Aufsatz 
Beschreibung des neuen Schulgebäudes
Entstehung
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es, die Räaume mit dem richtigen Geiste zu erfüllen, mit dem Geiste, der zur Gründung dieser Anstalt führte und der in dem Gebote:Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst seine Quelle hatte. Halten Sie fern von den Pforten dieser Schule veraltete Gebräuche und Anschauungen, auf denen der Moder von Jahrtausenden liegt, die für manche der Inbegriff von Religion sind oder angeblich dafür gehalten werden. Erteilen Sie Ihren Unterricht mit Begeisterung, um Begeisterung zu erwecken, lassen Sie die Lehrspeise wohlschmeckend und appetitreizend zugleich sein. Gabriel Riesser, dieser hervorragende Kämpfer für politische und religiöse Freiheit und Toleranz, hat einer seiner Schriften ein Motto vorgesetzt, das mir die Grundlehre der Erziehung von deutschen Zöglingen zu enthalten scheint; es lautet:

Einen Vater in den Höhen, Eine Mutter haben wir,

Gott, ihn aller Wesen Vater, Deutschland unsre Mutter hier.

Nächstenliebe und Vaterlandsliebe, das sei das Rüstzeug, mit dem Ihre Zög- linge diese Schule verlassen. 3

Hinauf, hinan sei die Parole, damit diese Anstalt bleibe von Geschlecht zu Geschlecht ein Ort der Aufklärung und Humanität!

Hierauf überbrachte Herr Prov.-Schulrat Prof. Dr. Baier aus Kassel die herzlichsten Glückwünsche des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau und des provinzial-Schulkollegiums nebst den aus Anlaß der Einweihung verliehenen Aus- zeichnungen mit folgenden Worten:

Hochgeehrte Versammlung! Das Königliche Provinzial-Schulkollegium hat mir den ehrenvollen Auftrag erteilt, der Realschule der Israelitischen Gemeinde, dem Philanthropin, zu der Einweihungsfeier des neuen Schulgebäudes die herzlichsten Glückwünsche zu überbringen. Außerdem bin ich von Sr. Excellenz dem Herrn Oberpräsidenten beauftragt, seine persönlichen Glückwünsche zu übermitteln und seinem lebhaften Bedauern Ausdruck zu geben, daß er durch dringliche Dienst- geschäfte verhindert ist, der heutigen Feier beizuwohnen.

Ein für diese Schule und ihre weitere Entwicklung hochbedeutsamer Tag ist es, den wir heute begehen. Aus den alten Räumen, die sie mehr als ein halbes Jahrhundert inne gehabt hat und die, so stattlich sie auch für die Zeit ihrer Ent- stehung waren, doch den gesteigerten Ansprüchen der Gegenwart nicht mehr in vollem Maße genügten, siedelt die Schule heute über in dieses neue prächtige Heim, das den anderen Schulneubauten dieser Stadt sich würdig an die Seite stellt, ja qurch Nutzbarmachung der neuesten Errungenschaften auf technischem Gebiete sie in diesem oder jenem Punkte noch in den Schatten stellen mag. Zugleich bildet dieses neue Schulgebäude ein neues Ruhmesdenkmal der opferwilligen Fürsorge der Israelitischen Gemeinde und des aus ihrer Mitte erwählten Schulrats für diese ihre Schule, einer Fürsorge, die sich schon bei so vielen Gelegenheiten in der glänzend-