Aufsatz 
Ein Jahrhundert aus der Geschichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas : 1734-1835 : Festschrift zur Feier des 50. Stiftungsfestes des jetzigen Königlichen Gymnasiums zu Fulda am 25. Mai 1885 / von Prof. Jakob Gegenbaur
Entstehung
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schmalkaldische Krieg und ihre schweren Schädigungen, noch möglich war, dass die Schule der Benediktiner trotz dieser Kriegsfluten sich erhielt, fortdauerte und auch später wieder zu neuem Glanze sich erhob.

Mit dem Beginne des Jahres 1571 hatte sich der Abt Balthasar von Dermbach entschlossen, ein Kolleg der Jesuiten zu gründen; bereits im Herbste desselben Jahres war eine Anzahl derselben eingetroffen und hatte alsbald mit einigen adeligen Pagen und den Söhnen mehrerer Bürger den Anfang zu einer Schule gemacht, die sich trotz der Einsprache des Domkapitels, des Adels und der Dazwischenkunft der Fürsten von Sachsen und Hessen nicht bloss erhielt, sondern schon 1583 aus 6 Klassen bestand und 1584 zu einem grossen päpstlichen Seminar für den deutschen Adel durch Gregor XIII. erhoben wurde, das 1601 über 130 Zöglinge hatte, die nicht nur aus dem Fürstentume Fulda, sondern auch aus Hessen, Sachsen, vom Rhein, aus Westfalen, Schwaben und anderen Ländern herbeigekommen waren. Die grösste Gefahr für das Gymnasium der Jesuiten kam durch den 30 jährigen Krieg im Jahre 1632. In Folge des Einbruchs der Schweden und Hessen hörte die Schule bis 1635 auf; das päpstliche Seminar flüchtete nach Köln; erst 1640 wurde das Gymnasium wieder eröffnet und 1651 kehrte das päpstliche Seminar zurück, und nach wenigen Jahrzehnten feierte im neuen Glanze die zweite höhere Schule Fuldas ihr hundertjähriges Jubiläum und hatte sich neben der Benediktiner-Schule zu grosser Blüte emporgerungen.(Das Nähere hier- über ist aus Dr. Komps Schrift: Die zweite Schule Fuldas und das päpstliche Seminar 1571 1773, einer aus Quellen geschöpften gründlichen Darstellung der einschlagenden Verhältnisse, zu entnehmen.) Durch dieses Beispiel hatte denn auch der Konvent der Benediktiner und seine Schule neue An- regung empfangen und eine angestrengtere Thätigkeit entwickelt, so dass nach allen Seiten hin ein reges, geistiges Leben in Fulda herrschte. Die Benediktiner traten mit dem Konvente zu St. Peter in Salzburg in Verbindung zur wechselseitigen Ausbildung ihrer Zöglinge; sie zogen neue Mitglieder aus St. Gallen herbei; aus der Schule der Jesuiten empfingen sie treffliche Novizen, und so entfaltete auch die Benediktinerschule in höherem Masze wiederum ihre alte Thätigkeit.

In diese Zeit fällt der Gedanke an die Errichtung einer Akademie oder Universität, worin die Benediktiner, im Bewusstsein die Erben einer tausendjährigen Kultur zu sein, entsprechenden Raum fanden ihre hochberühmte Wirksamkeit wieder aufzunehmen. Da auch der Säkularklerus, an dessen Spitze der damalige Stadtpfarrer Dr. Hohmann stand, seine angemessene Beteiligung an der theologischen Fakultät erlangt hatte, so fand die Inauguration der Universität Adolphiana in der Stiftskirche am 19. Sept. 1734 durch den Fürstabt Adolf v. Dalberg feierlichst statt. Hrabanus Maurus wurde zum Patron der theologischen Fakultät erklärt und dadurch in sinniger Weise der Zusammenhang angedeutet, den die jetzigen Schulen der Benediktiner, der Jesuiten und des Säku- larklerus mit der alten, weltberühmten Klosterschule Fuldas hatten.

Das Gymnasium und die philosophische sowie theologische Fakultät standen unter der Leitung der Jesuiten, welche auch die Lehrstellen inne hatten. Neben den Jesuiten lehrten aber auch die Benediktiner Philosophie und Theologie, so dass gewissermaszen zwei philosophische und zwei theolo- gische Fakultäten an der Universität neben einander bestanden. Es konnten bei dieser Sachlage Ver- wickelungen nicht ausbleiben(Komp 1. c. 86). Sie betrafen zunächst wissenschaftliche Fragen, dann auch Streitigkeiten über Rechtsverhältnisse der Akademie, in Bezug auf den Besuch der Vor-