Bin Jahrhundert aus der Gesehichte der höheren gelebrten Schulen Fuldas. 1734— 1835.
I. Vorbereitende Zeit.
1) Die Geschichte der höheren Schulen Fuldas bietet in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein um so höheres Interesse für eine historische Betrachtung dar, als gerade in dieser Zeit ein bedeutsamer Knotenpunkt der geschichtlichen Entwickelung dieser Schulen sich befindet, indem sich die ältere Schule, die Klosterschule der Benediktiner, vom Abt Sturmi 744 gegründet, nach tausendjährigem Bestande, und das am 20. Okt. 1572 unter dem Fürstabt Bal- thasar v. Dermbach eröffnete Gymnasium unter der Leitung der Jesuiten, an die unter Fürstabt Adolf v. Dalberg gestiftete Universität, zu welcher Klemens XII. die Bestätigungsbulle(1. Juli 1732) und Karl VI. das kaiserliche Genehmigungs-Diplom(12. März 1732) erteilt hatte, unmittelbar anschlossen und derselben unterordneten.
Als durch die Auflösung des Jesuitenordens das Gymnasium desselben einging, so trat an dessen Stelle, unter Vereinigung mit der Schule der Benediktiner, das von Fürstabt Heinrich von Bibra durch gesetzliche Bestimmungen vom 23. Sept. 1774 gegründete hochfürstliche Gymnasium, das päpstliche Seminar ging als bischöfliches Seminar an die Benediktiner über, und beide blieben von dieser Zeit an in gleicher Verbindung wie seither mit der Universität. Nach der Säkmularisation des Hochstifts Fulda unter dem Prinzen von Oranien(2. Okt. 1802) fand die Auflösung der Uni- versität statt und wurde das akademische Luceum und Gymnasium gegründet, aus welchem das jetzige Königliche, damals Kurfürstliche Gymnasium neu organisiert hervorging, das am 25. Mai 1835 eröffnet wurde. Dasselbe feiert nunmehr sein fünfzigjähriges Jubiläum, wodurch ein Rückblick auf die frühere Periode von 1773— 1835 angemessen erscheinen dürfte.
Durch eine ganze Reihe historischer Ereignisse, welche zum Teil noch in die letzten Jahr- hunderte des Mittelalters hineinreichen, war der Glanz der alten Klosterschule bedeutend schwächer und ebenso die Macht des Hochstifts kleiner geworden. Mit dem Beginne der neuen Zeit brachen noch gewaltsamere Stürme über die Stiftung des hl. Bonifatius herein, so dass man mit Recht die Frage aufwerfen kann, wie es überhaupt unter so furchtbaren Stürmen und Kriegen, wie der alles zerstörende Bauernkrieg, dann die wiederholten Einfälle des Landgrafen Philipp von Massen, der
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