Aufsatz 
Bericht über die Feier des 350jährigen Bestehens der Anstalt
Entstehung
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gewaltigen Umgestaltung unserer öffentlichen Verhältnisse und den bedeutendsten Fort- schritten auf allen Gebieten des Lebens und Wissens.

Denn die Schule führt kein abgeschlossenes Leben für sich, sie wird auf das mannig- faltigste beeinflusst von der sie umgebenden Welt. Durch alle Poren dringt der in dieser herrschende Geist in sie ein; Aufsichtsbehörden, Lehrer und Schüler werden durch denselben in ihrem Wirken und Denken bestimmt. Durch alle möglichen Kanäle, durch die Familie, durch den geselligen Verkehr, durch die Presse, durch Lektüre aller Art dringt er ein und wirkt auf den Betrieb und die Ziele des Unterrichts, auf die Handhabung der Zucht, auf den die Sitte beherrschenden Ton bald hemmend, bald fördernd ein.

Wirft man nun von diesem Gesichtspunkt aus einen Blick auf die Vergangenheit und vergleicht das Sonst und Jetzt, so wird man sich gestehen müssen, dass unsere Gym- nasien jetzt in mancher Beziehung günstiger gestellt sind als früher und in der Erfüllung ihrer Hauptaufgaben durch die sie umgebende Welt wesentlich gefördert werden. Wie stand es vor 50 Jahren mit den öffentlichen, mit den politischen Verhältnissen in unserem lieben Vaterlande? Waren dieselben etwa geeignet, die Jugend zu erwärmen und zu er- heben? Gewiss nicht! Nach aussen machtlos, im Innern friedlos und zersplittert, lag es danieder. Nicht sicher vor Verfolgung verzehrten sich im Unmut und in Unthätigkeit die patriotisch gesinnten Männer, fast verzweifelnd an der Zukunft unseres Volkes. Eine dumpfe Gährung pahm allmühlig überhand und es erfolgte der revolutionäre Ausbruch des Jahres 1848. Hoch schlugen die Herzen in der Hoffnung auf Herstellung des deutschen Reiches und Kaiserthrones. Aber bitter wurde sie getäuscht und Deutschland sank wieder zurück in das frühere Elend und verzehrte seine Kraft von neuem in inneren Zwistigkeiten. Aber endlich kam doch der Erretter und führte Schlag auf Schlag gegen die Feinde unsrer Einheit, setzte sich die Kaiserkrone auf sein sieggekröntes Haupt und erhob Deutsch- land zu seiner jetzigen Machtstellung. Und zu der Grösse und Macht nach aussen fügte er Freiheit und Friede im Innern. Mächtig wie nach allen Seiten hin, musste diese politische Bewegung und Neugeburt der Nation auch auf die Schule zurückwirken. Wie viel leichter ist es jetzt für sie, einer ihrer ersten Pflichten nachzukommen, patriotischen Geist, Vaterlandsliebe, Begeisterung für Kaiser und Reich der Jugend einzupflanzen. Muss sie nicht auf dem Gymnasium schon durch das überall auf sie eindringende frische Leben, durch die Feier der patriotischen Gedenktage, durch die Anschauung der patriotischen Denkmäler in der Nähe und Ferne, geneigter und befähigter werden dem Gang der deut- schen Geschichte zu folgen? Und wird sie nicht auch in das Verständnis politischer Kämpfe und historischer Entwickelung bei fremden Völkern rascher und williger ein- geführt werden können? Ja, ein erfrischender Hauch belebt den ganzen Geschichtsunter- richt und echte patriotische Gesinnung ist eingedrungen in die Herzen unserer studierenden Jugend, wie sich überall zeigt, wo sie öffentlich hervortritt.

An solch erfrischendem Hauch fehlt es aber auch den meisten übrigen Gegenständen des Unterrichts nicht. Denn ein ähnlicher Umschwung wie auf dem politischen Gebiete hat sich auch auf andern Gebieten vollzogen. Blicken wir hin auf das religiöse und kirchliche Leben! Auch dieses lag vor 50 Jahren kümmerlich danieder. Und wenn auch immer noch und nicht ohne Grund über Gleichgültigkeit gegen Religion und Kirche auch unter den Gebildeten geklagt wird, und vielen das Organ dafür gänzlich zu fehlen scheint, wenn auch konfessioneller Streit und dogmatischer Parteihader hin und wieder in abschrecken-