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führte zu einer Annäherung, die bald zur innigsten, bis an Schillers Tod und über diesen hinaus dauernden Freundschaft reifte. Schiller gesteht selbst, dass er nächst den Alten keinem mehr für die volle Entfaltung seines Dichtergeistes verdankt habe, als dem Vorbilde Göthes. Er machte damals gerade den Uebergang aus seiner philo- sophischen Zeit zu seiner zweiten dichterischen Periode; nicht ohne Besorgniss mass er vergleichend seine Kräfte an denen seines Freundes. Er fühlte einmal, dass er an Reich. thum derEmpirie und Kenntnissen aller Art weit hinter Göthe zurückstehe, dieser beherrsche ein Königreich, er selbst nur eine kleine Familie. Aber auch an der Fähigkeit sein Inneres an einen Gegenstand zu übertragen und diesen so zu gestalten, dass er dieselbe Empfindung in andern mit Nothwendigkeit hervorrufe, fühlte er sich weit hinter Göthe. Er klagte sich eines Zwiespalts zwischen Phantasie und Reflexion an, deren Einigkeit zum poetischen Schaffen nothwendig ist. Aus diesem Mangel an Zuversicht auf seine Kraft und seinen poetischen Beruf war in dem Dichter ein Schwanken entstanden, nicht nur bei der Wahl der Stoffe, sondern sogar der poetischen Gattungen; ob er mehr zum Epos oder Drama geeignet sei, darüber liess sich der Verfasser der Räuber von seinen Freunden belehren. Wie bald aber steigt im Verkehr mit Göthe der Dichter in seinen eignen Augen, er erlebte es, dass er doch auch etwas sei neben Göthe und dieser liess es an Anerkennung nicht fehlen. Er versichert, dass Schillers Gedichte ganz das geworden wären, was er von denselben erwartet habe, der Zwie- spalt zwischen Speculation und Einbildungskraft sei versöhnt. So gewann Schiller durch den Verkehr mit Göthe Zuversicht und Glauben an die eigne Kraft; ohne diese aber entsteht nichts Grosses, ohne diese hätte er bei seiner hinfälligen Gesundheit es nicht vermocht dem hohen Ideal der Poesie mit grossartiger Ausdauer nachzustreben.
Mehr von einer andern Seite stützte den Dichter seine Frau und erleichterte ihm den Sieg in seinem schweren Kampfe. Sie konnte nicht allein mit Recht von sich rühmen, dass sie gewiss Alles that, um ihn vor unangenehmen Eindrücken zu bewahren, dass er ohne sie nicht so lange für die Welt gewirkt hätte, sie that mehr. Doch hören wir sie selbst:„Es hat Niemand, kann ich behaupten, dieses erhabne Wesen so verstanden als ich. Ich wusste mir seinen Character, die Triebfedern seines Handelns zurecht zu legen, wie Niemand.— Die Jahre verbanden uns immer ſester, dénn er fühlte, dass ich durch das Leben mit ihm seine Ansichten auf meinem eignen Wege gewann und ihn verstand, wie keiner seiner Freunde. Ich war ihm so nöthig au seiner Existenz als er mir. Er freute sich, wenn ich mit ihm zufrieden war, wenn ich ihn verstand.— Dieses geistige Mitwirken, Fortschreiten war ein Band, das uns immer


