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stadt Wiesbaden wuchs, je mehr sich auch das Bedürfnis an Staatsdienern steigerte, genügte die eine Vorbildungsanstalt nicht mehr und es entstanden zuntchst zwei neue Gymnasien, eins in Wiesbaden und eins in Hadamar; das hiesige aber wurde zu einer achtklassigen Anstalt erweitert. Die bevorzugte Stellung, welche es bisher eingenommen hatte, hörte auf, der Besuch von aussen wurde geringer, wührend die Zahl der Einheimischen wuchs; aber immer blieb ein Abglanz der früheren Zeit auf der Anstalt, der Geist des Obergym- nasiums wirkte fort. Mit besonderem Eifer wurden auch jetzt noch die klassischen Studien getrieben und eine Ehre dareingesetzt, nach dieser Seite gerade den früheren Ruhm zu be- haupten. Eine Reihe hervorragender Lehrer wirkte mit Eifer und Erfolg an der Schule; durch Umgestaltung des Lehrplans, der Entlassungsprüfungen und anderes suchte man den Fortschritten der Methodik und Didaktik gerecht zu werden, auch durch Aufrechthaltung der Zucht den guten Ruf der Anstalt zu erhalten. So kam das Jahr 1866, in welchem das Herzogtum der preussischen Monarchie einverleibt wurde, dem Staate, der seit lange die tonangebende Stelle wie auf anderen Gebieten, so namentlich auf dem des Schulwesens eingenommen hatte, dessen Anstalten für andere deutsche Staaten ein Muster, für das Ausland ein Gegenstand der Bewunderung waren und geblieben sind. Bald wurde auch unsere Anstalt nach den in den alten Provinzen bestehenden Einrichtungen umgestaltet und erfreut sich seitdem der wohlwollenden Fürsorge der neuen Schulbehörden. Freilich muss sie sich jetzt im Vergleich zu früherer Zeit, wo sie in einem kleinen Staate eine hervorragende Stelle einnahm, mit einer bescheidenen in dem grossen Staate begnügen, um so mehr, als seit der Zeit der Annexion die Zahl der Gymnasien sich bedeutend ver- mehrt hat, und diese in den grösseren Städten einen Umfang gewonnen haben, an den früher niemand denken konnte. Aber neben diesen Anstalten, welche teilweise an Über- füllung leiden, führen die kleineren eine berechtigte Existenz fort und dürfen sich eigen- tümlicher Vorzüge rühmen, die namentlich darin bestehen, dass den Bedürfnissen der ein- zelnen Schüler mehr Rechnung getragen und den störenden Einflüssen, der Unruhe des vielbewegten Lebens leichter gewehrt werden kann. Die einfachere Lebensweise in den kleineren Städten wirkt wohlthätig auf die Schulen zurück, und das nähere Zusammen- wohnen macht eine allseitigere Einwirkung der Lehrer auf die Schüler möglich. Der nach der anderen Seite zu liegenden Gefahr, dass der Gesichtskreis sich verengt und das Leben der Schule verkümmert oder sich in einseitige Richtungen verliert, hinter den An- forderungen der Zeit zurückbleibt, wird dadurch vorgebeugt, dass jetzt ein näherer Zu- sammenhang mit den übrigen ähnlichen Anstalten der grossen Monarchie hergestellt ist und in ununterbrochenem Austausch mit denselben besteht. Auch geniesst sie der Wohl- that einer Schulgesetzgebung und Verwaltung, die sich von jeher der hohen Bedeutung bewusst gewesen, welche das höhere Schulwesen für das Gedeihen des Staates hat, und. auf der umfassendsten und gründlichsten Erfahrung fusst. Nicht ohne die eingchendste Erwägung der einschlagenden Verhältnisse werden die Schuleinrichtungen geäündert, nicht leicht Neuerungsversuche gemacht; den unreifen Vorschlügen Ubereiferer wird kein Ge- hör geschenkt, in besonnenem Fortschritt werden die Resultate der Wissenschaft ver- wertet. Sichere Hände führen die Zügel, deren Leitung man sich gerne anvertraut. Einem solchen grossen und trefflich gegliederten, lebensvollen und lebensfrischen Organis- mus anzugehören, kann nur als Wohlthat empfunden werden, und entschädigt für den Verlust früher bevorzugter Stellung reichlich, zumal da er in Verbindung steht mit der


