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In den damaligen Zeiten that dem deutschen Volke ein Dichter männlichen und erhabenen Sinnes mehr Noth, als irgend ein anderer. Die Lage Deutschlands hatte grosse Aehnlichkeit mit der persönlichen Lage Schillers. Wie eine schwere Krankheit hatte lange Jahre hindurch die Fremdherrschaft die nationalen Kräfte des deutschen Volks gehemmt und gefesselt. Wenn Schiller auch nicht das Schlimmste erlebte, so sah er doch genug, um zu ahnden, was noch folgte. Das Unglück wählte seine Zeit nicht gut, es überraschte den nationalen Geist der Deutschen, wie es sich äusserlich darstellte, fast wehrlos und schien ihn, was noch übler war, noch wehrloser zu machen. Die Uneinigkeit der deutschen Staaten, die Zerrissenheit des Volks selbst in wenig zusammenhängende Stände wurde durch die Erfolge der fremden Waffen anfangs noch gesteigert. Doch die nationale Kraft war bei uns nicht untergegangen; sie schlammerte auch nicht ganz, sie zeigte sich lebendig in den höchsten Regionen geistiger Thätigkeit, in Wissenschaft und Kunst, sie lebte im tiefsten Herzen des Volkes; ia Regionen, wohin das Schwert keines Eroberers zu dringen vermag. Dass dem so sei, ahndete auch Schiller, ihm gehörte das deutsche Volk nicht zu den ehrlosen Nationen, die nicht ihr Alles freudig einsetzten für ihre Ehre; die Kraft, welche die Griechen über die persische Uebermacht siegen liess, welche die Niederländer das spanische Joch abzu- werfen befähigte, sie war für ihn auch im deutschen Volke vorhanden; wenn die Zeitläufte wiederkehrten, wenn ähnliche Anlässe zu ähnlichen Thaten riefen, so hoffte er prophetisch, würde auch der gleiche Erfolg das Unternehmen des deutschen Volkes krönen. Dass diese Hoffnung nicht täuschte, dazu trug der siégreiche Feind selbst viel bei; fortgesetztes Glück führte zu jenem Uebermuthe, den die göttliche Vorsehung nie ungestraft lässt, auch an ihm bewährte sich, dass keiner glücklich endet, auf den mit immer vollen Händen die Götter ihre Gaben streuen. Jahrelanger Druck, ausgeübt von einem Feinde ohne Edelmuth, von einem Feinde, der durch schonungslose Hab- sucht, wie durch den hochmüthigsten Nationalstolz auf gleiche Weise empörte, brachte endlich die deutsche Einigkeit zu Stande; wie ein schwellender Strom trat der deutsche Volksgeist über seine Ufer und schwemmte den fremden Gewaltherrn von der deutschen Erde.
Schiller erlebte dieses glüäckliche Ereigniss nicht, aber sein Geist war dabei gegen- wärtig. Wer hört nicht die stolzen Klänge seines Liedes mit den edelsten Gesängen erklingen, welche in jenen hohen Zeiten Deutschlands Jugend zum Tode fürs Vater- land begeisterten? Nicht vergebens hatte er den Sinn fär alles Hohe und Edle in den deutschen Herzen erweckt, nicht vergebens in seinen schönsten Tragödien die edelste Vaterlandsliebe selbst zu seinem Gegenstande gemacht. Glich nicht in jenen Zeiten das


