Aufsatz 
Schiller als nationaler Dichter. Gedächtnisrede auf den hundertjährigen Geburtstag Friedrich Schillers, gehalten am 10. November 1859
Entstehung
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zweier Lustspiele; die Einrichtung vieler andern Dramen für die Bühne; nimmt man hinzu, dass von 1795 an die schönsten und vollendetsten seiner Gedichte entstehen, dass er ausserdem in dem weiten Königreich seines grossen Freundes sich heimisch zu machen strebte, dass er den naturhistorischen Studien desselben mit eingehendem In- teresse folgte, seine Bemühungen für die bildende Kunst theilte, ihn häufig den Schau- spielern gegenüber practisch vertrat; bedenkt man ferner, dass diese mannigfaltige und ausgedehnte rastlose Thätigkeit durch die hinfälligste Gesundheit gehemmt und erschwert wurde, wahrlich, dann muss man über die Energie dieses Willens bewundernd staunen.

Am 20. Februar 1790 verheirathete sich Schiller. Gerade in einer Zeit, in welcher, wie er selbst schreibt, er sein Dasein in eine harmonische Gleichheit gerückt fühlte, wo seine Tage ruhig und hell ohne leidenschaftliche Spannung dahin flossen, wo er die dichterischen Kräfte seines Innern von neuem sich beleben sah, ergriff ihn jene furchtbare Krankheit, von der er nie genas, die durch wiederholte Anfälle sein Leben mehr als einmal in Gefahr brachte und ihn endlich mitten im Vollgefühl seiner geistigen Kraft dahin raffte. Nur ein einziges kurzes Jahr war es ihm vergönnt, sich eines un- getrübten Glücks zu erfreuen, da berührt ihn drohend die Hand des Todes. Wie sehr man auch beklagen muss, dass ein tragisches Geschick die letzten Lebensjahre des Dichters erschwerte und ihn dann den Entwürfen seines reichen Geistes zu früh entriss, so hat doch dasselbe bittere Verhängniss den grössten Einfluss auf die volle Entfaltung des erhabenen Characters ausgeübt, der eben so sehr die Dichtungen Schillers durch- weht, als sein Leben auszeichnete.

Der Sinn für das Erhabene lag tief in Schillers ganzer moralischer wie dichteri- scher Anlage. Es war nicht zufällig, dass sein philosophisches Denken zunächst an dem Begriff des Erhabenen anknüpfte, und immer wieder auf denselben zurückkam; aus demselben Grunde weilte seine historische Betrachtung am liebsten auf den Ab- schuitten der Geschichte, die diesen Sinn zu nähren am meisten geeignet sind; sein Auge betrachtete gern das furchtbare herrliche Schauspiel, welches die alles zerstörenden und wiederaufbauenden und wieder zerstörenden Verändrungen der Geschichte für Men- schen von erhabener Gemüthsstimmung darbietet. Die Freiheit mit allen ihren mora- lischen Wiedersprüchen und physischen Uebeln war und blieb für ihn unendlich an- ziehender als Wohlstand und Ordnung ohne Freiheit. Wenn Schiller das Gemälde eines erhabenen Characters mit beredten Worten entwirft, so ist es, als ob er von sich selber rede.Keine Kraft, keine Geschicklichkeit kann den Menschen gegen die Tücke des Verhängnisses sicher stellen. Wohl ihm, wenn er gelernt hat, zu ertragen, was er nicht ändern kann, und preiszugeben mit Würde, was er nicht retten kann! Fülle

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