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der Weise hervortritt, so ist doch nicht zu verkennen, dass alle Konfessionen und Parteien jetzt mehr als je den praktischen Aufgaben christlicher Liebesthätigkeit ihre Aufmerksam- keit zuwenden und sich hier in gleichem Streben begegnen oder mit einander wetteifern. Nicht viel über 50 Jahre ist es her, dass die ersten Anstalten entstanden, die dazu be- stimmt waren, den sittlichen Schäden, an denen unser Volksleben krankte, abzuhelfen. Wie viele Anstalten derart bestehen jetzt, wie viele Hülfs- und Wohlthätigkeitsvereine sind entstanden, um den geistigen und leiblichen Notständen entgegenzuarbeiten! Wie ist man überall durch Wort und That bemüht, die religiöse Grundlage zu retten und zu befestigen, auf welcher unsere gedeihliche Fortentwickelung und das gesunde Wachstum unserer Kultur beruht!— Wenn aber ein solcher Zug religiöser Erweckung in Gemein- den und Familien eindringt, kunn davon die Jugend unberührt bleiben? wird sie der reli- giösen Unterweisung nicht ein gespannteres Interesse entgegenbringen? wird der Schule nicht ihre Aufgabe erleichtert werden, christlichen Geist zu wecken und zu beleben, zu rechter Gottesfurcht zu erziehen und eine religiöse Gesinnung zu begründen, die später auch im Leben vorhält und zur Bethätigung gelangt?
Was soll ich von unserem äusseren Verkehrsleben sagen? Ist es nicht, als hätte sich in den letzten 50 Jahren die Welt umgestaltet? Und welchem Umstand haben wir das anders zu verdanken, als dem Aufschwung der Naturwissenschaften, die fortwährend neue ungeahnte Resultate zu Tage fördern? Berühren diese nicht aufs unmittelbarste un- sere Existenz, unser geistiges und leibliches Wohl? Wie kann es dem Lehrer der Natur- wissenschaft schwer fallen, die Aufmerksamkeit seiner Schüler zu fesseln, wenn diese Tag für Tag und Schritt auf Schritt hingewiesen werden auf den Umschwung, den die Erfor- schung der Naturgesetze, den die Beherrschung und die mannigfachste Verwertung ihrer Kräfte zu der Menschen Wohlergehen und zur Verschönerung des Lebens hervorgebracht hat?— Müssen nicht auch die Forschungs- und Entdeckungsreisen in den unbekannten Teilen der Erde und die damit verbundenen Ansiedelungen und Erwerbungen das Interesse für den geographischen Unterricht beleben und erböhen?
Nicht minder bewundernswert, als die Fortschritte der Naturwissenschaft sind die- jenigen der Sprach- und Altertumswissenschaft. Alle Sprachen der Welt werden heutzu- tage erforscht, nicht nur zu praktischen Zwecken, sondern auch um tiefer in das Wesen der Sprache einzudringen, im Interesse reiner Erkenntnis. Insbesondere ist unser indo- germanischer Sprachstamm der Gegenstand gelehrten Studiums. Durch die Vergleichung der verwandten Sprachen und die historische Behandlung derselben hat der Sprachunter- richt eine ganz andere Gestalt gewonnen. Die Einblicke, die den Schülern eröffnet werden in den Zusammenhang der Sprachen, in ihre Verwandtschaft und Verschiedenheit, können nur das lebhafteste Interesse erwecken und zur Uberwindung der Schwierigkeiten bei der Erlernung anfeuern.— Inbezug auf die Altertumswissenschaft erinnere ich nur an die zahlreichen Ausgrabungen, die eine Fülle wertvollster Schätze zu Tag gefördert haben und noch immer zu Tage fördern. Die Anschauung derselben oder auch nur der Abbil- dungen kommen dem ÜUnterricht in mannigfacher Hinsicht zu gute. Nicht weniger hat die Masse von Inschriften, die in gross angelegten Werken gesammelt werden, zur Auf- hellung des Altertums beigetragen, und manche längst verloren geglaubte Werke der Litteratur treten plötzlich wieder ans Licht.—
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