Aufsatz 
Rede , gehalten am 10. März 1913 bei der Schulfeier zur Erinnerung an den Geburtstag der Königin Luise, sowie an die Gründung der preußischen Landwehr und an die Stiftung des Eisernen Kreuzes - Rede des Herrn Professor Dr. Max Haesecke, gehalten am 10. März 1913 bei der Schulfeier zur Erinnerung an den Geburtstag der Königin Luise, sowie an die Gründung der preußischen Landwehr und an die Stiftung des Eisernen Kreuzes
Entstehung
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an einem Menschen, aus dessen Munde die Lüge spricht, daß ihr wie dem griechischen Nationalheros ¹1) verhaßt sei gleich des Hades Pforten, wer ein anderes verbirgt im Herzen und anderes redet, und endlich, daß sie auch wenn es niemand sieht nur das sittlich Gute zu tun sich bemüht, das jeder von uns loben müßte, wenn die ganze Welt es wüßte.

Dassind die Aufgaben der Schule als einer Erziehungs- anstalt, an die uns das Eiserne Kreuz heuterechteindring- licherinnern will, Aufgaben, die unsere Jugend vorbereiten sollen fürs Leben und tüchtig machen, um den hohen Anforderungen einer vielleicht nicht allzu fernen Zukunft zu entsprechen. Denn täuschen wir uns doch nicht! Es wird uns nicht vergönnt sein, fortdauernd dem Genuß zu leben. Die Zeichen der Zeit sind wahrlich ernst genug, um der Leichtfertigkeit haltzugebieten und dem Leichtsinn Zügel anzulegen. Denn wenn das Eiserne Kreuz, das unsere ruhmbedeckten Feldzeichen schmückt, zum dritten Male aufersteht, dann geht's ums Ganze, dann werden des Krieges eiserne Würfel uns vor die Entscheidung stellen: zu siegen oder zu sterben, denn dann wird ein Gottesgericht abgehalten werden, in dem der Spruch lautet: Vae victis! Wehe den Besiegten! Möge dann, meine lieben Schüler, das Eiserne Kreuz euch durch Schule und Haus, Unterricht und Erziehung voll befähigt finden, des teuren Vaterlandes heiligste Güter zu schützen, weil ihr sie schätzen gelernt habt. Und wenn ihr Primaner dann wie ich ²) vor 42 Jahren von der Schulbank unter die Gewehre tretet und zu blutiger Schrift die Feder mit dem Schwert vertauscht, dann möge euch im Donner der Schlacht von euern griechischen Kenntnissen wenigstens das eine Wort Hektors gegenwärtig sein: la 0òꝓο dptaεοσ duνvesdat spi u ³), ein Wahr- zeichen ist das beste, das ist der Verteidigungskampf fürs Vaterland. Und wenn ihr sonst von Horaz nichts behalten haben solltet, dann seid wenigstens auf ein monumentum aere perennius bedacht, das euer tatkräftiges Verständnis der Dichterworte bekundet: Dulce et decorum est pro patria mori), süß und schön ist der Tod fürs Vaterland! Zu solcher tief innerlichen Erkenntnis aber können nur solche Jünglinge gelangen, die den Wert sittlicher Güter kennen, schätzen und lieben gelernt und in ernstem Streben nach diesen sich die- jenige sittliche Kraft erworben und erhalten haben, die auch zum Tode für das Vaterland befähigt.

Darum, meine lieben Schüler, erfüllt eure Herzen heute beim Anblick des Eisernen Kreuzes von neuem mit der begeisterten Liebe zumVater- lande, mit dem Gelöbnis unwandelbarer Treue gegen den König,

¹) Hom. IlI. IX, 312 f. 81N J bo eννοςα εàννμα Atdao r0b9, öc T Eepov Hay xeod- vi sotv, MNo ds eir.

2) Proſessor Dr. Max Haesecke, geb. 1851, trat beim Ausbruch des Krieges nach Absolvierung des Kriegs-Abiturienten-Examens im Juli 1870 als Freiwilliger beim Garde-Jäger-Batl. in Potsdam ein und machte, anfangs bei diesem, später zum Garde-Schützen-Batl. kommandiert, die Belagerung von Paris mit, wo er an verschiedenen Vorpostengeſechten sowie an den Kümpfen um und in Le Bourget teilnahm.

³) Hom. II. XII, 243.

4) Hor. Od. III, 2, 13.