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lesungen im Konvent, auf die Examina pro primatu am Kolleg und die Promotionen an der Univer- sität. Als Karl von Piesport Superior des Konvents(1760— 1776) war, nahm die Lehranstalt der Benediktiner einen ungemeinen Aufschwung. Piesport, der von 1743— 1755 Professor der Philo- sophie und Theologie an der Universität gewesen, war eingedenk des alten Glanzes seines Ordens und suchte denselben neu anzufachen. Er besetzte die Lehrstühle mit tüchtigen Männern und bot alles auf, die Benediktiner-Schule ebenbürtig neben die der Jesuiten zu stellen, wozu er sich um so mehr angetrieben fühlte, als auch die Jesuiten die tüchtigsten Männer aus ihrer Provinz nach Fulda beriefen. So bildeten diese Gegensätze einen reinen und ungetrübten Wetteifer, der sich freilich nicht immer auf dieser idealen Höhe erhielt. Den Studenten der Philosophie und Theologie war es freigestellt bei den Benediktinern oder Jesuiten ihre Studien zu machen, und sie thaten es, je nachdem sie Lust hatten, bei den Benediktinern in Fulda unterzukommen oder durch Empfehlungen der Jesuiten, die im Auslande mächtigen Einfluss übten, ausserhalb des Vaterlandes eine Anstellung zu erhalten. Es bildeten sich Streitfragen, an denen auch die Studierenden teil nahmen, bei denen jedoch aus den wissenschaftlichen Wettkämpfen und den verwickelten Rechts- fragen ein persönlicher Gegensatz sich soweit entwickelte, dass er in einer förmlichen Schlägerei 1761 endete. Durch gegenseitige versöhnliche Gesinnungen seitens des Kollegs der Jesuiten und des Konvents der Benediktiner wurden Friede und Eintracht wiederhergestellt, als die Kriegswogen von 1757 an ihre blutigen Wellen über das Fürstentum ergossen. Die Schulen erlitten dadurch besondere Störungen: das Schulgebäude musste wiederholt ganz oder teilweise geräumt werden. Bald wurde es ein Hospital für Kranke und Verwundete, bald eine Kaserne zur Einquartierung der Massen, bald mit dem Seminar ein Speicher für Getreide und Mehl; das Oratorium wurde als Pulvermagazin benutzt.
Im Jahre 1770 wurde eine Kommission für das Schulwesen angeordnet, bestehend aus dem Kapitular von Piesport, dem geheimen Hofrat Brack und dem Professor des kanonischen Rechts im Konvent Beck. Die Beschlüsse und Verhandlungen derselben bewiesen, dass die Benediktiner die Oberhand beim Fürsten hatten. Die Professur der Mathematik wurde vom Kolleg auf den Konvent übertragen. Es fällt dies in die Zeit, wo die ersten Gerüchte von der bevorstehenden Auflösung des Jesuitenordens in Fulda bekannt wurden. Am 21. Juli 1773 war das Gerücht zur Wahrheit geworden. Das Kolleg von Fulda wurde am 6. Sept. 1773 geschlossen. Es blieben nur die Patres Dietrich, Maciejowsky, Joseph Fleischütz aus Fulda, Jakob Zweifel und Ignaz Dorn, wozu der Exjesuit Hillebrand kam, welche als Direktoren und Professoren am Gymnasium ver- wendet wurden, in Fulda zurück. Die Universität blieb; das Gymnasium wurde neu organisiert, das Seminar aber in der früheren Weise fortgeführt, jedoch in ein bischöliches verwandelt, dem die ganze Exjesuitenmasse einverleibt wurde. Die Benediktiner lehrten nun allein bis zur Aufhebung der Universität Philosophie und Theologie..
2) Der Schauplatz dieser geistigen Thätigkeit, die sich im Laufe der Jahrhunderte bis zu einer vollständigen Hochschule entwickelt hatte, lag ursprünglich im Westen der Stadt im fest umschlossenen Klosterbezirke; im 16. Jahrhundert erweiterte sich derselbe und bildete ein groszes Viertel der eigentlichen Stadt, wie dies aus dem angefügten Plane ersichtlich ist.


