Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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den er nach 15 Jahren mit Genehmigung seines Fürsten und Abtes verliesz; er wurde 1770 Kor- repetitor der Philosophie an der Adolphiana; 1791 wurde er säkularisiert und Professor in Giessen, dann 1794 in Worms; er starb 3. Jan. 1802 als Pfarrer zu Epstein, Diözese Worms. 10) Co- lumban Pfeifer. 11) Sebastian Schaaf von Montabaur und 12) Gotthard Siebert von Brilon, Prof. der Mathematik an der Adolphiana, 1785 emeritiert; starb 4. Mai 1786.

Durch die Bemühungen Karl von Piesports wurde auch ein allgemeines Lehrerseminar einge- richtet(Schola normalis pro omnibus per regionem Fuldensem ludimagistris) und die Gründung der Landesbibliothek gefördert. Mit welchem Eifer ferner und mit welcher Anstrengung des Geistes er den Humanitätsstudien eine bessere Form zu geben versuchte, das ist allgemein bekannt, ebenso wie er auch hier auf mannigfache Schwierigkeiten stiess, die er jedoch durch Ausdauer überwand: Er führte eine grosse Korrespondenz und einen ausgebreiteten Verkehr mit vielen Gelehrten im Reiche; die Landesbibliothek bewahrt diese Briefsammlung, ein klarer Beweis seiner Thätigkeit. Er hatte niemals sein eigenes Interesse, sondern nur das Wohl des Staates und der Kirche sowie der Schule im Auge. Seine stark angestrengten Kräfte erforderten endlich Ruhe; er zog sich 1776 auf die neu gegründete Probstei Sannerz zurück, wo er einsam lebte, beschäftigt mit Landbau, wodurch er das Einkommen der Probstei vermehrte und einen grossen Teil desselben zum Bau eines Oratoriums und zu mildthätigen Zwecken verwenden konnte. Er hatte bereits das 80. Lebens-. jahr erreicht, als den Hochbetagten das schwere Geschick traf, dass der Rückzug der bei Würz- burg geschlagenen Franzosen über Sannerz nach dem Kinzigthale erfolgte. Der altersschwache Mann, gestützt auf den Arm seines Pfarrers und seines Jägers, musste in den Wald flüchten. Dort lag er den Tag über, erschöpft, ohne Nahrung, durchnässt vom Regen and erstarrt von der Kälte. Als er in der Nacht in sein Haus zurückkehrte, war alles ausgeplündert und zerstört; im Schulhause bereitete man ihm für die Nacht ein Lager auf Stroh; am andern Tage setzte er seine Flucht fort und fand zuerst in der Klingmühle und zuletzt in Sterbfritz Aufnahme, bis die Kriegsfurie glücklich vorüber war. Fürstbischof Adalbert von Harstall(1780 1802) und viele Freunde bezeigten durch thätige Teilnahme und Unterstützung, wie hoch er in Achtung bei allen stand. Zwei Jahre vor seinem Tode zog er sich ganz in die Einsamkeit zurück; auch in dem letzten Jahre liess er sich aus der Schrift und andern Büchern vorlesen. Die Kräfte sanken immermehr; im 84. Jahre seines Lebens starb er am 17. März 1800 und wurde in der Kirche zu Herolz begraben, wo ihm sein Nachfolger Propst von Guttenberg ein Grabdenkmal errichten liess, das sein Lob der Nachwelt verkünden sollte; sein Biograph fügt hinzu:posteris, inquam, nam inter praesentes tantum sui desiderium reliquit, tantamque gloriae diuturnitatem est consecutus, ut in omnium adhuc ore versetur nomen eius et praeclara virtus.

Der erste Rektor des hochfürstlichen Gymnasiums war Johann Baptist Hillenbrand; auch er hat in Joh. Leon. Pfaff seinen Biographen gefunden. Am Schlusse des Schuljahres 1824 ver- öffentlichte der Studienkommissar des Kurfürstlichen Gymnasiums Pfaff eine Abhandlung: In me- moriam Joannis Baptistae Hillenbrand, gymnasii Fuldensis rectoris dignissimi.

Hillenbrand war geboren am 11 Juli 1734; sein Vater war Kaufmann und Senator in Fulda. Der Knabe war von ausgezeichnetem Talent, gelehrig, frenndlich und für die besten Künste be- gabt. Er wurde zur Erziehung dem Gymnasium der Jesuiten übergeben. Durch seine geistigen