Aufsatz 
Abschiedsfeier für den Direktor Dr. Bärwald
Entstehung
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Es wäre eine nicht zu rechtfertigende Unterlassung, wollte ich heute nicht auch Ihrer Verdienste um unser materielles Wohl gedenken, die Sie sich durch ständige Mitwirkung bei der Verwaltung der zum Besten der Lehrer und ihrer Angehörigen gegründeten Stiftungen erworben haben, der Creizenach-, B. H. Goldschmidt-, Sabel- und Rütten-Stiftung. Sie haben dieselben teils ins Leben gerufen, teils für Ihr Wachstum, ihre statutenmässige Organisation und ihre segenspendende Wirksamkeit mit unablässigem Eifer und schöustem Erfolge gewirkt.

Für alles, was wir Gutes von Ihnen genossen haben, bringen wir Ihnen heute den wärmsten Dank dar. Aber das Gefühl der Dankbarkeit, das wir im Herzen tragen, wird mit Ihrem Scheiden nicht erlöschen, und so bitten wir Sie, dass auch Sie Ihre Freund- schaft uns ferner noch bewahren mögen.

Und so meine ich, können Sie wie der Wanderer auf der Höhe mit innerer Be- friedigung auf den zurückgelegten Weg zurückblicken. Sie haben geleistet, was Ihr Beruf forderte, Sie haben erworben, was Ihr Beruf bieten konnte, und der Gewinn hätte auf beiden Seiten nicht grösser sein können. Sie haben durch verdienstvolles Wirken im allgemeinen Interesse Ihren Namen ins Gedächtnis der Menschen eingeschrieben und Ihr Dasein wird nicht dahingehen wie die Welle, die spurlos versinkt; denn Ihr Name ist unzertrennlich mit der Geschichte des Philanthropins verbunden und wird bestehen, so lange es eine Erinnerung an diese Schule geben wird. Möge dieser Gedanke Ihnen das Scheiden erleichtern, und mögen Sie im Kreise Ihrer Familie noch einen recht langen und heiteren Lebensabend geniessen!

Mit diesem Wunsche rufe ich Ihnen im Namen des Kollegiums ein herzliches Lebewohl zu!

Die Schüler und Schülerinnen hatten die Photographien der einzelnen Klassen in einem mit einer Widmung versehenen Album in künstlerisch ausgeführten Einbande ver- einigt; der Schüler der ersten Klasse Otto Schloss trat nun vor und überreichte diese Gabe mit folgenden Worten:

Hochverehrter Herr Direktor!

Die Schüler und Schülerinnen sind heute aus einem ernsten und bedeutsamen Anlass hier versammelt. Mehr als dreissig Jahre hindurch haben Sie diese Schule geleitet, Ihre Arbeit, Liebe und Güte den Kindern gewidmet, die hier eintraten, um für das Leben ausgebildet und erzogen zu werden. Heute wollen Sie von uns scheiden, um in Ruhe den Segen Ihres Wirkens zu geniessen. Mir ist die Ehre zu teil geworden, Ihnen in dieser Stunde im Namen aller Zöglinge des Philanthropins den innigsten Dank auszusprechen für die liebevolle Sorge, mit welcher Sie stets auf unser Wohl bedacht waren, für den regen Anteil, den Sie an jedem einzelnen nahmen, für die Güte und Milde, mit der Sie uns immer zu unserer Pflicht anhielten; auch waren Sie uns stets ein treuer, väterlicher Be- rater und haben gern jede Gelegenheit ergriffen, um uns zu weiterem Vorwärtsstreben aufzumuntern.

So sehen wir Sie denn heute mit unendlichem Bedauern aus unserer Mitte scheiden, jedoch mit der Hoffnung, dass Sie auch ferner stets Ihre Schüler in freundlichem Andenken