Amtszeit der Jugend Marburgs gewidmet hat, ſchloß ſich nun ein Feſtmahl im Muſeum, bei dem die Staats- und Stadtbehörden vertreten waren und an dem ſich viele Freunde, Kollegen, frühere Schüler und Verwandte des Jubilars beteiligten.
Den Kaiſertoaſt brachte Herr Provinzialſchul⸗ rat Kannegieſſer aus.
In denſelben ſtimmte die zahlreiche Verſammlung lebhaft ein und anſchließend wurde ein Vers der Kaiſer⸗Hymne ſtehend geſungen.
Hierauf feierte Herr Oberbürgermeiſter Schüler in längerer Rede die Verdienſte des Jubilars, welche ſich dieſer während einer beinahe ein halbes Jahr⸗ hundert hindurch dauernden, der Realſchule in ſchlimmen und guten Tagen gewidmeten, ſtets treuen Amts⸗ führung erworben habe. In den hieran angeſchloſſenen Toaſt auf den Jubilar ſtimmte die Feſtverſammlung freudig ein.
Der Jubilar ſagte in ſeiner nun folgenden Rede wie ſehr er dem hochgeehrten Herrn Vorredner für die ſo wohlwollende Beurteilung ſeiner amtlichen Thätigkeit danke und wie er auch fernerhin alle Zeit und Kraft ſeiner Schule widmen werde.
Sodann fuhr er fort:„Wenn ich die hochverehrten Feſtgenoſſen noch um die gütige Erlaubnis bitte, mir nur noch auf einige Augenblicke ein geneigtes Gehör zu ſchenken, ſo möchte ich mir hierdurch eine Gelegen⸗ heit gegeben ſehen, den ſehr geehrten Anweſenden für dieſes zu meinem Jubiläum veranſtaltete, ebenſo ehrende als glänzende Feſtmahl meinen verbindlichſten Dank zu ſagen. Es wird mir ſchwer, denſelben für dieſe weitere ehrende Anerkennung meiner Wirkſamkeit durch ſchlichte Worte auszudrücken. Genehmigen Sie, meine hochzuverehrenden Fennde meine aufrichtige Verſicherung entgegenzunehmen, daß ich die mir er⸗ wieſene Ehrenbezeigung und verurſachte Freude hoch⸗ zuſchätzen weiß, und daß mir dieſer Tag unvergeßlich und in der angenehmſten Erinnerung auch in Zukunft bleiben wird. Wenn es erlaubt iſt, einen Blick in dieſe zu thun, ſo bemerke ich zu meiner großen Freude, wie mit den düſteren Wolken, welche früherhin über Marburg ſchwebten, auch die trüben Schatten ver⸗ ſchwunden ſind, und eine ſtrahlende Morgenröte ange⸗ brochen iſt. Dieſe angenehmen Zeichen einer fröhlichen Entwickelung meiner zweiten Vaterſtadt hier genauer zu erwähnen, iſt gewiß ſchon aus dem Grunde nicht angezeigt, als alle hochverehrte Feſtgenoſſen, je nach ihrem Amt und der ihnen anvertrauten Stellung durch Rat und That zu dieſem friſchen Aufblühen unſerer Stadt mitgewirkt haben. Wir alle kennen auch die mannigfachen Annehmlichkeiten, in einer aufblühenden Stadt zu wohnen, und diejenigen der verehrten An⸗ weſenden werden dieſe um ſo mehr zu ſchätzen wiſſen, welche eine entgegengeſetzte Situation Marburgs aus eigner Anſchauung kennen gelernt haben.
Ich glaube daher, der Zuſtimmung aller hochver⸗ ehrten Feſtteilnehmer gewiß zu ſein, wenn ich mir
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erlaube, die ergebenſte Aufforderung auszuſprechen, auf das fernere Wachſen, Blühen und Gedeiheu meiner zweiten Vaterſtadt ein volles Glas zu leeren. Stoßt an Marburg ſoll leben hoch! hoch! hoch!“
Ein weiterer Toaſt, ausgebracht von Herrn Dr. Schäfer galt der Familie des Jubilars, in deren Namen der Sohn des Gefeierten, Herr Amtsrichter Hempfing, dankte, während Herr Vicebürgermeiſter L. Bücking in humoriſtiſcher Rede die Marburger Schulverhältniſſe in den 40er Jahre ſchilderte und allgemeinen Beifall dafür erntete. Auch die äußeren Verhältniſſe waren wohl geeignet, die Feſtverſamm⸗ lung in heiterer Stimmung noch lange beieinander zu halten.
Wie zu Oſtern v. J. ſich an die Feier des 25jähr. Beſtehens des Realprogymnaſiums, bezw. des 50jähr. Beſtandes der früheren Realſchule noch ein Feſtcom⸗ mers der früheren Schüler anſchloß, ſo folgte dem beſchriebenen 50jährigen Amtsjubiläum des Rektors Dr. Hempfing gleichfalls ein Feſtcommers und zwar im Saalbau, da die Zahl der Teilnehmer eine bei weitem größere war und dem entſprechend auch die erforderlichen Anordnungen ausgedehntere waren, wodurch denn auch die Feſtlichkeiten des Ju⸗ biläums einen angemeſſenen Abſchluß fanden.
Der Feſtcommers begann am 13. September um 8 ½ Uhr und wurde durch den Präſidenten des⸗ ſelben, Herrn Heinrich Hering, mit folgender Rede eröffnet:
„Hiermit eröffne ich im Auftrage des Feſt⸗Aus⸗ ſchuſſes unſeren heutigen Feſteommers zu Ehren des 50jährigen Amts⸗-Jubiläums des Herrn Rektor Dr. Hempfing, veranſtaltet aus Liebe und Dankbarkeit ehemaliger Schüler unſeres hochverdienten Herrn Ju⸗ bilars, und heiße ich Sie alle, welche zu Ehren des Herrn Jubilars hier erſchienen ſind, um unſer Feſt verherrlichen zu helfen, recht herzlich willkommen.
In erſter Linie danke ich ſpeciell unſerm Herrn Jubilar, daß auch er der Einladuug ſeiner ehemaligen Schüler, welche Ihm ſo viel Dank ſchulden, gefolgt iſt, um mit ihnen heute einige Stunden feſtlich zu begehen, wo ſie zugleich Gelegenheit finden werden, ſich wieder in ihre frühere ſchöne Schulzeit in Ge⸗ danken zurück zu verſetzen.
Nicht minder gilt mein Dank der hochlöblichen ſtädtiſchen Behörde und dem Lehrerkollegium, da beide ſo zahlreich unſerer Einladung entſprochen haben. Möge auch Ihnen der heutige Abend beweiſen, daß die treue Hingebung, mit welcher uns Herr Dr. Hempfing ſtets unterrichtet, gute Früchte gezeitigt hat.
Jedoch als gute Deutſche laſſen Sie uns auch heute zuerſt unſeres allergnädigſten Landesfürſten ge⸗ denken, und deshalb bitte ich Sie, hochverehrte Feſt⸗ teilnehmer, ſich zu erheben und mit mir einzuſtimmen in den Ruf: Se. Majeſtät Kaiſer Wilhelm II., der Beſchützer der Schulen, lebe hoch, hoch, hoch!“


