Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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zugleich einzogen, indess die Philosophen noch die Trivialschule nächst dem Rathause einnahmen. An der Stelle des alten Schulgebäudes wurde der nördliche und teilweise der östliche Flügel des päpstlichen Seminars erbaut und die Kapelle an die nordwestliche Ecke verlegt. Nachdem nun so neuer Raum geschaffen war, schritt denn auch der Fürstabt Adolf v. Dalberg zur Erweiterung der höheren Lehranstalt, indem er zu den beiden bisher bestehenden theologischen und philo- sophischen Fakultäten die juristische und medieinische hinzufügte, so dass die Universität nun ihre 4 Fakultäten besass.

Am Tage nach der kirchlichen Inauguration, am 20. Sept. 1734, fand in Gegenwart des Fürstabts, des Kapitels, des gesamten Adels des Landes und der Deputierten der Universitäten Salzburg und Mainz, die ersten Promotionen in der Theologie nach dem üblichen Ritus statt. Das Gebäude warEcclesiae, Patriae, Imperio gewidmet.(Uber die Geschichte der Universität cf. Komp J. c. 70.)

Das neue Akademiegebäude besteht aus zwei dreistöckigen Flügeln, die durch einen Querbau verbunden sind; es hatte ursprünglich folgende Einrichtung. In dem nördlichen Flügel waren drei übereinanderstehende Säle, jeder so gross wie der jetzige Prüfungssaal, und im zweiten Stock nach dem Stadtgraben hin lag noch ein vierter Saal. Später wurden diese Säle mit Ausnahme des Prüfungssaales in kleinere Lehrzimmer verwandelt und vor denselben ein Vorplatz gelassen. Der südliche Flügel hatte ebenfalls vier gleich grosse Säle, und in diesen wurden die Kollegien der vier Fakultäten gehalten. Der Querflügel enthielt das Oratorium oder die Universitätskirche, über welche, und zwar bis an die beiden Flügel im dritten Stock, die akademische Aula sich hinzog. Das Gebäude, wie dasselbe noch heute erhalten ist, hat abgesehen von dem Turme auf dem Mittel- bau und dem Wegfall der beiden grossen Gitterthore, die den Hofraum abschlossen, in seinem Kussern noch dieselbe Form, wie zur Zeit seiner Erbauung. Als im Jahre 1744 die tausendjährige Gedächtnisfeier der Gründung Fuldas begangen wurde, sollte auch ein grosses Drama, Karlmann be- titelt, aufgeführt werden. Der Fürst mit seinem gesamten Hofstaate, der einheimische und aus- wärtige Adel und eine überaus grosse Menge anderer Zuschauer hatte sich eingefunden. Die grosse Aula konnte kaum die Menschen fassen. Als das Drama gerade beginnen sollte und bereits Ruhe eingetreten war, ertönte ein furchtbarer Krach aus dem Fuszboden, so dass alle Zuschauer in Schrecken und Angst versetzt, als ob der ganze Boden samt der Decke des Oratoriums dem Ein- sturze nahe sei, unter entsetzlichem Geschrei und Wehklagen durch die Flucht ihr Leben zu retten suchten. Der Fürst selbst war durch die Hände seiner Barone förmlich auf die Bühne gehoben worden, wohin sich auch der übrige Adel zurückzog. Der Hauptdurchzug am Boden der Aula, in welchen die übrigen Balken der Breite nach eingefügt waren, war gebrochen. Da man aber weder im Oratorium noch in der Auladecke einen Sprung fand, so begab sich der Fürst auf seinen Stuhl zurück. Das Drama wurde zu Ende geführt; die Zuschauerzahl aber war sehr zusammen- geschmolzen. Später jedoch wurde die Aula geschlossen und erst 1877 wiederum zum Gebrauche für Schulfeierlichkeiten hergestellt. Die Gefahr wurde dadurch beseitigt, dass jetzt von O. nach W. vier gewaltige Doppel- Träger von genietetem Eisen, jeder 60 Zentner schwer, gestützt und getragen von mächtigen Blöcken in den Pfeilern, je einer zwischen zwei Fenstern, die starken Mauern zusammenhalten und nebst den sie verbindenden Querbalken den Fussboden tragen. Auszer-