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Unterdrückten kämpft, macht der Dichter in seinem nächsten Stücke, im»Don Carlos«, bereits den Hauptgegenspieler, den König Philipp. den finsteren Despoten, der die Freiheit des Erdballes mit Füßen tritt, der die Inquisition in seinen Reichen ihr fürchterliches Werk verrichten läßt, dennoch in der tiefsten Unterlage seines Charakters zu einem Kinde des eigenen empfindsamen Zeitalters, und alles Machtbewußtsein vermag den spanischen König nicht hinwegzu- heben und zu trösten über das Gefühl der Ode und Verlassenheit, das den Einsamen auf seinem Throne beherrscht und ihm das sehn- süchtige Verlangen auspreßt nach einem Menschen. So stehen in der großen Kampfszene zwischen ihm und dem Marquis nicht mehr bloß der Kosmopolit und der Monarch, sondern Mensch und Mensch einander gegenüber, und es ist nicht mehr wie in»Kabale und Liebe- der verzweifelte Aufschreiochnmächtiger Wut, sondern eine hoffnungs- reiche und freimütige Bitte, wenn der Marquis, als Sprecher des ganzen Volkes und Zeitalters, dem König zuruft:»Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!« Indem ferner der Dichter alles, was in der Zeit vor der französischen Revolution an freiheitlichen und weltbürger- lichen Ideen aufgespeichert lag, von der Bühne herab durch den Mund Posas in flammenden Worten verkündet, wird die Verwirk- lichung dieser Ideen nicht mehr in eine in Deutschland unmögliche Republik, wie Karl Moor sie wollte, verlegt, sondern, wenn schon nicht der Vater. so ist doch der Sohn, Don Carlos, für das in jener Zeit wirklich mögliche Fürstenideal des aufgeklärten Despotismus reif, jener Don Carlos, der. durch den Opfertod des Freundes ge- läutert, seine Leidenschaft nur mehr dem Glücke seiner Untertanen zu widmen heilig entschlossen ist.
Bis hieher reicht die Epoche, in welcher Schiller das mehr an der Oberfläche sich abspielende Gegenwartsleben seiner Zeit in sich aufnahm, und es läßt sich seine Dichtung am ehesten mit einem Berg- strom vergleichen. welcher die unmittelbare Naturumgebung wieder- spiegelt. Da aber der Dichter in seiner Entwicklung der Zeit voraus- eilte und das. was die Zeitgeschichte selbst ihm bot, kein würdiger Gegenstand mehr für seine große Kunst war, erfolgte eine Periode der Einkehr und Sammlung bei ihm. Er wandte sich der Kan- tischen Philosophie zu und eignete sich damit eine Weltanschauung an, welche die reife Frucht einer jahrhundertelangen Entwicklung war, und er beschäftigte sich zugleich eingehend mit der Geschichte, und die in ihm lebendig werdende geschichtliche Vergangenheit wird von nun an die tiefere Humusschicht, in welche der immer voller sich entfaltende Baum seiner wachsenden Welterkenntnis immer tiefer seine Wurzeln senkt. Seine Poesie gleicht jetzt immer mehr einem breiten, ruhig durch die Ebene hinwallenden Strome, der nicht mehr bloß die nächste Naturumgebung seiner Ufer, sondern auch das Himmelsgewölbe mit Wolken, Sonne und den ewigen Sternen zurückstrahlt. Jetzt ist er nicht mehr wie in seiner Jugend der Wecker und Mahner, jetzt wird er der Führer und bald der Prophet seines Volkes, um endlich in seinem reifsten Werke, der Braut von Messina, der ganzen Menschheit von der erhabensten Höhe aus den Spiegel vorzuhalten und dasjenige zur vollen künstlerischen Er-


