Aufsatz 
Das neue Gebäude der Oberrealschule in Marburg a.d. Lahn / vom Oberrealschuldirektor Karl Knabe
Entstehung
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12 Daran schloss sich ein Festspiel, das in vier Bildern Hauptmomente aus dem Leben des grossen Kurfürsten vorführte: I. Bild: Lager bei Schweinfurt am 25. Mai 1675. 2. u. 3. Bild: Vor und nach der Schlacht bei Fehrbellin am 18. Juni 1675. 4. Bild: Frieden zu St. Germain am 11. Juli 1697. Im Epilog wies der Herold auf König Friedrich den Grossen und Kaiser Wilhelm I. hin und schloss mit den Worten:Ein neues Reich hast wieder Du geschafft voll hoher Macht, voll Herrlichkeit und Kraft. Drum weihen alle wir mit Herz und Hand uns freudig gern dem deutschen Vaterland.

Die einzelnen Bilder wurden durch passend ausgewählte Gesänge des Schülerchors, der auf der Gallerie untergebracht war, in Zusammenhang gebracht.

Die Rollen des Festspiels waren besetzt: Der grosse Kurfürst: Haas(0 II); Prinz von Hessen-Homburg: Böttcher(I); Derfflinger: Müller(D; Henning: Stein(U II); Röxdorf: Knoch(1): Göritz: Wick(1):; Kanonier: Heusinger(O II); v. Krokow: Arnold(D; v. Schwerin: Marcus(U II); Soldaten: Heuser, Happel, Köbel und Orthwein(U ID; Herold: Asteroth(O II).

Der um 9 Uhr beginnende Festkommers bildete den Beschluss der Feier. Auch hierzu hatten sich in stattlicher Zahl die Freunde und ehemaligen Schüler der Anstalt mit den Schülern der obersten Klassen eingefunden. IHerr Bürgermeister Siebert eröffnete mit einer kurzen An- sprache den Kommers und brachte dann den Kaisertoast aus, indem er an das Festspiel anknüpfend auf die Pflichttreue des Kaisers als hehres Erbteil des grossen Kurfürsten, des grossen Königs und der beiden Kaiser Wilhelm und Priedrich hinwies. Dann brachte der Stadtverordnete Herr Ober- lehrer Dr. Euler den deutschen Frauen und dem deutschen Vaterlande ein donnerndes Hoch. Die Behörden und die Stadt liess Direktor Dr. Knabe leben. Herr Professor Böhmel brachte ein Hoch auf die ehemaligen Schüler aus, während Herr Stadtverordneter Seebinger einen Trink- spruch auf die Oberrealschule hielt. Bis lange nach Mitternacht sass man noch fröhlich zusammen und erbaute sich an manchem guten Worte wie an ferneren Ansprachen z. B. der Herren Direktor Dr. Hempfing und Fabrikant Hebebrand aus Elberfeld und an manchem schönen Liede.

Zahlreiche Wünsche wurden der Anstalt zu teil, namentlich sprach dem Berichterstatter ein Professor der Rechte, anknüpfend an die Lage unseres neuen Schulhauses in Bezug auf das Universitätsgebäude, die Hoffnung aus, dass unsere Schüler nicht lange mehr um die Universität herumgehen müssten, sondern dass sie auch bald den Weg hineinfänden. Von den schriftlichen und telegraphischen Glückwünschen seien erwähnt diejenigen der Herren Geh. Oberjustizrat Land- gerichtspräsident a. D. Dr. Schultheis, Gymnasialdirektor Dr. Buchenau, beide zu Marburg, Provinzial- schulrat Dr. Otto, Oberrealschuldirektor a. D. Dr. Ackermann, Oberrealschuldirektor Dr. Quiehl zu Kassel, Realgymnasialdirektor Walter-Frankfurt a. M., Professor Dr. Ph. Weinmeister-Tharandt, Professor Dr. P. Weinmeister-Leipzig(beide alte Marburger), Direktor Dr. Sachs-Mannheim, Fabrikant W. Hebebrand-Berlin(beide ehemalige Schüler), die poetischen Wünsche des Seniors der Lehrer- schaft Oberlehrers a. D. Prof. Dithmar hier. Diese Beschreibung glauben wir am besten beschliessen zu können mit der letzten Strophe eines von unserm Kollegen, Herrn Oberlehrer Dr. Schäfer, gedichteten Singeliedes:

So, nun haben wir geschauet von dem Schulhaus an der Lahn, Das so schön im Thal erbauet, Fluss hinauf und Berg hinan. Mög' vom neuen Haus ausgehen Glück und Segen allezeit, Dass wir seine Schüler sehen hochgeehret weit und breit!.

3. Beschreibung des Gebäudes.

Das neue Anstaltsgebäude ist im Osten der Stadt auf einem Platze erbaut, der von der Ufer-, der Savigny- und der Vangerow-Strasse eingeschlossen wird und die Grösse von 68 ar 25 qm. besitzt. Von der Uſerstrasse führt eine 9 m lange Böschung auf ein 31 m breites Vor- land, das zur Herstellung einer Eisbahn dient; hieran grenzt die Lahn mit 30 m Breite. Da die andern beiden angrenzenden Strassen Seitenwege sind, so ist dieser Platz in Bezug auf Licht und Luft ungehindert.