Aufsatz 
Nachricht über den Verlauf der 50jährigen Jubiläumsfeier der Realschule zu Michelstadt am 30. und 31. März und am 1. April 1884
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

dem Saale des Hotels Werner ein. Der Unterzeichnete benutzte hier einige freie Augenblicke, um den Schülern die hiſtoriſchen Ereigniſſe, welche die Schlacht bei Sedan herbeiführten, und den Verlauf dieſer Schlacht in das Gedächtnis zurückzuführen und ſchloß mit dem ſchönen Gedichte von GeibelAm 3 Sep⸗ tember 1870 und einem Hoch auf unſeren Kaiſer, in das die Lehrer und Schüler begeiſtert einfielen. Hierauf wanderten wir über die Zeil, am Schiller⸗, dem Guttenberg⸗ und Göthedenkmal, dem alten Stadt⸗ theater und dem neuen Opernhaus vorüber nach dem Panorama, wo Reallehrer Lenz die Einzelheiten der Schlacht bei Sedan nach demFührer den Schülern vorführte. Nachdem auch das brennende Bazeilles im unteren Stock beſichtigt worden war, gingen wir am Palmengarten vorüber nach dem Main, beſichtigten die verſchiedenen Brücken und verweilten dann noch ein Stüͤndchen in dem ſchönen Garten unſeres Hotels. Dieſer ſehr belehrende und ſchöne Ausflug wird unſeren Schülern ſtets in Erinnerung bleiben und in verſchiedenen Lehrſtunden Anlaß zu weiteren Betrachtungen geben.

Der Nachmittagsunterricht fiel der Hitze wegen an folgenden Tagen aus: 3. Juli, 4. Inli, 11. Auguſt.

Am 1. und 2. September machten der Unterzeichnete und Reallehrer Lenz mit 31 Schülern der beiden Oberklaſſen einen Ausflug nach dem Niederwalddenkmal. Wir fuhren am 1. nach Mainz. beſuchten den Dom, betrachteten das Guttenberg⸗ und das Schillerdenkmal und verweilten dann längere Zeit in dem ger⸗ maniſch⸗römiſchen Muſeum. Nachdem wir hierauf die herrliche Ausſicht am Rheinufer und von den Anlagen genoſſen hatten, fuhren wir mit dem Dampfboot nach Bingen, wo wir von einigen Collegen der dortigen Realſchule freundlich empfangen und noch am Abend zu den ſchönſten Ausſichtspunkten: der Rochuskapelle und dem Scharlachberge geführt wurden. Am Abend erwartete uns ein vorzügliches Abendeſſen in den geräumigen Lokalen derStadt Paris, wo unſere Schüler ſich nach den Anſtrengungen des Tages bei fröhlichem Geſang und einem guten Glaſe Wein erholen konnten. Am Morgen des Sedantages fuhren wir dann mit dem Dampfboot nach Rüdesheim und wanderten mit mehreren anderen Schulen auch einige Klaſſen der Realſchule zu Bingen hatten ſich aufgemacht an das Niederwalddenkmal. Dort erklärte der Unterzeichnete in längerer Rede die Bedeutung des Denkmals, indem er an die Worte der Inſchrift:Zum Andenken an die einmütige Erhebung des deutſchen Volkes und an die Wieder⸗ aufrichtung des deutſchen Reiches 1870/71, ſowie an die Schlußworte der Kaiſerrede bei der Enthüllung des Denkmals anknüpfte:Den Gefallenen zum Gedächtnisden Lebenden zur Anerkennungden kommenden Geſchlechtern zur Nacheiferung und als die höchſte Errungenſchaft des blutigen Krieges 1870/71, wegen der wir das Gedächtnis der Gefallenen ehren, den Lebenden Anerkennung zollen müſſen, wegen der wir die kommenden Geſchlechter zum Schutze und zur Wahrung aufrufen müſſen,die Errich⸗ tung des neuen deutſchen Reiches betrachtete. Er zeigte dann, wie mangelhaft die verſchiedenen Ein⸗ richtungen des alten, heilgen, römiſchen Reiches geworden waren, wie es namentlich nach außen keinen Schutz mehr gewährte, ſodaß wichtige Glieder verloren gehen konnten, wie es endlich den Angriffen der undisciplinierten, aber freiheitsbegeiſterten Revolutionsheere erliegen mußte. Er wies nach, wie die Hoffnung aller Patrioten ſeit den Heldenthaten des großen Kurfürſten und Friedrichs des Großen auf dem Hohenzollerſtamme ruhte, wie der Geiſt Friedrichs des Großen erſt in einzelnen, in Stein, des Guten Grundſtein, des Böſen Eckſtein, des deutſchen Volkes Edelſtein, in der herrlichen Königin Louiſe, dann im ganzen Volke zur Niederwerfung der fremden Tyrannenherrſchaft führte, wie derſelbe Geiſt wieder erwacht ſei, als der Übermut und der Neid der Franzoſen den blutigen Krieg 1870 heraufbe⸗ ſchworen hatte. Er beleuchtete hierauf in kurzen Worten die vortreffliche Einrichtung des neuen deutſchen Reiches, die einheitliche Geſtaltung ſeiner innern Einrichtungen, die Macht und Größe ſeiner Wehrkraft und ſchloß mit folgenden Worten:So ſteht das neue deutſche Reich achtunggebietend nach außen, einig und wohlgeordnet nach innen da; mögen die kommenden Geſchlechter auf dieſen Grundlagen fortbauen und beim Aufblick zu dem Nationaldenkmal dankbar erkennen, welches große Gut wir in der Errichtung des neuen deutſchen Reiches errungen haben und es wahren und ſchützen vor jeder Gefahr von innen und außen. Wir aber faſſen unſern Dank für das deutſche Volk in Waffen, für das tapfere Heer und ſeine kriegskundigen Führer, für ſeinen vielerfahrenen, erprobten Staatslenker, für das ſtille Heer, das pflegende und heilende Liebe in den Kampf geſchickt, in ein begeiſtertes Hoch auf unſeren greiſen Sieges⸗ kaiſer. Auch die übrigen Schulen und viele Anweſende hatten einen Kreis um den Unterzeichneten ge⸗ bildet nnh ſtimmten nun freudig ein in das Hoch auf unſeren Kaiſer und in das deutſche Kampf⸗ und Siegeslied: