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späteren Beruf. Aber was noch wichtiger ist, hier in der Schule sollt Ihr auch die Grundlage erhalten zur Ausbildung des Charakters. Ihr sollt einmal tüchtige, brave, zuverlässige, edle Menschen werden, und Eure Religionsgesellschaft legt mit Recht besondern Wert darauf, dass diese Bildung des Charakters beruhe auf der Cottesfurcht, auf einer tiefen Religiosität. Ihr sollt hier erzogen werden zu treuen Anhängern Eures väterlichen Glaubens. Aber nicht nur das, Ihr steht nicht nur in einer religiösen Gesellschaft, lhr gehört auch einer grösseren Gesellschaft, unserem lieben deutschen Vaterlande als Glieder an. Und ich hoffe, dass auch die jugend, die hier heranwächst, wie überall im deutschen Lande, treu befunden werden wird, gegenüber dem Vaterlande, gegenüber unserem Aller- gnädigsten König und hierrn. Cottesfurcht ist aller Weisheit Anfang, und dann sagt wieder das Wort der Schrift: Fürchtet Gott, ehret den König. Das wollen wir uns zur Mahnung gereichen lassen, und Gott danken, dass er uns ein so schönes herrliches Vaterland und einen so treuen König geschenkt hat.
Ihnen, Herr Direktor wünsche ich, dass von den Erwartungen und Hoffnungen, die ich ausgesprochen habe, wenn auch nicht alles— denn alles Menschenwerk ist unvollkommen— so doch die Hauptsache in Erfüllung gehen werde; ich wünsche, dass Sie in lhrer neuen Thätigkeit auch reiche eigene Befriedigung finden, und dass die Anstalt blühen und gedeihen möge. Ich überreiche Ihnen als äusseres Zeichen der Ein- führung in Ihr Amt, die Allerhöchst vollzogene Bestallungsurkunde. Möge Gott Ihre Thätigkeit und Ihre Arbeit segnen, möge er mit Ihnen und mit der Schule sein!
II.
Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Breuer.
Hochverehrter Herr Direktor!
Namens des Schulrates habe ich die Ehre, Sie auf das herzlichste zu begrüssen und Ihnen zu dem neuen Amte, in welches Sie nunmehr seitens unseres Hierrn Königlichen Provinzial-Schulrats eingeführt worden sind, unsere aufrichtigen Glückwünsche zu über- bringen. Es ist eine schwere verantwortungsvolle Aufgabe, der Sie sich mit dem heutigen Tage unterziehen. Sind die Schwierigkeiten und die damit verbundene Verantwortlichkeit, die in der Leitung jedes, namentlich eines umfangreichen Schulwesens liegen, an sich schon gross, so treten diese in der Leitung unserer Unterrichtsanstalt, die hinsichtlich der religiösen Erziehung ein besonderes Ziel verfolgt, in ernöntem Masse hervor. jedoch das Bewusstsein, dass das Ziel bereits gesteckt, der Zweck bereits klar gezeichnet, ja dass dieses Ziel, dieser Zweck seit dem Bestehen unserer Unterrichtsanstalt zu jeder Zeit gottlob glücklich erreicht worden ist, wird die Erfüllung Ihrer Aufgabe lhnen wesent- lich erleichtern.
In klaren Zügen hat der verewigte Begründer dieser Unterrichtsanstalt in dem vor nahezu einem halben Jahrhundert erschienenen Prospekt den wissenschaftlichen und religiösen Standpunkt, Zweck und Ziel derselben dargelegt. Es heisst daselbst unter Anderem:


