Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Anlagen und sein anständiges Benehmen erwarb er sich bald das volle Wohlwollen seiner Lehrer. Er war klein von Gestalt, sodass er selbst später kaum mit den Schultern über die Kanzel hervor- ragte, besass aber dennoch eine starke Gesundheit und körperliche Kraft zur Arbeit. 1751 trat er in den Jesuitenorden ein und wurde 1756 Lehrer am Gymnasium zu Mannheim und 1765 Pro- fessor der Philosophie zu Fulda. Hier geriet er mit den Benediktinern von neuem über das Ko- pernikanische System in einen wissenschaftlichen Streit, wie ähnliche schon früher entstanden waren, in Folge dessen Hillenbrand in der Hitze des Streits sogar soweit ging, den Benediktinern den Vorwurf ketzerischer Lehre zu machen. Hillenbrand wurde nach Würzburg versetzt, wo er durch Vermittelung seines Oheims Bonifaz Hillenbrand, welcher Beichtvater des Fürstbischofs v. Seinsheim war, eine Predigerstelle erhielt. Daselbst gab er 1770 eine lateinische Sprachkunst zum Gebrauche der Würzburger Schulen heraus und stand bei dem Bischof in solchem Ansehen, dass er ihm Wagen und Pferde zum Ausfahren zur Verfügung stellte. Allein seiner Natur sagte das Hofleben nicht zu, er nahm an mancherlei Anstosz und sprach sich offen darüber aus. Einmal versuchte er auf der Kanzel die gewöhnliche Frage des Fürsten, wenn ihm jemand zu einer Anustellung empfohlen wurde:Hat der Mann auch Welt? lächerlich zu machen. Dadurch stiess er bei Hof an; er musste nach Heidelberg gehen. Später kam er nach Mainz, wo er magister repetentium wurde, d. h. diejenigen Novizen zu unterrichten hatte, welche Lehrer an den Gymnasien werden wollten. In diese Zeit fällt die Auflösung des Jesuitenordens, die auch in Mainz zur Ausführung kommen sollte. Da man daselbst einen Aufstand der Bürgerschaft befürchtete, so wurden die Wälle der Festung mit Kanonen besetzt. Nur im Dunkel der Nacht wagten diejenigen, welche den Auftrag hatten die Auflösung zu verkünden, das Jesuitenkollegium zu betreten, daselbst die päpstliche Bulle zu verlesen und namens des Fürsten die Jesuiten aufzufordern, alsbald das Gebäude zu verlassen. Auf bereit stehenden Wagen wurden dieselben truppweise nach verschiedenen Klöstern, Hillenbrand in das der Augustiner, gebracht; von da begab er sich nach Fulda, wo ihm kurz nachher auf Vorschlag des Superiors der Benediktiner v. Piesport durch den Fürstbischof Heinrich v. Bibra die Stelle eines Direktors des neu gegründeten Gymnasiums und die Aufsicht über das Klerikal- Seminar übertragen wurde. Wenn er auch anfangs den vorgeschriebenen Weg der Studien ungern betrat, so fand er sich doch allmählich in dem neuen Lehrgang zurecht, indem er vielfach auf das, was ihm besser schien, zurückgriff. Die Prüfungen waren anfangs sehr stark pesucht; die wohl- bekannten Fragen aus den verschiedensten Gegenständen, welche die Schüler nur mit dem Ge- dächtnis festhielten, wurden genau mit denselben Worten, wie sie es gelernt hatten, beantwortet. Wenn sie auch hie und da den Sinn der vorgelegten Frage nicht erfasst hatten, so schien dennoch vieles dadurch erreicht zu sein, dass sie über alles sprechen konnten. Hillenbrand suchte dagegen allzeit anzukämpfen. Seine Programme und Schriften, die später angegeben werden, enthalten mannigfache scharfe oder scherzhafte Russerungen über diese Methode und die Mahnung an Lehrer und Schülerad saniora umzukehren. Die Fähigkeiten und Verdienste Hillenbrands wurden mit jedem Tage mehr anerkannt und gewürdigt; er wurde geistlicher Rat, Synodal-Examinator und Assessor der theol. Fakultät. Als 1776 Karl v. Piesport sich nach Sannerz zurückgezogen hatte, erhielt Hillenbrand etwas freiere Hand zum Handeln. Da aber die Einkünfte aus der sog. Jesuiten- masse nicht mehr zur Unterhaltung der Schule und der Lehrer vollständig ausreichten, so beschränkte