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deckt, in welcher alle wahre Wissenschaft und Kunst, alles Edle und Hohe entspringt, eine Entdeckung, die viele Geister in jenen Jahren mit taumelnder Begeisterung em- pfanden und mit unüberbietbarem Entzücken schilderten. Darin lag eine Wiederbelebung des nationalen Geistes, und zugleich war damit die Möglichkeit gegeben, die Wunden zu heilen, welche die unnatürlich schroffe Trennung der Stände dem deutschen National- leben geschlagen hatte. Am Anfange des achtzehnten Jahrhunderts hielten nur die untern Schichten des Volks an deutscher Sitte und Denkungsart fest, entbehrten aber bei- nahe aller geistigen Anregung, die ihnen von den mittlern Klassen kommen musste. Die gebildeten Stände waren damals aber nicht nur in der Sprache dem Volksleben entfremdet, sondern hatten auch ihrem eignen Innern und den Gegenständen gegenüber die naturgemässe Stellung verloren, auf der am Ende jede Förderung des Volkslebens von Seiten der obern Klassen beruht. Wo dem forschenden und prüfenden Auge die Gegenstände selbst durch die Masse des Ueberlieferten verdeckt sind, da hat nicht nur die Möglichkeit einer veredelnden Einwirkung auf das untere Volksleben aufgehört, da können auch in den mittlern Klassen die edelsten und besten Kräfte gar nicht oder nur falsch gebraucht werden. Auch in dieser Richtung bezeichnen die siebziger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts eine grosse Wendung zum Bessern, aber dieselbe Be- wegung barg auch eine grosse Gefahr, die Gefahr den Faden zwischen Altem und Neuem, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die ganze historische Continnität zu zerreissen, auf die Abwege zu gerathen, welche die französische Revolution zum Terro- rismus und dann zur Militairdictatur führten; auf die Abwege, auf denen auch die deutsche Reformation zu Grunde gegangen wäre, wenn Luther bei seiner Rückkehr von der Wartburg den damaligen Stürmern und Drängern nachgegeben hätte. Und so glaubten auch Manche in jenen Tagen, zur Natur und reinen Menschlichkeit zurück- zukehren und kamen dahin, Vorurtheil und Aberglaube, Gesetzlosigkeit in Kunst und Sitte, die Eigenheiten und Auswüchse ihres eitlen Innern für Offenbarungen des Gött- lichen im Menschen anzusehen. In diese stürmischen Zeiten fällt das erste Auftreten Schillers; keiner hat den Character dieser Periode genialer und ergreifender darge- stellt, als Schiller in seinen ersten Dramen, die Räuber, Fiesko, Cabale und Liebe; keiner aber hat auch das brausende und schäumende Jugendfeuer zu so hohem männ- lichen Adel zu läutern und in poetischen Werken zu gestalten vermocht, als Schiller, und dadurch schon hat er sich ewigen Anspruch auf aller Deutschen Dank erworben, schon dadurch gehört er zu unsern nationalsten Dichtern.
Es kam in jener Zeit darauf alles an, die entzündete und poetisch aufgeregte Einbil- dungskraft zu schulen und den Gesetzen der Vernunft zu unterwerfen. Diese Aufgabe


