Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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der ersten und zweiten Klasse wenigstens zweimal die Woche unterrichtet, sie wird gelehrt durch stete Verbindung mit dem Lateinischen in Etymologie und Syntax, nicht sowohl durch Regeln, als durch Auslegungen der Briefe des hl. Johannes und der 7 ersten Kapitel vom Matthäus-Evange- lium. Dann folgt die Auslegung anderer Bücher des neuen Testamentes, besonders Lukas und die Apostelgeschichte; nebenbei werden aus dem Griechischen abgeleitete Wörter erklärt, welche die Schüler nach dem Alphabete schriftlich ordnen. Als Lehrbücher dienen in der deutschen Sprache: Regeln vom Reden, Schreiben und Versmachen in deutscher Sprache. Würzburg 1772 und Muster der deutschen Sprache. Würzburg 1772. Im Griechischen die hallische Grammatik. Die franzö- sische Sprache wird in je 2 Stunden in der III. und IV. Klasse gelehrt. Als Lehrbücher dienen Pepliers Grammaire. Berlin 1773 und Fleury: Moeurs des Chrétiens et des Israélites. Die Reli- gion wird in der J. und II. Klasse in je 4 Stunden, in der III. und IV. Klasse in je 3 Stunden wöchentlich erteilt. In der IV. Klasse wird die Kirchengeschichte von den Anfängen der christ- lichen Kirche bis auf Klemens XIV. ausführlich auseinandergesetzt. Als Lehrbücher dienen: Der fuldaische Katechismus mit Zuziehung jenes vom Abte Fleury; Felbigers biblische Geschichte und Sittenlehre; in der Kirchengeschichte die eignen Sammlungen des Lehrers. Rhetorik und Poetik wird in der III. und IV. Klasse von zwei Lehrern getrennt behandelt. In der III. Klasse giebt der Lehrer eine Einleitung von den Wissenschaften überhaupt, von den schönen Wissenschaften oder Künsten in Sonderheit; von den Mitteln, welche Natur, Kunst und Ubung dazu herreichen; von einer kurzen Geschichte dieser Wissenschaften. Sodann folgen die drei Hauptteile der Rhe- torik: Erfindung, Anordnung, Ausarbeitung. Der Lehrer zeigt auch hier mehr in Mustern als Regeln, wie man alles zu stande bringe. Die Muster sind lateinische und deutsche, und wenigstens zweimal in der Woche griechische, aus christlichen und heidnischen Rednern des alten Griechenlands zu entnehmen. In der Poëtik wird im allgemeinen die ars poëtica Horatii ausgelegt, woran sich eine kleine Abhandlung aus der Mythologie der Alten schliesst. Darauf behandelt der Lehrer wie der Rhetoriker die Hauptstücke von Erfindung, Anordnung und Ausarbeitung, aber als Poet, und zeigt, wie sich Redner und Dichter in diesen Punkten unterscheiden. Auch legt er deutsche, lateinische und griechische Muster davon den Schülern vor. In der IV. Klasse behandelt der Rhetoriker die prosaischen Stücke, Briefe, Abhandlungen, Dissertationen, die Schreibart der Geschichte, kleine Ge- legenheitsreden, gröszere weltliche und besonders geistliche Reden oder Predigten. Überall werden Muster vorgelegt und die Schüler in der Verfertigung von dergleichen Aufgaben in lateinischer und deutscher Sprache geübt. Der Lehrer der Dichtkunst hat die Anwendung der Regeln auf die 4 Dichtungs- arten: episch, lyrisch, didaktisch und dramatisch zu machen. Vorlage von Mustern und Übungen werden gefordert. In beiden Klassen werden die UÜbungen im mündlichen Vortrag beibehalten. Lehrbücher für die Redekunst sind die 1773 von Jos. Fleischütz herausgegebenen rhetorischen Ta- bellen, die er aus den Rhetoriken Ciceros und Quintilians beleuchtet, und insbesondere werden die Schriften von Tacitus, Livius und Ciceros Orationes dabei erklärt. In der Poëtik werden Vergil, Horaz und Ovid erläutert und einige Stunden zur Erklärung griechischer, prosaischer und poëtischer Schriftsteller angewendet.

Geschichte und Geographie haben in der I. und II. Klasse folgende Ordnung. Neuere Erd-

beschreibung nach dem Lehrbuche: Die grössere Erdbeschreibung. München 1770, und auf den 2