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und daß ein Ausgleich zwischen den Gegensätzen in der mensch- lichen Gesellschaft nur möglich ist, wenn die Annäherung von beiden Enden aus unter dem Zwange einer inneren Notwendigkeit erfolgt. Unter diesem Gesichtspunkte eröffnet sich uns das Verständnis für die beiden nächstfolgenden Dramen, für»Fiesco« und»Kabale und Liebe«.
Das erstere, der»Fiesco«, ist die Tragödie des ringenden Ehr- geizes. Der Gegensatz zwischen Caesar und Brutus, der bereits in den»Räubern« episodisch erklingt— den Stürmern und Drängern ist Caesar doer Eroberer, Brutus der selbstlose Freiheitsheld— dieser Gegensatz ist hier in die Brust des sich zunächst als Schirmer der Freiheit geberdenden Helden verlegt, dem erst im Verlaufe der Hand- lung aus dem eigenen Innern das Gelüste nach der Krone kommt. Aber weil er zu diesem Zwecke die Mitwirkung der sich ihm ver- trauensvoll hingebenden Verschworenen mißbraucht, erfährt er auch selbst die tiefsie Enttäuschung, den herbsten Schmerz in dem, was ihm das Teuerste und Heiligste ist: an der Leiche des mit eigener Hand getöteten Weibes erkennt er, daß große Kraft und starker Wille kein Segen, sondern ein Fluch sind, wenn sie nicht im Dienste einer reinen Sache stehen; und nicht einmal die Krone bleibt ihm, das Gut, für das er so hohen Preis gezahlt hat, unter der nach- helfenden Hand des starren Republikaners Verrina stürzt dem Herzogsmantel der Herzog selber nach.
Das zweite Stück ist das bürgerliche Trauerspiel»Kabale und Liebe«, welches in typischen Vertretern den ganzen Bürger- stand in seinem Ringen um gesellschaftliche Achtung seitens der bevorrechtigten Stände auf die Bühne bringt. Dieses Stück ist so von Gegenwartsleben durchtränkt, daß man auf der Straße mit dem Finger nach den Urbildern der von Schiller geschaffenen Gestalten zeigte, und der in den Kreisen des Bürgertums angesammelte Groll über die gesellschaftliche Mißhandlung von oben sonaturwahr wieder- gegeben, daß durch den Mittelstand des ganzen deutschen Volkes ein Gefühl der Erleichterung ging, als der bärbeißige, aber grund- biedere Musikus Miller gegen den anmaßenden, avper sittlichn ver- worfenen Präsidenten als ungehobelten Gast mit einem untertänigen: »Halten zu Gnaden!« das Hausrecht zu brauchen sich anschickt. Aber die Gegensätze sind nicht mehr unversöhnlich, denn der das Stück durchbrausende Ruf nach Niederreißung der gesellschaftlichen Schranken schlägt nicht mehr an eine undurchdringliche Wand, sondern es ist bereits Bresche gelegt in die Feste, gegen die der bürgerliche Ansturm sich richtet, der adelige Ferdinand ist in echt adeliger Gesinnung zu den bürgerlichen Belagerern übergegangen, deren Sache er als gerecht und als seine eigene empfindet, er denkt ebenso groß wie die bürgerliche Luise, beide werden zwar als das erste Vorkämpferpaar das Opfer der bestehenden Verhältnisse, aber ihr Tod ist ein echt tragischer, denn über ihren Leichen er- hebt sich triumphierend die siegreiche Idee des Stückes von der menschlichen Gleichheit der Stände.
Während aber in»Kabale und Liebe« nur der Partner der Heldin, Ferdinand, die eigene Partei verläßt und auf der Seite der


