Aufsatz 
Einführung in den Gebrauch des Reichs-Kursbuches an höheren Lehranstalten
Entstehung
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3.

Berlin an? etc. Nun hat ein Schüler die Aufgabe für die Stunde zu nennen. Derselbe oder ein anderer Schüler tritt vor mit dem Kursbuch und Aufgabenheft. Dieses übergibt er dem Lehrer. Die Aufgabe wird dann in der in Kapitel III bezeichneten Form gelöst und an die Schultafel geschrieben. Die anderen Schüler schlagen die Fahrpläne auf, die der Schüler vor der Tafel nennt. Nach Erledigung der Aufgabe wird ermittelt, ob die Aufgabe noch andere Lösungen zuläſst, was den Schülern stets eine besondere Freude bereitet, oder die Aufgabe wird variiert; z. B.: Wir sind eben von Schmalkalden nach Berlin gefahren und 2⁴° dort angekommen. Wir wollen jetzt von Berlin mit einem Nachtzug zurückfahren. Oder: Angenommen, wir mülsten uns in Eisenach aufhalten; wie fahren wir am nächsten Tage weiter? Oder: Wir wollen jetzt nicht einen Schnellzug, sondern D-Zug benutzen etc. Dann wird der neue Unterrichtsstoff dargeboten, und wenn die Zeit es erlaubt, werden noch UÜbungen im Aufsuchen von wichtigen Eisenbahnlinien an der Schulkarte und der groſsen Kursbuchkarte(Kapitel V) veranstaltet. Schlieſslich wird die Aufgabe für die nächste Stunde gestellt. Der Individualität des Lehrers bleibt dabei natürlich der weiteste Spielraum.

Man darf sicher sein, dals dieser Unterricht dem Schüler selbst sehr willkommen ist. Die Schüler der Oberrealschule zu Schmalkalden haben mit wahrhafter Freude den Kursus begrüſst und namentlich bei der Lösung der Aufgaben ein Interesse gezeigt, das ihrem jugendlichen Eifer ebensoviel Ehre, wie dem Lehrer Freude macht. Je schwieriger die Aufgaben wurden, desto lebhafter war das Bestreben, sie zu lösen. Wie freut es die jungen Menschen, wenn sie, die erst im Geiste kleine Strecken mit der Bahn zurücklegten, vielleicht mit der heimatlichen Klingelbahn zu einem Ausflugs- punkte der Umgebung fuhren, in Gedanken eine Reise in den Harz machen können, wenn sie die Schlachtfelder von Weiſsenburg und Wörth besuchen können, wenn sie im D-Zug von Berlin über den Brenner, die alte mittelalterliche Kaiserstralse, fahren, vorüber an Florenz, am trasimenischen See, der ihnen von den Kämpfen ihres Abgottes Hannibal erzählt, nach der ewigen Stadt Rom, deren Schicksale ihnen seit ihrer Knabenzeit vertraut sind und gerade in den oberen Klassen wieder neu vermittelt werden! Wie entflammt sich ihre junge Phantasie, wenn sie aus der engen Heimat die Reise nach Moskau antreten können, dessen unheimlicher Brand von 1812 ihre Seele mit Schauer erfüllte, und dann im glänzenden Luxuszug das weite Sibirien durchsausen, um in Wladiwostok auszusteigen und des blutigen Ringens zweier Groſsmächte gedenken, von dem ihnen die heimische Zeitung beim Lichte der freundlichen Lampe erschütternde Nachrichten brachte! Wie staunt ihr Jünglingsherz, wenn sie an den Gestaden Agyptens landen oder gar sich zur weiten Reise um den Erdball anschicken dürfen! Das Selbstbewulstsein des Schülers steigt, wenn er auf seine eigene Kraft vertrauen kann. In der Tat reist ja der Schüler einer höheren Lehranstalt doch oft, ob er nun die teure Heimat in den Ferien besucht oder gröſsere Ausflüge unternimmt. Um so mehr muſs ihm daran gelegen sein, sich nicht hilflos Rat bei anderen Menschen zu suchen, wenn er sich in die Lage setzen kann, ihn zu entbehren. Die Forderung, unsere Jugend zu einem klaren Erfassen der Dinge zu erziehen, sie daran zu gewöhnen, für das praktische Leben ein offenes Auge zu zeigen, kann auch auf diesem Gebiete erhoben und erfüllt werden. Möge die Einsicht immer breiteren Boden gewinnen, daſs im LZeitalter des Verkehrs unsere Schüler in der Kunst gefördert werden müssen, sich durch eigene Kraft vorwärts zu bringen! Sie sollen einsehen, daſs es beschämend für einen Mann ist, sich nachrufen zu lassen: Je gelehrter, desto verkehrter! daſs es aber männlich ist, früh auf eigenen Füſsen zu stehen.