Aufsatz 
Einführung in den Gebrauch des Reichs-Kursbuches an höheren Lehranstalten
Entstehung
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bin, schon längst der Versuch gemacht worden, die Schüler in das Verständnis eines Fahrplans ein- zuführen, vielleicht hier und da auch an einer höheren Schule. Aber eine systematische Ein- führung in den Gebrauch des Reichs-Kursbuches als der Grundlage aller anderen Kursbücher ist meines Wissens zuerst an der Oberrealschule zu Schmalkalden seit Michaelis 1905 versucht worden- Neuerdings hat die Eisenbahndirektion Hannover der Schulverwaltung ihrer Provinz alte Kursbücher für den Schulgebrauch zur Verfügung gestellt und gedenkt, diese anerkennungswerte Unterstützung modernen Bildungsfortschrittes auch ferner zu gewähren ¹), was allen Eisenbahndirektionen zur Nach- ahmung empfohlen sein möge. Jedenfalls gewinnt die Anschauung, daſs eine solche Unterweisung in mehr oder weniger eingehender Art sich mit dem Lehrziel der Erdkunde recht wohl vereinigen läſst, immer mehr Boden. Dieses Lehrziel läſst ja nach den amtlichenLehrplänen und Lehraufgaben für die höheren Schulen in Preuſsen im Sinne des Allerhöchsten Erlasses vom 26. November 1890 für die Klassen der Realanstalten, in denen eine Erdkundestunde mehr zur Verfügung steht,eine entsprechende Vertiefung und Erweiterung des Lehrstoffes zu.

Der Verfasser hat seine Erfahrungen, die er bei der Erteilung des Kursbuchunterrichtes an der Oberrealschule zu Schmalkalden gemacht hat, verwertet, um kurz die Richtung anzudeuten, in der sich eine Einführung in den Gebrauch des Reichskursbuches auf höheren Lehranstalten etwa zu bewegen hätte. Einwände und Vorschläge zur vorteilhafteren Gestaltung dieses Unterrichts nimmt der Verfasser dankbar von allen Seiten, die der Sache freundlich gegenüberstehen, entgegen, zumal die Neubeit des Gegenstandes natürlich den Anspruch auf Unanfechtbarkeit von vornherein ausschlieſst. Die Förderung der Sache selbst steht hier auf jeden Fall im Vordergrunde.

Die Darbietung des Unterrichtsstoffes geschieht in der Weise, dals im Anschluſs an einige all- gemeinen Bemerkungen den Schülern die Einrichtung des Kursbuches klargemacht wird. Dann folgt die Einführung in den Gebrauch des Kursbuches. Hierbei haben die Schüler schon häufige Gelegen- heit, durch erläuternde Aufgaben sich einige Fertigkeit im Aufschlagen von Fahrplänen zu erwerben. Nun gilt es, durch zahlreiche praktische Aufgaben diese Fertigkeit zu steigern, sodaſs das Buch dem Schüler immer mehr vertraut wird. Genaueres hierüber bietet Kapitel III. Zum Schluſs ist zu zeigen, wie man annähernd die Reisekosten berechnen kann, und ist auf die wichtigsten Reisewege sowie die bedeutenderen anderen Kursbücher hinzuweisen.

Es sei hier kurz der Gang einer solchen Unterrichtsstunde vorgezeichnet. Die Verkehrskarte von Mitteleuropa von Prof. Dr. Gustav Leipoldt ²) ist aufgehängt. Die Kursbücher und die Aufgaben- hefte liegen geschlossen auf dem Tische. Die Stunde beginnt mit Repetitionsfragen, die sich namentlich auf die Einrichtung und den Gebrauch des Kursbuches beziehen; z. B.: Welche Wagenklassenlinie bezeichnet einen Zug, der 1. bis 3. Klasse führt? Welche Wagenklassenlinie hat ein Schnellzug, der 1. und 2. Klasse führt? Welches Zeichen läſst erkennen, daſs ein Zug Bahnpost führt? Wie erkennt man auf dem Fahrplan, ob ein Zug Schlafwagen hat? Woran erkennt man, ob auf der Fahrt eines bestimmten Zuges unterwegs Gelegenheit zu Mahlzeiten gegeben ist? Die Antworten sind durch Zeichnungen an der Schultafel zu begleiten. Wieviel Abteilungen enthält das Kursbuch? Welches ist der Inhalt der ersten, zweiten etc. Abteilung? In welcher Kursbuchabteilung finde ich die Fahr- pläne von Süddeutschland? Welcher Fahrplan giebt die schnellsten Reiseverbindungen von und nach

¹) Vergl. den Aufsatz überDas Kursbuch in der Schule in derBerliner Abendpost 1907, No. 30. Auch das Lehrbuch von Seidlitz empfiehlt in seiner Abteilung für die oberen Klassen die Einführung in das Reich-Kursbuch.

²) Verlag von Müller-Fröbelhaus, Dresden-Leipzig-Wien.