt. Die Prüfungen wurden auch in den darauf folgenden Jahren beibehalten, um, wie der Direktor in dem Vorberichte jetzt be- stimmt sagt,genaue Rechenschaft abzulegen, wie der vorgeschriebene Lehrplan bearbeitet wurde. Jetzt aber, nachdem bei dem Vaterland und dem Ausland der Lehrplan Beifall gefunden, habe man nicht mehr nötig, auf diesem Wege fortzuschreiten, und es würde genügen, die Gegenstände jeder Prüfung nur kurz anzugeben und statt dessen jedesmal noch dem Prüfungsbericht eine kurze Abhandlung beizufügen. Damit haben wir das erste Programm 1777:Betrachtungen über die

häusliche Wiederholung des Inhalts der öffentlichen Lehrstunden. Demselben folgt zur zeveiten 3