Aufsatz 
Die Lehrer des Gymnasiums von 1835 bis 1885
Entstehung
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Einladung zur qubiläumsfeier. . d

Fulda darf sich rühmen der Sitz der ältesten gelehrten Schule in Deutschland zu sein. Denn seine höhere Schule, deren Ursprung über die Zeit Karls des Grossen hinaufreicht, hat seit den Tagen, wo der hl. Hrabanus Maurus, der Begründer und Schöpfer des deutschen Schulwesens, ihr Vorsteher und Leiter wurde, länger denn ein Jahrtausend hindurch, wenn auch unter verschie- denen Namen und in verschiedener Form, bis auf den heutigen Tag ununterbrochen fortbestanden.

Die Klosterschule,¹) im 9. Jahrhundert der Mittelpunkt und die Pflanzstätte der Gelehrsam- keit in Deutschland, erhielt sich bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Aut sie folgte, obwohl auch die Schule des Benediktiner-Konvents fortbestand und zeitweilig wieder zu neuer Blüte sich erhob, das Jesuitengymnasium(1572 1773) in Verbindung(seit 1584) mit einem päpstlichen Seminar. ²) Daran schloss sich eine 1734 durch Fürstabt Adolf von Dalberg inaugurierte Uni- versitdt, welche aber schon nach 70jährigem Bestehen unter der Regierung des Prinzen Wilhelm von Oranien wieder einging. Bis zu derselben Zeit bestand seit Aufhebung des Jesuitenordens das von Fürstbischof Heinrich von Bibra gegründete hochfürstliche Gymnasium(1774 1805), und an die Stelle dieser Anstalten trat dann zu Anfang dieses Jahrhunderts nach der Säkmulari- sation der fürstlichen Abtei das von dem Prinzen von Oranien als Landesherrn gestiftete und fundierte alademische Lyceum und Gymnasium(1805 1835).³) Im Jahre 1835 endlich wurde diese zweifache Lehranstalt nach dem Vorbilde der preussischen Gymnasien zu einem einheitlichen sechsklassigen Gymnasium umgestaltet, zu dessen erstem Direktor der Königl. Professor Dr. Nic. Bach aus Breslau berufen ward. Bereits im April des genannten Jahres war der damalige Direktor des schon 1833 reorganisierten Marburger Gymnasiums Dr. A. F. C. Vilmar als Kom- missarius nach Fulda geschickt worden, um die Grundlinien der neuen Organisation zu ziehen, und am 25. Mai wurde von Professor Wagner als Stellvertreter des Direktors durch einen einfachen Schulaktus, zu welchem sich das Lehrerkollegium und die Schüler im Prüfungssaale versammelt hatten, das reorganisierte Kurfürstliche Gymnasium feierlich eröffnet.

Mit dem 25. Mai des Jahres 1885 wird also das jetæige Königl. Gymnasium, dessen Orga- nisation seitdem im wesentlichen dieselbe geblieben ist, auf das erste halbe Jahrhundert seines Be- stehens zurückblicken. Diesen Tag festlich auszuzeichnen liegt aber um so mehr Veranlassung

¹) Vgl. die Programm-Abhandlung von Gegenbaur:Beiträge zur Geschichte der Gelehrtenschulen Fuldas. Erste Abt. Die Klosterschule. Fulda 1856.

²) Hierüber handelt die Monographie von Dr. Komp:Die zweite Schule Fuldas und das päpstliche Seminar. Aus den Quellen geschöpft. Fulda 1877.

³) Die demnächst zu veröffentlichende F estschrift des Prof. Jalc. GegenbaurEin Jahrhundert aus der Ge- schichte der höheren gelehrten Schulen Fuldas wird den Zeitraum von 1734 1835 behandeln.