Aufsatz 
Bericht über die Feier des 350jährigen Bestehens der Anstalt
Entstehung
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das wir noch heute benutzen, bezogen wurde. Es war der Fürst Karl Christian, der es- erbauen liess, um Raum zu gewinnen für die zunehmende Schüler- und Lehrerzahl. Denn damals erfreute sich die Schule eines weitverbreiteten Rufes, der die Jugend aus den fernsten Gegenden herbeizog; nicht nur Deutsche, sondern auch Schweizer, Franzosen, Holländer, Dänen u. a. Dies hatte zumteil darin seinen Grund, dass sie nicht blos für die gelehrten Berufe vorbereitete, sondern namentlich auch denen, welche sich dem Han- delsstande widmen wollten, Gelegenheit zur Ausbildung gab. Zugleich aber stand die An- stalt damals unter der vortrefflichen Leitung des Direktors Schellen berg, der 40 Jahre, länger als irgend ein anderer vor oder nach ihm, seines Amtes mit unermüdlicher Thätig- keit und seltenem Geschicke waltete.*) Der Fürst von Weilburg selbst und seine Räte, zu denen vor allen der bekannte Freiherr Hans v. Gagern gehörte, nahmen sich der- selben eifrig an und drangen auf Verbesserung der Schuleinrichtungen und des Unterrichts. Es liegen unverdächtige Zeugnisse über den blühenden Zustand der Schule in jener Zeit. vor, nicht blos von Lehrern derselben, sondern auch von Professoren der benachbarten Universitäten und von urteilsfähigen Schülern, die, später zu einflussreichen Stellen gelangt, sich dankbar der hier genossenen Vorbildung erinnerten.**) Das Ansechen, das die Anstalt genoss, dauerte auch in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts fort; die klassischen Studien erfreuten sich jetzt einer besonderen Pflege und waren durch hervorragende Lehrer vertreten. Als daher im Jahre 1817 das nassauische Schulwesen umgestaltet wurde, war der gute Ruf des hiesigen Gymnasiums offenbar der Hauptgrund, dass es gerade zum Landesgymnasium, zur Centralanstalt für alle, die sich einem gelehrten Berufe widmeten, erboben wurde und an die Spitze der Gelehrtenschulen des Herzogtums Nassau trat. Die übrigen, welche bis dahin bestanden hatten, wurden als Vorschulen demselben unterge- ordnet. Als höchste Bildungsanstalt des Landes hat es dann bis zum Jahre 1844 fortbe- standen. Es wurde reichlich ausgestattet und war ein Gegenstand besonderer Fürsorge und Aufmerksamkeit der Behörden. Der Zuzug von auswärts hörte zwar auf, da die Gymnasien im übrigen Deutschland, namentlich in Preussen, aber auch in den andern be- nachbarten Staaten wie in Hessen, einen neuen Aufschwung nahmen, aber alle Nassauer, welche sich dem höheren Staatsdienst widmen wollten, kamen mit wenig Ausnahmen hier zusammen, und durchliefen gemeinsam die vier Klassen, aus denen die Anstalt bestand, um dann zur Universität abzugehen. Noch manche von denen, welche damals das Gym- nasium besuchten, leben, zum teil in hohen Würden und Ehren, und alle erinnern sich ihrer Schulzeit mit Freuden, da ein reges Leben und Streben herrschte und die Söhne des ganzen Landes, die nach höherer Bildung strebten, zu dauernder Preundschaft mit einander verband. Je mehr aber die Bevölkerung zunahm und insbesondere in der Haupt-

*) Ein Enkel des genannten, Herr Geheime Regierungsrat C. Schellenberg von Wiesbaden, wohnte der Feier bei.

**) Namhaft mache ich die Söhne H. v. Gagerns, Friedrichi und Heinrich v. Gagern, ferner den langjährigen Nassauischen Regierungspräsidenten Möller. Von letzterem wird in dem hiesigen Archiv eine Zuschrift aufbewahrt, die er bei der Feier des 300jährigen Jubiläums im Jahre 1840 an das Gymnasium richtete. Da er selbst 50 Jahre früher in dasselbe eingetreten war und es bis in die obersten Klassen durchlaufen, seitdem aber ihm immer nahe gestanden und es beobachtet hatte, fühlt er sich be- rufen, ein Urteil über seine Leistungen zu fällen. Dieses fällt sehr günstig aus; er behauptet sogar, zur Zeit seines Eintritts(1790) habe die Anstalt eines mehr als Europäischen Rufes genossen, und zühlt unter seinen Mitschülern Namen aus Dänemark, Holland, Frankreich, der Schweiz und Süd-Amerika auf.