Aufsatz 
Reden, gehalten bei der Amtseinführung des Direktors Gerson Lange
Entstehung
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deren Männer und Frauen, jünglinge und jungfrauen zumeist aus dieser Anstalt hervor- gegangen sind, legt das beredteste Zeugnis hierfür ab. Es wäre eine nicht zu recht- fertigende Unterlassung, wollten wir in dieser geweihten Stunde nicht des verewigten Begründers und ersten Leiters dieser Schule, unseres unvergesslichen grossen Rabbiners Samson Raphael Hirsch gedenken. Er war es, der mit dem Einsatz seiner eisernen Thatkraft, mit der Entfaltung seines ungewöhnlichen organisatorischen Talents, mit dem ganzen Reichtum seiner Fähigkeiten, mit den glänzenden Erzeugnissen seines Geistes, ja mit der ganzen Dahingabe seines Lebens dieser Schule nicht nur den Lebensgeist ein- hauchte, sondern ihr auch das Gepräge gab, das sie befähigte, sich das unbestrittene Ansehen, das sie geniesst und die hochgeachtete Stellung, die sie einnimmt, zu erwerben. Mit gleich pietätvoller Verehrung gedenken wir auch seines Nachfolgers in der Leitung unserer Schule, des verewigten Direktors Dr. Mendel Hirsch. Er hat mit gleicher Aufopferung und Hingebung sein reiches Wissen in den Dienst dieser Schule gestellt, und sie zu einer immer heilsameren Entwickelung gebracht. Was diese Beiden für das Wohl unserer Schule geleistet, geschaffen und gewirkt, und wie sie geschaffen und gewirkt haben, das wird in den Annalen unserer Schule mit unauslöschlichen Lettern verzeichnet sein.

Wenn uns so dieser kurze Rückblick auf die Vergangenheit unserer Schule mit freudiger Genugthuung erfüllen darf, so wird eben dadurch die bange Sorge erklärlich, die sich unser, ja aller Derer, die mit jeder Faser ihres Herzens unserer Schule zu- gethan sind, bemächtigte, als vor einem ſahre nach Gottes weisem Ratschluss der Leiter dieser Schule inmitten seiner vollsten Thätigkeit uns entrissen wurde. Die eine Frage: Wo den Mann finden, der befähigt wäre, an die Spitze unserer Schule zu treten, schwebte auf unser aller Lippen. Dank der göttlichen Vorsehung, die stets ihre schützende und schirmende Hand über unsere Gemeinde gehalten, dank der hohen staatlichen Behörde, die in richtiger Würdigung und weiser Erkenntnis der eigenartigen Stellung unserer Schule ihre wirksame Unterstützung in der wohlwollendsten Weise darbot, dürfen wir nunmehr der Überzeugung Ausdruck geben, in Ihnen, hochgeehrter Herr Direktor, den Mann gefunden zu haben, dem wir die Leitung unserer Anstalt mit ungeteiltem Vertrauen, mit vollster Beruhigung überantworten können.

Sie finden diese Schule, wie bereits kierr Schulrat hervorgehoben, in ihrer gewohnten, ordnungsmässigen Verfassung vor. Dass dies trotz der leider eingetretenen Unterbrechung in der definitiven Leitung der Schule möglich war, verdanken wir dem einmütigen Zusammenwirken unseres verehrlichen Lehrerkollegiums, namentlich, wie bereits hervorgehoben wurde, der umsichtigen, hingebungsvollen Leitung des stellvertre- tenden Direktors, Herrn Prof. Dr. Portmann, und auch, wie ich hinzufügen darf, dem seitens des Schulrats mit der Leitung und Überwachung des hebräischen Unterrichts betrauten Herrn Prof. Dr. Sulzbach. Herzlichsten Dank und aufrichtige Anerkennung sei ihnen hierfür gezollt.

Hochgeehrter Herr Direktor! Das teuerste Kleinod, das unsere Gemeinde besizt, vertrauen wir nun lIhren Händen an, es zu schützen und zu wahren, ihm Ihr wachsames Auge zuzuwenden und Ihre ganze Ihatkraft zu weihen, ist nunmehr Ihre heiligste, teuerste Pflicht. Wahrlich, stünden Sie mir als Unbekannter gegenüber, ich müsste, dem Zuge meines Herzens folgend, die Frage mir gestatten, die die Weisheit unserer Weisen im