Aufsatz 
Reden, gehalten bei der Amtseinführung des Direktors Gerson Lange
Entstehung
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echten, wahren, humanen Bildung und des echten unverkürzten väterlichen Glaubens daher ihr Boden, die Gewinnung endlich des Geistes für die Wahrheit, des Herzens für die Gottesfurcht und zugleich die Entwickelung, Ubung und Ertüchtigung aller Kräfte und Fähigkeiten für die einstige, pflichtgetreue Erfüllung des Berufes ihre ernsteste, angelegentlichste Sorge.

Es war eine ernste, schwere Zeit für das gesetzestreue judentum, als dieser Prospekt in die Welt hinausgesandt wurde. Die jüdische Reformbewegung, die der alten jüdischen Gesetzestreue immer mehr den Boden entzog, hatte namentlich in den Kreisen der jüdischen Bevõlkerung Frankfurts die grössten Verheerungen angerichtet. Bildung mit Nihilismus war die Devise. Gebildete luden und jüdinnen, religiöse Bürger und Bürgerinnen dem Staate zu erziehen, war als Thorheit verschrieen. Die Prinzipien, die die neue Schule auf ihre Fahne geschrieben, mussten daher naturgemäss auf den denkbar grössten Widerstand stossen. Der weitaus grössere Jeil unserer jüdischen Brüder stand ihnen feindlich gegenüber, ja selbst den treuesten Gesinnungsgenossen waren sie zum Teil fremd. Da galt es schwere Kämpfe zu bestehen, da galt es, fest-

Thatsache, die die heilige Schrift verzeichnet, unwillkürlich in den Sinn. Als dem Patri- archenpaare Abraham und Sara die Freudenbotschaft einer Nachkommenschaft mitgeteilt wurde, da heisst es: Wer es hörte, spottete, lachte, und siehe da, jizchak ward doch geboren und die an sein Dasein geknüpften göttlichen Verheissungen hatten sich zum Segen der Allmenschheit verwirklicht.

Als seinerzeit die Botschaft durch die jüdische Kreise ging, dass die Religions- gesellschaft eine Unterrichtsanstalt ins Leben rufe, deren Boden das Gebiet der echten, wahren humanen Bildung und des echten, unverkürzten väterlichen Glaubens sei, und die ihre Aufgabe zunächst darin erblicke, gebildete Juden und lüdinnen, religiöse Bürger und Bürgerinnen dem Staate zu erziehen, da konnten sich die Wenigsten eines lächelnden Spottes nur mit Mühe erwehren. Die Meisten aber lachten und spotteten laut. Und siehe da! Dank der gütigen Vorsehung ist dieses grosse heilige Werk der Jugenderziehung