Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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er allmählich die Zahl der Lehrer, versah selbst die Dienste mehrerer, ohne irgend welche Ent- schädigung für sich in Anspruch zu nehmen, verwendete mehr Zeit auf das Studium der Sprachen und übertrug den Unterricht in denselben je einem Lehrer für alle Klassen.

So entwickelte Hillenbrand als Direktor und Professor eine rastlose Thätigkeit. Er erteilte für Prof. Joseph Schramm den Unterricht in Religion und Kirchengeschichte, und als der sehr tüch- tige Lehrer Joseph Fleischütz(1786) nach Bruchsal berufen wurde, übernahm er auch noch dessen Fächer, in der III. und IV. Klasse Rhetorik und Griechisch, und da kurz darauf noch ein dritter Lehrer abging, so gab er auch dessen Lehrstunden in Grammatik und schönen Wissen- schaften in der I. und II. Klasse. Da fühlte er denn endlich, dass seine Schultern nicht mehr stark genug seien, um diese ganze Last zu tragen; er übertrug dem bereits 1784 ernannten Pro- fessor Wilhelm Ignaz Riegel die Lehrgegenstände des abgegangenen Fleischütz und einen Teil seiner Arbeit 1787. Dabei versah er noch mit allem Eifer die Geschäfte des Rektors. Er war ein ge- waltiger und vielbegehrter Kanzelredner; verfasste ausser den 13 Programmabhandlungen noch ein grösseres Werk: Empfehlung der christlichen Tugend aus dem hl. Evangelium oder dem Leben und der Lehre unseres Herrn Jesus Christus(1790 1794. Würzburg und Fulda bei Stahel), von dem der sechste Band nicht vollendet wurde. Im Alter vorgerückt und nach so grossen Anstren- gungen fühlte er das Bedürfnis nach Ruhe. Als er seinen Nachfolger in der Person Faulbeckers gefunden hatte, zog er sich auf das vom Fürstbischof Adalbert ihm verliehene Kanonikat an dem Kollegiatstifte Hünfeld zurück, wo er noch segensreich bis zu seinem am 2. Mai 1814 erfolgten Tode wirkte. Als der Prinz von Oranien später den Ertrag dieser Stiftung einzog und nur ein geringes Einkommen festsetzte, wollte der Fürstbischof den Pater Hillenbrand nach Fulda nehmen und selbst für ihn Sorge tragen. Die Bewohner Hünfelds gaben das aber nicht zu und versprachen gern alles für ihren Pater Hillenbrand zu thun, damit er keine Not leide. Und das haben sie auch gethan, die braven Hünfelder.

Sein Nachfolger im Rektorate war Peter Faulbecker, einst Priester der Gesellschaft Jesu; derselbe war nach Auflösung des Ordens geheimer Sekretär des Suffragan-Bischofs in Trier von Pidol und sodann Pfarrer in der Stadt Longwy in Lotharingen geworden. In der französischen Revolution wurde er flüchtig und kam nach Fulda. Hillenbrand erkannte in ihm einen hoch- begabten, fleiszigen und zuverlässigen Mann und zweifelte nicht, dass, wenn derselbe in Fulda zurück- behalten werden könnte, er dem Studium der Wissenschaft grosze Dienste leisten werde. Da Faul- becker auch sonst sich die allgemeine Achtung erworben hatte, so erteilte Fürstbischof Adalbert von Harstall auf Vorschlag seiner Schulräte die Genehmigung zu seiner Ernennung als Professor am Gymnasium. Er übernahm Religion und Geschichte, Gegenstände, die Hillenbrand seither gelehrt hatte, und folgte ihm, als Hillenbrand 1796 das Kanonikat zu Hünfeld annahm, auch im Rektorate, das er bis 1802 inne hatte. Nachdem mittlerweile Napoleon I. die Angelegenheiten der Geistlichen ge- ordnet hatte, wurde Faulbecker in sein Vaterland zurückgerufen und erhielt die nicht weit von Luxemburg gelegene Pfarrei Baston, wo er unter groszer Sorge und Anstrengung allzufrüh starb, beklagt und geachtet von seiner Pfarrgemeinde. Auf ihn folgte als dritter und letzter Direktor Johann Georg Maæ Pfister sen.; derselbe ward zu Fulda am 26. Okt. 1765 geboren. Nach zurück- gelegten Gymnasialstudien begann er 1785 Theologie zu studieren und wurde schon als Alumnus