Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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Die Schule der Benediktiner war von der Gründung des Klosters bis zur Aufhebung des Ordens ohne Unterbrechung in dem Bezirke des Klosters errichtet. In den ältesten Zeiten lag das Kloster an der südlichen Seite des heutigen Domes; es ist anzunehmen, dass daselbst auch die Schule ge- legen war. Erst mit der Vergrösserung des Klosters und dessen Verlegung nach der West- seite des Domes ist nicht bestimmt nachzuweisen, ob die Schule auch dahin verlegt wurde, oder in den alten Räumen zurückblieb, oder ob schon damals an der nordwestlichen Seite, wo die heutige Bibliothek steht, die Errichtung des Schulgebäudes stattfand. Es ist dies wohl möglich,

jedoch nicht ausgeschlossen, dass dies auch erst in späterer Zeit geschehen sei; wann, lässt sich nicht bestimmen, wir wissen nur aus der Stiftungsurkunde des Bibliothekgebäudes, dass das letztere an Stelle der alten Klosterschule errichtet wurde. So finden wir denn auch um die Mitte des 18. Jahrhunderts, dass die Benediktiner ihre Kollegien im Konvente und zwar in den Räumen des südlichen Flügels hielten, in dessen oberen Stocke sich das Noviziat befand. Promotionen und dramatische Aufführungen fanden in der Aula des Universitätsbaues statt.

Als im Nov. 1571 die ersten Jesuiten in Fulda eingetroffen waren, hatte Fürstabt Balthasar von Dermbach ihnen zunächst als Wohnung das seit 45 Jahren leer stehende, verwahrloste Gebäude der Minoriten und für den Gottesdienst die daran stoszende Kirche überlassen. Mit vieler Mühe wurde das Gebäude wieder in wohnlichen Stand gesetzt, das dem Kolleg zur Unter- kunft diente. Um nun Raum für Schulsäle zu gewinnen, schenkte der Fürst den Jesuiten ein nach S. gelegenes geräumiges Gebäude,die alte Münze genannt, worin früher die Schöffen- gerichte abgehalten wurden, und liess einen Gang über die Strasse von der Kirche aus aufführen, damit man unmittelbar aus dem Kollegiengebäude in die Schulsäle kommen könnte. Mit diesem Schulgebäude hing ein Haus zusammen, das der Fürstabt ebenfalls ankaufte und zum Seminar für die Alaumnen bestimmte; ausserdem wurden noch zwei andere damit zusammenhängende Gebäude, ein Wirtshaus und ein Bäckerhaus, angekauft und mit den andern verbunden. Als dieses Alumnat 1584 ein päpstliches Seminar für den deutschen Adel wurde, fand eine Erweiterung des Schulgebäudes und des Seminars der Art statt, dass es 130 Zöglinge fasste. 1610 brach ein Brand aus, der bald das ganze Dach ergriff und in Flammen setzte. Das Schulgebäude und die Kirche blieben zwar unberührt, aber bei der Ausbesserung des Brandschadens stellte sich heraus, dass das Balkenwerk des Schulbaues von schlechtem Holze und angefault war. Das schadhafte Gebälk wurde zwar erneuert, aber bei der Art, wie das ganze Gebäude aus alten Häusern nach und nach zusammengesetzt war, blieb der bauliche Zustand immer noch bedenklich. Man behalf sich, besserte aus, soweit es eben ging, bis 1719 eine Untersuchung von Sachverständigen vorge- nommen wurde und sich herausstellte, dass gröszte Gefahr vorhanden sei. Die Schulzimmer wurden alsbald geräumt und alle Schulen in das Alumnatshaus(jetzt Stadtpfarrhaus) untergebracht. Es war ein Neubau notwendig, und zwar sollte derselbe auf Staatskosten aufgeführt werden. Da Fürst- abt v. Dalberg die Gründung einer Akademie erstrebte, in welche er auch die oberen Schulen der Jesuiten aufnehmen wollte, so wählte er einen in der Nähe des Kollegs gelegenen Platz und am 26. Aug. 1731 fand die Grundsteinlegung des Gebäudes statt, in welchem sich heute noch das Gym- nasium befindet. Ein Teil der Stadtmauer mit einem alten Turme, sowie mehrere Häuser wurden

abgebrochen und der Bau so gefördert, dass schon am 2. Aug. 1732 Theologen und Gymnasiasten