Aufsatz 
Schiller als nationaler Dichter. Gedächtnisrede auf den hundertjährigen Geburtstag Friedrich Schillers, gehalten am 10. November 1859
Entstehung
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Namen nicht kannten; erst unter den sächsischen Kaisern kommt für die unvermischt gebliebenen Stämme der Name Deutsche auf. Von da beginnt unsere nationale Ge- schichte. Unter den sächsischen Kaisern und ihren ersten fränkischen Nachfolgern war das deutsche Volk auf gutem Wege eine straffere politische Einigung zu gewinnen, es gab aber damals keine höhere allgemeine deutsche Bildung und Sitte, keine deutsche Litteratur; als unter den Hohenstaufen diese schnell und glänzend emporstieg, entschied sich zu unserm Nachtheil der Kampf zwischen Kaisern und Päbsten, und diess führte die erste Erniedrigung des deutschen Namens herbei. Lange Zeit hindurch krankte das deutsche Reich hin, mehr sich selbst aufgebend, als durch die Kraft des Auslandes besiegt; da trat fast dreihundert Jahre später Luther auf. Mit Luther erschien für die Deutschen eine grosse Hoffnung, die Hoffnung die wesentlichste Grundlage jeder ge- schlossnen Nationalität zu gewinnen, ein den religiösen Bedürfnissen des deutschen Gemüths entsprechendes, alle Deutschen umfassendes Glaubensbekenntniss. Wie die Erfüllang dieser vielversprechenden Hoffnung vereitelt wurde, ist allbekannt. Was einigen sollte, wurde der Grund zu einer gesteigerten Entzweiung. Es entbrannte so- dann der dreissigjährige Krieg, welcher Deutschland in seine zweite Erniedrigung und die schmachvollste Abhängigkeit vom Auslande brachte. Die höheren Schichten des deutschen Volks vergassen ihres Ursprungs und huldigten in Sitte und Gesinnung den Fremden; selbst die rein geistigen Bestrebungen lösten sich im Ganzen von ihren natürlichen Grundlagen ab und verkamen in Streitsucht und Pedanterie. Deutschland als Ganzes war ohne Achtung, und fast ein Raub der Nachbarn; wie aber zu der Zeit, in welcher beim Fall der Hohenstaufen die Macht des ganzen Reiches dahinsank, einzelne Classen des deutschen Volks, besonders die Städte, emporblühten und die unverwüstliche Tüch- tigkeit deutachen Wesens auch dem Auslande gegenüber bewährten, so retteten nach dem dreissigjährigen Kriege einzelne deutsche Länder unter Führung vortrefflicher Fürsten die Ehre des deutschen Namens. Vor allen Preussen unter dem grosser Cur- fürsten und dem grossen Könige. Friedrich der Grosse erweckte durch seine Siege und ganze Regierung die fast erloschene Achtung vor dem deutschen Namen wieder und erhob dadurch das Nationalgefühl wenigstens bei einem Theile des deutschen Volks. Jedoch auch die Schöpfung Friedrichs brach unter den Stürmen, welche der französischen Revolution folgten, und so erlebte Deutschland seine dritte Erniedrigung. Indess in eben diesen Zeiten, vollendete sich durch alle Siege der französischen Waffen unbe- hindert, die geistige Befreiung Deutschlands, das von Luther begonnene, aber nicht vollendete Werk wurde, wenngleich überwiegend auf andern Gebieten des geistigen Le- bens, wieder aufgenommen und weitergeführt. Schon im letzten Viertel des siebzehnten