Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Landkarten; in der III. und IV. Klasse Sphärenlehre und alte Geographie; sodann allgemeine Weltgeschichte der 4 Monarchien und zuletzt hauptsächlich die Geschichte Deutschlands, wo die Heraldik mit eingemischt wird. Lehrbuch: Graf Therings Abhandlungen und des Lehrers Dieterich eigene Sammlungen. In der I. und II. Kl. je 1 Stunde; in der III. und IV. Klasse je 4 Stunden wöchentlich.

Naturgeschichte und Naturlehre kommen nur in der III. und IV. Klasse vor; bei jener wird von dem Wesen, den Elementen und Eigenschaften der Körper gehandelt; hernach die zusammen- gesetzten Körper nach dem tierischen, Pflanzen-, mineralischen und Wasserreiche betrachtet; in der IV. Klasse werden die Naturbegebenheiten und Versuche weiter ausgelegt und in einem Lehr- gebäude auf die Stadt- und Landwirtschaft, auf Künste, Gewerbe und Handel angewendet. Als Lehrbuch dienen Richters Naturgeschichte und Auszüge, die der Lehrer selbst aufsetzt und den Schülern mitteilt. In beiden Klassen je 3 Stunden.

Aus den mathematisehen Wissenschaften wird der I. und II. Klasse die Rechenkunst nach ihrem ganzen Umfange, der III. die Messkunst und zum Teil die Mechanik, der IV. die noch übrige Mechanik und Baukunst erklärt; als Lehrbücher werden verschiedene mathematische Werke benutzt. Stundenzahl in der I und II je 2, in III und IV je 4 Stunden.

Die Schulstunden sind Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend von 7 10 und von 2 4, Donnerstag nur von 7 10. Um 10 Uhr gehen alle Klassen in ihr eigenes Oratorium zur hl. Messe. Alle Sonn- und Feiertage ist um 7 ½ Uhr Predigt und um 8 Uhr Hochamt, Nach- mittags um 2 Uhr ist Vesper.

Alle 2 Monate, d. h. 5mal im Jahre, wird über die seither gelernten Sachen eine öffentliche Prüfung angestellt. Am Ende des Schuljahres im September erstreckt sich die Prüfung über alles, was das Jahr hindurch gelernt worden ist. Sie dauert jedesmal 2 Tage von Morgens 811 und von 2 4. Auch die nicht gerade geprüften Klassen haben bei der Prüfung zugegen zu sein.

Neben diesen Gymnasialklassen bestand noch eine Lehrerpflanzschule, welche aus jenen ge- bildet wurde, die dem klerikalen Stande schon einverleibt sind oder zu demselben in das Seminarium aufgenommen zu werden verlangen. Der Direktor des Gymnasiums giebt täglich um 3 Uhr Nach- mittags im Seminarium den Herrn Kandidaten eine Anleitung, die in dem Entwurfe der Mittel- schulen enthaltenen Gegenstände sowohl gründlich zu lernen als anderen ordentlich und mit Nutzen beizubringen. Diesem Unterrichte können auch solche beiwohnen, die nicht Lust zum Lehrerstande haben. Die Frucht dieser Vorlesungen soll die Kenntnis der Sprachen und guter Bücher und die Bildung des guten Geschmacks sein.

Den hervorragendsten Anteil an dieser neuen Schulorganisation nahm Karl Freiherr von Piesport, unter dessen Leitung als Superior des Konvents(17601776) bereits die Lehranstalt der Benediktiner einen ungemeinen Aufschwung genommen hatte und der es darum auch verdiente, dass er zu seinem Biographen den geistlichen Rat und Studienkommissar, den späteren Bischof, Johann Leonard Pfaff erhielt. Die Abhandlung erschien unter dem Titel: Prolusionis loco exponitur de laudibus Caroli lib. bar. de Piesport, scholarum Fuldensium quondam magistri rectoris; dieselbe enthält die Grundzüge des Lebens Piesports, der als der obere Lenker und Leiter der Schule an die Spitze der Reihe von Männern gehört, welche als Förderer der Erziehung am Gymnasium ihre Thätigkeit entfalteten.