Freude und ich ſehe dieſe Anerkennung als eine reiche Belohuung meiner langjährigen Thätigkeit an. Ganz beſchämt bin ich aber durch die überaus wertvolle Gabe, welche Sie, meine hochgeehrten Herren, im Namen der Stadt Marburg mir verehren. Durch die Wahl dieſes Geſchenkes haben Sie mir einen Lieblings⸗Wunſch erfüllt. Es wird mir dieſes Kunſt⸗ werk, welches, wie Sie mir gütigſt mitteilen, eine große Anzahl Photographieen älterer und neuerer Gemälde berühmter Künſtler enthält, in den Muſe⸗ ſtunden einen hohen Kunſtgenuß gewähren und mir ſo den ſpäten Abend meines Lebens ſehr verſchönern; dabei werde ich ſtets eingedenk bleiben der großen Munificenz der Stadt Marburg, ſowie ihrer mir befreundeten Vertreter. Ich muß fürchten, daß es mir nicht gelingt, meinen ſchuldigen Dank dem hohen Werte des Geſchenkes gemäß auszudrücken. Nehmen Sie deshalb meine ſchlichten Worte als einen unvoll⸗ kommenen, aber wohlgemeinten Ausdruck tiefgefühl⸗ teſten Dankes, welchen, den hochgeehrten Herren darzu⸗ bringen, mir eine meiner angenehmſten Pflichten iſt.
Sehr verehrte Herren Kollegen!
Nehmen Sie meinen beſten Dank für Ihr mir gütigſt dargebrachtes, reiches Geſchenk und für die dabei ausgeſprochenen herzlichen Wünſche. Sie haben mir mit beiden eine ſehr große Freude bereitet; ſpricht ſich doch in denſelben in einer mir beſonders angenehmen und wohlthuenden Weiſe aus, daß wir mit einander in treuer Kollegialität an dieſer Schule gewirkt haben. Ebenſo ſehr weiß ich Ihren Wunſch zu ſchätzen, daß wir noch einige Jahre gemeinſchaft⸗ lich an dieſer Schule wirken möchten. Beweiſt er mir doch deutlich, daß Sie ſich in der langen Reihe von Jahren mit mir wohl gefühlt haben. Iſt es doch auch immer mein Beſtreben geweſen, ſoviel wie möglich die berechtigten Wünſche zu erfüllen. Für das innige Zu⸗ ſammenwirken und das Pflichtgefühl, ſowie für die treue Pflichterfüllung ſage ich Ihnen auch an dem heutigen feſtlichen Tage meinen beſten Dank.
Die von Ihnen mir verehrte ſchöne und reiche Gabe, Jeſus predigt am See, werde ich aus vielen Gründen hoch ſchätzen; ſie wird mir ein teures Er⸗ innerungszeichen kollegialiſchen Zuſammenwirkens ſein. Wenn ich noch einen Wunſch meinem herzlichen Dank hinzu fügen dürfte, ſo ſei es der, daß der gütige Gott, welcher die große Gnade der 50jährigen Jubi⸗ läumsfeier, zwei Mitgliedern des Lehrerkollegiums hat zu teil werden laſſen, dieſe auch den übrigen Kollegen in voller Rüſtigkeit des Körpers und Geiſtes verleihen möge, und daß Sie dann ſich meiner und meines gegenwärtigen innigen Wunſches erinnern möchten.
Möchte der heutige Tag dazu beitragen, das Band wahrer Kollegialität noch inniger und feſter zu ſchließen. Ihr reiches Geſchenk wird mir für immer ein un⸗ vergeßliches Andenken ſein und bleiben, da Sie gerade mit dieſem Geſchenk einen von mir langgehegten Wunſch erfüllten.
Nochmals meinen innigſten Dank!
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Nun auch Ihr, meine lieben Schüler, verbindet Eure herzlichen Glückwünſche zu meinem Jubiläum mit einer ſo ſchönen Gabe. Die oberen von Euch haben ja ſchon bei der 25jährigen Jubiläumsfeier der Anſtalt dieſer und mir ein paſſendes Geſchenk gemacht. Wenn ein Teil von Euch, meine lieben Schüler, noch nicht lange meine Schüler ſind, ſo werden ſie doch ſchon bemerkt haben— und die Schüler ſollen ja, wie man ſagt, ihre Lehrer in mancher Beziehung, insbeſondere nach der Seite der Unparteilichkeit, richtig beurteilen können— wie ich alle Schüler in gleicher Weiſe in ihrem Wiſſen und Können, in ihrer geiſtigen und körperlichen Entwickelung zu fördern bemüht bin. In dem von Euch mir überreichten, mir ſehr lieben Geſchenk ſehe ich einen angenehmen Beweis, wie ernſt⸗ lich Ihr es mit dem vom Primus omnium vorhin ausgeſprochenen Wunſche, noch weiter an der Schule zu verbleiben, meint. Dieſen Wunſch werde ich zu erfüllen verſuchen, ſo lange mir der gütige Gott, der mir bis hierher ſichtbarlich geholfen, die erforderliche Kraft in Gnaden verleiht. In dieſen immerhin nur noch wenigen Jahren ſoll denn unſer altes Verhält⸗ nis fortbeſtehen: Ihr werdet meine braven fleißigen Schüler und ich werde in alter Weiſe Euer Rektor und Lehrer ſein.
Meine lieben früheren Schüler!
Sie haben mir, meine verehrten Herren, durch Ihr zahlreiches Erſcheinen eine ganz beſondere Freude bereitet. Stellen Sie doch in augenfälliger Weiſe dar, wie lange ich in dieſer Stadt und an dieſer Schule gewirkt habe, indem ſich unter Ihnen gar viele Herren befinden, deren Söhne ich auch unter⸗ richtet habe. Durch das künſtleriſche und geſchmack⸗ volle Geſchenk beweiſen Sie, meine verehrten Herren, daß Sie ſchon in der Praxis ſtehen. Aber dadurch haben Sie auch gewiß erkannt, welcher große Wert den erworbenen Schulkenntniſſen beizumeſſen iſt, und deshalb erinnern Sie Sich gern und oft, obgleich ſchon manches Semeſter ſeitdem verfloſſen iſt, der Jahre und Stunden, in denen wir vereint beſtrebt waren, die ſchnell dahin eilende und nicht wieder— kehrende Jugend beſtens zur Erziehung und Bildung auszunutzen.
Ihr mir ſo günſtiges Zeugnis erhält aber dadurch einen ganz beſonderen Wert, daß Sie mir dasſelbe freundlichſt erteilen, nachdem Sie zum Teil ſchon recht lange im praktiſchen Leben ſtehen, wodurch Sie in der Lage ſind, aufs beſte bezeugen zu können, daß unſere Schule in ihren Anforderungen an ihre Schüler und in ihren Zielen im Wiſſen und Können des wich⸗ tigen pädagogiſchen Satzes eingedenk geweſen iſt: Non scholae, sed vitae discimus, d. h. nicht für die Schule, ſondern für das Leben lernen wir. Ihre mir ſo freundlich ausgeſprochene Anerkennung kann ich doch nur zum Teil auf mich beziehen; denn die angeführten Erfolge kommen doch dem ganzen Lehrer⸗ kollegium zu, bei welchem außer mir noch Lehrer ſind,


