Aufsatz 
Beschreibung des neuen Schulgebäudes
Entstehung
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sten Weise betätigt hat. Auch hier hat die Israelitische Gemeinde sich nicht auf das Notwendige und unbedingt Erforderliche beschränkt; sie hat vielmehr ihren Stolz darein gesetzt, in dem ganzen Bau und seiner Einrichtung im einzelnen ein Muster und Vorbild zu schaffen, das für die nähere Zukunft so leicht nicht über- boten werden kann. Namens der Königlichen Unterrichtsverwaltung habe ich der Israelitischen Gemeinde, ihrem Vorstand und dem Schulrat des Philanthropins für die bewiesene Fürsorge und Opferfreudigkeit uneingeschränkte Anerkennung und wärmsten Dank auszusprechen. Vor allem gebührt dieser Dank den Männern, die mit nimmer ermüdendem Eifer für den Gedanken eines Neubaus gewirkt haben, dem hochverdienten Vorsitzenden des Schulrats, Herrn Stadtrat Horkheimer und dem Syndikus der genannten Behörde, Herrn Justizrat Dr. Auerbach. Ein nicht geringes Verdienst um die Verwirklichung des grossen Plans hat sich Herr Justizrat Dr. Blau, der Vorsitzende des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde, dadurch er- worben, daß er mit nicht genug anzuerkennender Wärme und Entschiedenheit bei der Gemeindevertretung für den Antrag des Schulrates eingetreten ist und alle Bedenken, die sich dagegen erhoben, zu zerstreuen gewußt hat. Die genannten Herren und die übrigen Mitglieder der beiden Körperschaften seien wiederholt des wärmsten Dankes der Unterrichtsbehörde versichert. Es ist mir eine grosse Freude, mitteilen zu können, daß der den beiden Körperschaften gebührende Dank auch von Allerhöchster Stelle ein äußeres Zeichen der Anerkennung gefunden hat. Seine Majestät der König haben geruht, Herrn Stadtrat Horkheimer den Roten Adler- orden 4. Klasse zu verleihen. Ich habe die Ehre, Ihnen, hochgeehrter Herr Stadtrat, die Insignien des Ordens mit meinem herzlichen Glückwunsch zu überreichen.

Anerkennung und Dank habe ich auch dem Manne auszusprechen, der den Plan zu diesem stolzen Bau ersonnen und seine Ausführung geleitet hat, Herrn Magistratsbaurat Matzdorff. Ein Künstler von Gottes Gnaden, hat er, auf eine reiche Erfahrung gestützt, ein Werk geschaffen, das den Forderungen der Schönheit und der Zweckmäßigkeit in gleichem Maße gerecht wird. Ich habe gestern die Freude gehabt, unter seiner Führung die sämtlichen Räume des Gebäudes durchwandern zu können und habe den Eindruck empfangen, dass es in jeder Hinsicht den weit- gehendsten Ansprüchen genügt, die man an ein Schulgebäude stellen kann. Es muß für Lehrende und Lernende eine wahre Lust sein, in diesen hellen, luftigen, aufs trefflichste ausgestatteten Lehrzimmern der gemeinsamen Arbeit obzuliegen. Auch für alle sonstigen Bedürfnisse eines neuzeitlichen Schulbetriebes ist mit sachkundigem Verständnis und liebevoller Hingabé gesorgt. Ich brauche nur hinzuweisen auf die vorzügliche Ausstattung der Turnhalle, auf die geradezu mustergültige Einrichtung des Zeichensaales. Welch mächtigen Eindruck die neue Aula macht in ihrer edlen und vornehmen Ausgestaltung, davon haben wir uns alle überzeugen können. So verkündet das Werk in allen seinen Teilen den Ruhm des Meisters.

Nun steht das Haus vollendet in frischem Glanze da. Aber was es sein soll, wird es doch erst durch das Leben, das sich in seinen Räumen entfaltet, durch den Geist, der darin eine Stätte findet. Wir hoffen zuversichtlich, es wird derselbe