Aufsatz 
Bericht über die Jubelfeier zum 25jährigen Bestehen des Realprogymnasiums zu Marburg a.d. Lahn
Entstehung
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die auch Ihre Lehrer waren. Auch dieſe haben gewiß Ihre freundlich⸗dankbaren Worte angenehm berührt. Meinem verbindlichſten Danke darf ich wohl noch den innigen Wunſch zufügen, daß das bisherige, nun ſo lange beſtehende, freundſchaftliche Verhältnis zwiſchen alten Schülern und älteren Lehrern auch fernerhin ungetrübt fortbeſtehen und auf Ihre Söhne übergehen möge.

Hochgeehrter Herr Paſtor und Stadtſchulinſpicient!

Gerade die vielen Beziehungen, die uns mit ein ander verbinden, machen mir Ihre Glückwünſche, die Sie mir als Freund, als Mitglied des Kuratoriums und als Stadtſchulinſpicient im Namen der Kollegen an den ſtädtiſchen Schulen in tief gefühlten Worten dargebracht haben, beſonders ſchätzbar. Bezüglich der letzteren iſt doch die Verbindung meiner Schule mit den ſtädtiſchen Schulen eine recht innige. Haben wir doch mehrere Jahre hindurch in Frieden und Ein⸗ tracht gleichzeitig in demſelben Hauſe gewirkt. Em⸗ pfangen doch nnſere Schüler ihren erſten Unterricht in der ſtädtiſchen Bürgerſchule, die auch meine Kin⸗ der mehrere Jahre, bezw. die höhere Töchterſchule längere Zeit hindurch, mit gutem Erfolg frequentiert haben, wofür ich zu vielem Dank verpflichtet bin. Und noch mehr als dieſes. Bin ich doch auch fünf Jahre hindurch Mitglied der ſtädtiſchen Schuldepu⸗ dation geweſen; habe in dieſer Stellung der Ent⸗ wickelung des ſtädtiſchen Schulweſens gern manche Stunde gewidmet und war beſonders für den Bau der neuen Mädchenſchule bemüht.

Dieſes alles trägt gewiß dazu bei, daß die viel⸗ fachen Beziehungen zwiſchen den ſtädtiſchen Schulen auch in Zukunft recht innige ſein werden, in welcher ich der dargebrachten herzlichen Glückwünſche ſtets eingedenkt ſein und bleiben werde.

Sehr verehrter Herr Direktor und Commilitone!

Schon wiederholt iſt mir der ehrenvolle Auftrag geworden, die meiner Leitung anvertraute höhere Lehranſtalt bei feierlichen Gelegenheiten des Königl. Gymnaſiums zu vertreten. So bei der Einweihung des neuen Gymnaſialgebäudes und bei verſchiedenen Jubiläen ſeiner verehrten Lehrer. In der letzten Zeit war unſere Anſtalt an der Reihe und es be⸗ reitet mir große Freude, daß mir von dem hochver⸗ ehrten Lehrerkollegium des Königl. Gymnaſiums zu meinem Jubiläum ſo freundliche Glückwünſche über⸗ bracht wurden, wofür ich meinen beſten Dank ſage.

Um den Fortbeſtand der freundſchaftlichen Be⸗ ziehungen, deren Du, lieber Commilitone, freundlichſt erwähnteſt, dürfte ich in meinem und der Meinigen Namen aufrichtig bitten. Du gedachteſt vorher auch unſerer gemeinſchaftlichen Studienzeit. Seitdem iſt nun ſchon manches Jahrzehnt verfloſſen, deshalb würde es mir zur ganz beſonderen Freude gereichen, wenn es mir unter des Himmels fernerem gnädigen Schutz vergönnt ſein ſollte, dereinſt einen gleichen

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Auftrag auszuführen, wie der Deinige für heute iſt, für den ich herzlich danke.

Hochzuverehrender Herr Geheimerat!

Ganz beſonders fühle ich mich geehrt, daß Sie, der Neſtor des höheren Lehrerſtandes wohl der ganzen Monarchie und mehrfacher Jubilar, Sich zu meinem Jubiläum hierher bemüht haben; in gleichem Maße weiß ich Ihre wohlwollenden Glückwünſche hoch zu ſchätzen. Aber gerade deshalb erlaube ich mir, zu dieſer Stunde auch einen Wunſch auszuſprechen. Zu wiederholten Malen habe ich Ihnen, hochgeehrter Herr Geheimerat, amtliche und perſönliche Gratulationen überbracht, von Ihnen habe ich jedoch nur die heutige empfangen. Dürfte ich mich nicht daher der ange⸗ nehmen Hoffnung hingeben, daß Sie noch eine Wieder⸗ vergeltung üben und Sie mir noch weitere freundliche Wünſche, etwa bei der Grundſteinlegung zum neuen Realſchulgebäude, überbringen werden. Auch dann werde ich Ihnen, hochgeehrter Herr Geheimerat, wie heute, erſt recht von Herzen beſtens danken.

Es wurden nun von der ganzen Feſtverſammlung die beiden nach dem Programme bezeichneten Verſe geſungen, womit die ſchöne und wohlgelungene Feier ſchloß. Der Jubilar nahm nochmals das Wort, um insbeſondere dem Sängerchor und ſeinem Diri⸗ genten, Herrn Haaſe, für die exakt und anſprechend, a capella ausgeführten, zum Teil recht ſchwierigen Geſänge, wodurch die Feier ſo ſehr gehoben worden war, ſeinen beſten Dank auszudrücken. Allerdings war auch, um dieſes ſchöne Ziel zu erreichen, zuvor recht fleißig in beſonderen Stunden geübt worden, und deshalb war es auch nicht mehr als recht und billig, daß der Unterricht am 12. September ausfiel, welcher Ausfall von den Schülern mit Jubel aufge⸗ nommen wurde. Die meiſten Feſtteilnehmer brachten nun dem Jubilar ihre herzlichen Glückwünſche mit warmem und kräftigem Händedruck dar.

Im Laufe des 11. Sept. war nun eine ſehr große Anzahl von ſchriftlichen und telegraphiſchen Gratula⸗ tionen früherer Schüler, alter und junger Freunde, von Verwandten u. A. aus verſchiedenen Gegenden und Weltteilen die erſte aus Chicago mit einer Einladung zum Beſuch der Weltausſtellung ein⸗ gegangen. Die verehrlichen Lehrerkollegien der meiſten höheren Lehranſtalten Heſſen⸗Naſſaus gratulierten in längeren Schreiben mit den herzlichſten und aner⸗ kennendſten Worten, zum Teil in wahrhaft künſt⸗ leriſcher Ausführung. Auch Aufmerkſamkeiten anderer Art wurden dem Jubilar zu ſeiner großen Freude in reicher Anzahl zu teil, von denen er ein längeres Gedicht des Herrn Pfarrer Dittmar beſonders hevorhebt. Allen verehrten und lieben Gratulanten wurde die ſchuldige ergebenſte Dankſagung perſönlich oder ſpäter ſchriftlich ausgeſprochen.

An dieſe wohlgelungene Feier des goldenen Amts⸗ Jubiläums eines Lehrers, welcher faſt ſeine ganze