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I. Die Einrichtung des Kursbuches.
1. Allgemeines.
Das Reichs-Kursbuch wird im Kursbureau des Reichs-Postamts in Berlin bearbeitet. Den Verlag hat die Buchhandlung von Julius Springer in Berlin übernommen. Es erscheint achtmal im Jahre und zwar zum 1. Januar, 1. März, 1. Mai, 1. Juni, 1. Juli, 1. August, 1. Oktober und 1. November. Es kann durch sämtliche Postanstalten und den Buchhandel bezogen werden. Der Preis jeder einzelnen Ausgabe beträgt überall 2 Mark. ¹)
2. Geschichtliches.
Im Jahre 1850 erschien zum erstenmale ein amtliches Fahrplanbuch der Postverwaltung in grauer Farbe als„Eisenbahn-, Post- und Dampfschiff-Coursbuch“. Bestimmte Ausgabetermine gab es nicht, Neu-Auflagen sollten nach Bedürfnis erscheinen, doch jährlich mindestens 6 bis Smal. Es kostete 10 Silbergroschen und umfaſste 128 Seiten. Ein eigentliches Eisenbahnnetz gab es damals noch nicht, indessen waren schon grölſsere Strecken in Betrieb. Berlin hatte direkte Verbindung mit Hambarg, mit Posen über Stettin, mit Warschau, Krakau und Wien über Breslau, mit München über Hof— Nürnberg— Augsburg(abgesenen von der Strecke Reichenbach-Plauen), mit Gieſsen und Cassel über Erfurt— Bebra und mit Deutz über Magdeburg— Hannover. Auf mehreren Bahnen, z. B. auf der 17 Meilen weiten Strecke Linz-Budweis wurden die Züge durch Pferde gezogen. Natürlich waren die Posten auf Landwegen noch sehr zahlreich. Gröſsere Postverbindungen waren die Schnellposten von Berlin über Königsberg— Tauroggen nach St. Petersburg(Fahrzeit 6 Tage), von Stettin nach Danzig, von Posen nach Warschau, von Frankfurt nach Cöln u. a. Im Binnenverkehre spielten die Dampf- schiffe noch eine gröſsere Rolle, so auf der Elbe, der Weser, dem Rhein, der Maas, dem Main, dem Neckar und der Donau. In den folgenden Jahren wuchs das Kursbuch naturgemäſs mit dem Bau neuer Eisenbahnwege. Von 1855 ab erschien es in 2 jährlichen Ausgaben(Sommer- und Winterausgabe), von 1873 ab als„Kursbuch der deutschen Reichs-Postverwaltung“ in 2 Abteilungen. Die erste brachte in Monatsausgaben die Eisenbahnen in Deutschland und Osterreich-Ungarn sowie eine Übersicht der bestehenden Rundreise-Touren; die zweite Abteilung, die jährlich achtmal erschien, enthielt die bedeutenderen Eisenbahnen in den übrigen Ländern Europas, Postverbindungen in Deutschland und den angrenzenden Ländern, Dampfschiff-Kurse, Reise- und Badetouren usw. Jede Abteilung kostete 10 Silbergroschen. Seit Februar 1905 zerfiel das Kursbuch in 4 Hefte in Groſsquartformat. Je ein Heft enthielt die Eisenbahn-, Post- und Dampfschiff-Verbindungen im nordöstlichen, nordwestlichen, südwestlichen und südöstlichen Deutschland. Die übrigen Länder wurden nach ihrer geographischen Lage den einzelnen Heften zugeteilt, die verschiedenfarbige Umschläge hatten und mit Kartenskizzen und Skizzen über die Lage der Bahnhöfe gröſserer Städte versehen waren. In den Fahrplänen wurden neben den jetzt nur einmal aufgeführten Stationsnamen links die Abgangszeiten für die Hinfahrt, rechts für die Rückfahrt(von unten nach oben zu lesen) angegeben; die Nachtzeiten von 6.0 Uhr abends bis 52 morgens wurden durch Unterstreichen der Minutenziffern kenntlich gemacht. Allerdings ver- schwanden noch in demselben Jahre wegen ihrer Unbeliebtheit das Quartformat und die Teilung, doch
¹) Von diesem Verkaufspreise erhält der Beamte, der den Verkauf des Buches vermittelt, 25 Pf., von dem Rest- betrage erhält der Verleger 1,55 M., die Postkasse 20 Pfg.
²)„Zum 50-jährigen Bestshen des Reichs-Kursbuches“. Denkschrift des Kursbureaus des Reichis-Postamts. August 1900.


