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können eintreten, wo dem Menschen nichts weiter übrig bleibt, als sich in die heilige Freiheit der Geister zu flüchten, wo es kein Mittel giebt, der Macht der Natur zu widerstehen, als ihr zuvorzukommen und daurch eine freie Aufhebung alles sinnlichen Interesses, ehe noch eine physische Gewalt es thut, sich moralisch zu entleiben.“ Ein solches Ver- halten hat Schiller den wiederholten Anfällen einer verzehrenden Krankheit gegenüber beobachtet.
Er hatte früh das strenge Wort gelesen, Dem Leiden war er, wie dem Tod vertraut.
Ianerlich entsagte er dem Leben und Allem, was nur für den Sinn Reiz hat und flüchtete sich in die heilige Freiheit der Geister; gerade zu der Zeit, wo seine phy- sischen Kräfte allmälich hinschwinden, wachsen und beleben sich die Kräfte seines Geistes und Gemüths. Es ist als ob die niedern Mächte der Erde keine Gewalt mehr auf seinen Geist ausübten. Immer mehr bezieht er Alles, was ihn geistig bewegt, auf seine Kunst; seine historischen und philosophischen Vorarbeiten fasst er in grossen poetischen Schöpfungen zusammen, ohne den mühsamen Studien bei Ausführung des Einzelnen zu entsagen. Dabei bewahrte er sich die echte Empfänglichkeit für Liebe und Freundschaft, er blieb derselbe, der einst jubelnd gepriesen hatte, dass ihm der grosse Wark gelungen, eines Freundes Freund zu sein. Die Freundschaft mit W. v. Hum- boldt und Göthe bildete sich in dieser Zeit.„Sie kaunten ihn nur halb,“ schrieb seine Frau bald nach seinem Tode an einen Freund.„In dem letzten Theile seines Lebens, wo seine Seele frei auch unter dem drückenden Gefühle seiner Krankheit sich erhob, wo er immer milder, immer liebender wurde, sein Herz an dem unschuldigen Leben seiner Kinder sich erfreute, war er ganz anders als zu der Zeit, wo Sie mit ihm lebten. Diese Liebe, diese Freude an den lieben Geschöpfen, diese Heiterkeit, wenn er zu uns kam, würde Ihrem Herzen wohlgethan haben.“ Was er seinen Freunden war, das hat Göthe so schön gesagt:
Denn er war unser! Wie bequem gesellig,
Den hohen Mann der gute Tag gezeigt,
Wie bald sein Ernst, anschliessend, wohlgefällig, Zur Wechselrede heiter sich geneigt,
Bald raschgewandt, geistreich und sicherstellig, Der Lebensplane tiefen Sinn erzeugt,
Und fruchtbar sich in Rath und That ergossen: Das haben wir erfahren und genossen.


