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behalten werden, so wie wir nie die Jahre vergessen werden, wo wir unter Ihrer liebevollen Obhut standen.
Wir bitten Sie, dieses Album gütigst als Erinnerung annehmen zu wollen an die Schüler und Schülerinnen, die in Ihrem letzten Amtsjahre der Schule angehörten. Wir werden mit Stolz unser ganzes Leben eingedenk sein, dass es uns noch vergönnt war, Ihre Schüler zu heissen, von Ihnen Lehre und Anregung zu erhalten. Wir wollen uns auch immer bemühen, dieser Ehre würdig zu bleiben.
Bewahren Sie uns ein freundliches Andenken, wie wir Ihr Bild stets im Herzen tragen werden und für alles, was Sie uns erwiesen haben, dankbar bleiben wollen.
Im Namen der Direktoren der hiesigen höheren Schulen sprach dann Herr Direktor Dr. Reinhardt vom Goethegymnasium tiefempfundene herzliche Worte des Abschieds:
Sie sind uns ein Vorbild gewesen, verehrter Herr Kollege, nicht nur in treuer Pflichterfüllung, sondern in der tiefinneren, heiligen Begeisterung für unseren Beruf. Sie haben Ihre Schule und das Wohl und Weh eines jeden einzelnen Ihrer Schüler auf dem Herzen getragen. Wer selbst die Schwere der Verantwortuug auf sich hat lasten fühlen, die die Leitung einer Schule auferlegt, kann ermessen, wie viel Schmerzen und Sorgen Sie in den langen Jahren Ihrer Berufsthätigkeit durchgekämpft haben. Aber die trüben Stimmungen, von denen kein Mensch frei bpleibt, der es ernst mit sich und den anderen meint, haben Sie nicht der Welt und vor allem nicht Ihren Kollegen und Schülern gezeigt.
In stillen Nächten weinet Gar mancher aus den Schmerz, Und dann man morgens meinet, Stets heiter sei sein Herz.
Sie haben das Widerwärtige niedergekämpft in der eigenen Seele und den Ihren ein heiteres Auge, ein gesalbtes Antlitz gezeigt, und Sie sind geblieben, was ein guter Schulmeister immer sein muss, wenn er wirken will, ein Optimist in des Wortes echter und rechter Bedeutung.
Aber es ist dem Menschen eine Ruhe vergönnt, wenn er den guten Kampf ge- kämpft hat, und er darf endlich sagen:„Ach, ich bin des Treibens müde“. Wir könnten Sie beneiden, wir, die wir im Kampfe des Tages zurückbleiben, da Sie jetzt hinziehen, um den Frieden zu geniessen, den Sie so wohl verdient haben. Sie tragen ihn in sich, diesen Frieden; Ihnen folgt die Dankbarkeit vieler Hunderter und die treuen Wünsche Ihrer Freunde. Möge die scheidende Lebenssonne den Rest Ihrer Erdentage golden umleuchten!
Herr Direktor Dr. Baerwald antwortete in längerer Rede auf die Ansprachen, die vorausgegangen waren.*)
Hochgeehrte Anwesende! Liebe Schüler und Schülerinnen!
Ich betrete heute zum letzten Male als Leiter der Schule diese Stätte, an der ich einst in mein Amt eingeführt wurdo. Mehr als 31 Jahre sind seitdem dahin gegangen,
*) Die Rede wurde frei gehalten und ist erst später unter Hinweglassung von Einzelheiten für das Schulprogramm niedergeschrieben worden.


