Aufsatz 
Die Grundzüge der religiösen und sittlichen Anschauung der alttestamentlichen Propheten, aus ihren Schriften durch zahlreiche, z.T. wörtlich angeführte Stellen nachgewiesen, nebst einer kurzen geschichtlichen und sachlichen Einleitung
Entstehung
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(759 30), hatte nämlich, um den Blick seiner Unterthanen von der inneren Zerrüttung abzu- lenken, im Bunde mit dem Syrerkönig Kezin den sogenannten syrisch- ephraimitischen Krieg gegen das Südreich angefangen(742). Dessen tapfrer König Jotham(75842) starb bald nach Erülnuns der Feindseligkeiten. Der schwächliche Sohn des gefallenen Fürsten, König Ahas (742 27), hatte bei Fort tsetzung des Feldzugs kaum eine Niederlage erlitten, als er auch schon den König von Assyrien, Tiglath Pilesur(745 28), zur lülteleistuns herbeirief. Nun war geschehen. w was die Einsichtsvollen in Juda gefürchtet hatten, was Jesaja durch seine Vor- stellungen bei dem rasch verzagten Ahas hatte verhindern Aolloh. die Einmischung des er- oberungsüchtigen assyrischen Grosskönigs in die Angelegenheiten Israel's und Judas. Der Assyrer kam mit einem grossen Heer, besiegte Israel, nahm das ganze Ostjordanland nebst einigen Teilen des Westjordanlands weg und führte die Bewohner des eroberten Gebietes in die Verbannung. Aber auch Ahas von Juda wurde auf Lebenszeit Vasall des Assyrers. Als solcher zeigte sich der Schwächling auch in religiösen Dingen willfährig, denn er führte assyrischen Sterndienst ein, hielt Sonnenpferde und Sonnenwagen. Sogar den altkananitischen Greuel des Menschenopfers brachte er durch die Opferung seines eigenen Sohnes zu neuen Ehren und errichtete neben den Altären Jahwes auch solche verschiedener Götzen. Sein Nach- folger Hiskia(727 698), ein ernster, frommer Regent, sah einige Jahre nach seinem Regierungs- antritt das Reich Israel untergehen. Dort hatte Hosea(730 22) den König Pekah er mordet und die Herrschaft an sich gerissen. Die Abhängigkeit von Assyrien war ihm lästig; er gedachte mit Hilfe Egyptens davon loszukommen. Doch Salmanassar II. von Assyrien (727 22) rückte alsbald, um seinen Abfall zu rüchen. ins Land ein, nahm Hosea gefangen und begann die Belagerung der Reichshauptstadt Samaria. Diese wurde durch seinen Nachfolger Sargon(722 5) drei Jahre lang fortgesetzt. Mit dem Fall der Hauptstadt hörte das Nord- reich Israel auf. Ein grosser Teil seiner Einwohner wurde in die Verbannung geführt. Hisbia von Juda suchte später auch durch eine Annäherung an Egypten von Assyrien frei zu werden und veranlasste dadurch den eben genannten Sargon zu einem Rachezug gegen sein Land, der aber ohne schlimme Folgen blieb, nachdem ein Tribut von mehr als 4 Millionen Mark in Gold und Silber an den Assyrerkönig bezahlt worden war. Unter Sargon's Nachfolger San- herib(705 681) schloss sich Hiskia auf das Drängen der einheimischen Kriegspartei offen an den neben Egypten kühn emporstrebenden Ae tthiopier Thirhaka an. Sanherib rückte(701) heran, um die Nillande und Juda zu züchtigen. Aus seinem Lager entsandte er drei seiner obersten Beamten mit zahlreichen Truppen vor die Mauern Jerusalem's und liess dessen Über gabe fordern. NJesaja riet Hisbia entschieden ab, dieser Forderung Folge zu leisten, und verhiess göttliche Hilfe. Wirklich zog Sanherib nach einem ungünstigen Treffen gegen Thirhaka in die Heimat ab.

Die Ereignisse der letzten Jahrzehnte hatte, wie wir sahen, der Prophet Jesaja mit- erlebt. In der Erkenntnis, dass Israel's Verfall nicht mehr aufzuhalten sei, wandte er die ganze Kraft seiner bedeutenden Persönlichkeit auf die Bewahrung Judas vor dem gleichen Schicksal. Die Möglichkeit derselben erblickte er in einer religiös-sittlichen Erneuerung aller seiner Schichten. Eine solche erschien ihm durchaus nötig, um die Keime des Verderbens zu ersticken, die er unter der Hülle grossen Reichtums, kriegerischer Machtentfaltung, luxuriöser Uppigkeit bei den begüterten Klassen in Götzendienst und Korruption sich bereits entwickeln sah. Er hatte sich bei seinem hohen, ächt patriotischen Streben der Unterstützung des Königs Fliskia und der ernstgerichteten Glieder seines Volkes zu erfreuen, die mehr und mehr zu einer prophetischen Partei erstarkten. Diese hatte auch an dem Propheten Micha, dem Venfasser von Sacharia 9 11 und späterhin an Nahum einen festen, inneren Halt. Doch ihr segens- voller Einfluss auf das Volksleben wäre weit fühlbarer geworden, wenn nicht die Landes- regierung in den Händen des unwürdigen Manusse(698 43) gelegen hätte. Er, der nach einer im Talmud erhaltenen Uberlieferung den greisen Propheten Jesaja zersägen liess. pflegte verschiedenartigen Götzendienst, stellte sogar ein Bild der Göttin Astarte im Heiligen des Tempels auf und veranlasste so, dass sich das Volk in zwei Parteien spaltete, denn das dank- bare Andenken an die unter Hiskia herrschende Zucht und Ordnung war nicht bei allen er- loschen. Dazu kam noch, dass er in Verwicklungen mit dem Assyrer Asarhaddon(681 68) geriet und von diesem zunächst tributpflichtig gemacht wurde. Ja um 647 wurde er von dessen Nachfolger Asurbanipal(66826) schwer gezüchtigt und für einige Zeit gefangen ausser Landes gebracht. Sein Sohn Amon(642 40), gleichfalls ein Förderer des Heidentums, fiel nach kurzer Herrschaft durch die Hand eines Verschwörers. Des Ermordeten damals acht-

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