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jähriger Sohn und Nachfolger Josia(640— 9) entwickelte sich zu einem ernsten, frommen Mann. Er wurde geradezu ein Reformator des religiösen und sittlichen Lebens seiner Unterthanen. Treue Helfer hatte er bei seinem heilsamen Wirken an den Propheten Zephania und Jeremid.
Eine grosse Gefahr für Juda schien in der ersten Hälfte seiner Regierung der Durchzug skythischer Reiterscharen durch benachbarte Landstriche in sich zu bergen, doch es blieb beim blossen Schrecken; wohl aber wurde NJosia, die„letzte Lichtgestalt in der Davidischen Königs- reihe“, unter dem sein Volk noch einmal innerlich aufblühte, in seinen besten Jahren aus seiner gesegneten Arbeit hinweggenommen. Als nämlich König Necho von Egypten durch Nordisrael nach Assyrien ziehen wollte, um aus den dortigen politischen Wirren Nutzen zu ziehen, stellte sich ihm Josig bei Megiddo am Kison entgegen, wurde im Treffen verwundet und starb bald in Jerusalem(609). Sein Sohn Joahas, den das Volk als den thatkräftigsten seiner Brüder auf den Thron hob, liess sich nach dreimonatlicher Regierung von Necho auf dessen Weiterzug nach den Euphratländern ins egyptische Lager pei Ribla locken, wurde hier in Ketten gelegt und später als Gefangener nach Egypten geschickt, wo er starb. Sein Halbbruder Jojakim, ein übermütiger, leichtsinniger Mensch, übernahm als Vasall Necho's die Regierung. Während derselben(609— 598) drang wieder der von Nosia abgestellte Götzendienst ein, gegen den die Propheten Jeremia, Uria und Habakul energisch auftraten, ereigneten sich aber auch im Aus- land wichtige, auf Juda zurückwirkende Dinge. Necho erlag dem babylonischen König Nebuadnezar(605— 562) bei Karchemisch(605) und trat diesem in dem nun folgenden Friedensschluss alle seine asiatischen Besitzungen, darunter auch Juda, ab.
Nur die treue Wahrung des Vasallenverhältnisses konnte den König von Juda und sein Volk vor dem Untergang retten. Darum verlangte Jeremia dies auch mit aller Ent- schiedenheit, aber was galt sein Wort bei einem launigen Despoten, der sogar den freimütigen Propheten Uria töten liess? Schon nach wenigen Jahren verweigerte Jojallim im Vertrauen auf Egypten’s Beistand den Tribut. Während babylonische Scharen das unglückliche Land für den Abfall seines Fürsten straften und Jerusalem belagerten, starb Jojaleim. Sein Sohn und Nachfolger Jojachin(598) übergab nach einer kaum hunderttägigen Regierung die einge- schlossene Stadt und wurde mit dem angeseheneren, einflussreicheren Teil der Bevölkerung nach Babel abgeführt, wo er 37 Jahre in Ketten liegen musste, bis ihm König Loilmeroduach eine erträgliche Lage schuf. Nebulradnezar setzte alsbald den letzten Sohn Josia's, Zedekia (598—88), als König von Juda ein. Jeremia durfte jetzt wieder öffentlich auftreten, aber der Ernst und die Strenge seiner Predigt erregte die Volksmasse, die lieber auf optimistische Lügenpropheten hörte, heftig gegen den unerschrockenen Zeugen der Wahrheit. Unter der steten Anfeindung wurde er des Lebens überdrüssig, ja er verfluchte den Tag seiner Geburt (Jerem. 20, 14— 18). Indessen hatten seine Leiden ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Er bekämpfte zwar längere Zeit die Absicht Zedekia's, in Verbindung mit einigen Nachbarvölkern von Babylonien abzufallen, mit Erfolg. ja er vermochte diesen dazu, nach Babel zu reisen und so seine Vasallentreue deutlich zu beweisen, aber der Lockruf Egypten’s verführte Zedekia später doch zum Aufstand. Ein babylonisches Heer näherte sich bald Jerusalem. Jeremia mahnte zur Unterwerfung, die doch immerhin die Möglichkeit der Rettung des Volkes bot. Da warfen ihn seine mächtigen Gegner als einen Landesverräter ins Gefängnis, ja sogar eine Zeit lang in eine Schlammgrube. Zaedekia, wider dessen Willen diese Gewaltthaten verübt worden waren, liess den Propheten vor sich bringen. Er erhielt wiederum den Rat, sich zu unterwerfen. Hierauf kam der vielgeplagte Jeremia in leichtere Haft und blieb in ihr, pis er nach Erstürmung der Stadt durch die Babylonier in Freiheit gesetzt wurde. Zedekia entkam während des Kampfes glücklich aus Jerusalem, wurde aber von den Feinden bei Jericho ein- geholt, musste im Lager bei Ribla die Hinrichtung aller seiner Söhne mit ansehen, wurde darauf seiner Augen beraubt und in Ketten nach Babel gebracht. Die eroberte Stadt wurde zerstört, grosse Scharen der Bewohner des Landes mussten in die Verbannung nach Baby- lonien wandern.
Jeremia, den man anfangs mit diesen weggeschleppt hatte, erhielt die Erlaubnis, im Lande zu bleiben, und dichtete nun auf den Trümmern Jerusalems seine tiefergreifenden Klage- lieder, die sicherlich jedem Patrioten das Herz rühren. Doch sollte er nicht auf dem heimatlichen Boden sterben, sondern in Egypten, wohin ihn eine nach der Ermordung des babylonischen Statthalters Gedalja flüchtende Schar seiner Landsleute mitnahm. Die Art und der Ort seines Todes ist ungewiss, das aber ist gewiss, dass mit ihm einer der edelsten Patrioten


