ͤIIIIn
20
Nun darf ich wohl noch last not least meines Verhältniſſes zu den Schülern gedenken. Nur 2 Punkte möchten mir zu erwähnen geſtattet ſein, die mir die treueſte Pflichterfüllung gegen die Schüler leicht machten. Ich halte nämlich die Ausbildung der Schüler in ihrem Wiſſen und Können durch die Schule für ihr ſicheres Fortkommen im Leben für ſo durchaus notwendig, daß die ſorgfältigſte Ausnutzung von Zeit und Gelegenheit für die Schüler nicht nur dringend geboten iſt,— ſondern auch, daß mir jede unerlaubte Nachſicht hierin als Schwäche oder Pflicht⸗ verletzung erſcheint. Mein hier nach beſtimmtes Verhalten wurde mir ſehr erleichtert, indem mir der Unterricht ſtets eine Freude war, weshalb ich gern eine Stunde mehr übernahm, während ein Ausfall des Unterrichts mich in der Regel aus beiden Gründen verſtimmte. So habe ich denn auch meiſtens eine größere Stundenzahl übernommen, als ich verpflichtet war. Ein beſonders günſtiger Umſtand war hierbei, daß mir durch Gottes große Gnade das ſeltene Glück zu teil wurde, daß ich während meiner 46jährigen Wirkſamkeit dahier nur 2 Wochen wegen der In⸗ fluenza meine Stunden nicht halten konnte. Stets und gern war ich daher bereit, meine in dieſer Natur⸗ anlage weniger begünſtigten Kollegen zu vertreten.
So ſtimmten denn viele günſtige Umſtände zu⸗ ſammen, daß ich meine ganze Zeit und Kraft nicht nur in treuer Pflichterfüllung, ſondern auch mit Luſt und Liebe meinem Amte widmen konnte und nach den heutigen erfreulichen Wahrnehmungen darf ich hoffen, ja annehmen, daß der gütige Gott meine Arbeit geſegnet hat.
In meinem in Kürze dargelegten Lebensweg mit beſonderer Rückſicht auf meinen amtlichen Wirkungs⸗ kreis, dem die hochgeehrten Anweſenden Ihre geneigte Aufmerkſamkeit freundlichſt geſchenkt haben, konnte ich, Gott ſei gedankt, gar manches anführen, was zu meiner Freude zeigte, daß es der Herr wohl⸗ gemacht hat, und gleiches kann ich von der Schule ſagen, der mein Leben gewidmet war und iſt.
Am Schluſſe der ſchönen und hehren Feier meiner 50jährigen Wirkſamkeit drängt es mich noch einmal allen hochgeehrten Herren, welche ſich um die Ver⸗ anſtaltung des Jubiläums ſehr bemüht haben, allen gütigen Gebern— von Sr. Majeſtät dem aller⸗ gnädigſten Kaiſer bis zum jüngſten Schüler— für die reichen Geſchenke, allen freundlichen Teilnehmern für ihre ehrende Anweſenheit und ihre herzlichen Glückwünſche meinen tiefgefühlteſten Dank zu ſagen.
Alles dieſes hat mir den heutigen Tag zu einem der ſchönſten meines Lebens gemacht, ſo daß er mir ſtets unvergeßlich bleiben wird; machen doch ſolches ſchon die vielen Beweiſe und Zeugen der mir ſo reichlich gewordenen Anerkennung und Dankhbarkeit ganz unmöglich; ja ſie werden noch ſpäter den Enkeln von dieſer ſchönen Feier und von den vielen gütigen Gebern erzählen.
So kann ich dieſe ſchöne und ſeltene Feier nicht anders und wohl auch nicht beſſer ſchließen, als mit der innigſten Bitte zum Herrn unſerm Gott, daß Seine Gnade über unſerem erhabenen Herrſcherhauſe, über unſerm teuren Vaterlande, über unſerer ver⸗ ehrten Stadt und über unſerer lieben Schule allezeit gnädig walten möge.“
Um dem Jubilar eine kleine Pauſe zu geſtatten, ſang der Sängerchor Nr. 5 des Programms, worauf er ſich erlaubte, ſeinen innigſten Dank den verehrten Gratulanten in folgenden Worten auszuſprechen:
„Hochzuverehrender Herr Prov.⸗Schulrat!
Genehmigen Sie, da Sie im Allerhöchſten Auf⸗ trag Sr. Majeſtät unſeres allergnädigſten Kaiſers und in Vertretung Sr. Excellenz des Herrn Unterrichts⸗ Miniſters und Sr. Excellenz des Herrn Ober⸗Präſi⸗ denten unſerer Provinz mir die hohe Auszeichnung überreicht haben, meinen allerunterthänigſten Dank dafür huldreichſt entgegenzunehmen. Indem ich die allergnädigſt mir gewordene hohe Ehre ſehr wohl zu ſchätzen weiß, wird es mein aufrichtiges Beſtreben ſein, mich ihrer in meiner Amts⸗ und Lebensführung, insbeſondere durch unwandelbare Treue an unſer erhabenes Herrſcherhaus würdig zu erweiſen.
Empfangen Sie aber auch, hochgeehrter Herr, meinen beſten Dank für Ihre perſönliche Teilnahme an meinem Jubiläum, mit welcher Sie mir eine hohe Ehre er⸗ wieſen und eine große Freude bereitet haben, was ich um ſo höher achten muß, als gegenwärtig die dleri Schulbehörden ſo ſehr mit Arbeiten überhäuft ſind.
Durch Ihre überaus wohlwollende Darſtellung und Beurteilung meiner Wirkſamkeit als Lehrer und Leiter des Realprogymnaſiums iſt mir von hoher vorgeſetzter Behörde für 50jährige Amtsführung eine hohe Anerkennung und reicher Lohn wobl über mein Verdienſt zu Teil geworden. Denn, wenn es mir wirklich gelungen, einiges von dem, was ich erſtrebt habe, zu erreichen, ſo war dieſes doch nur möglich durch die ſachkundige Leitung ſeitens hoher Vorge⸗ ſetzter und durch die treue Mitwirkung verehrter Kollegen.
Möchte es mir im Verein mit den geehrten Kollegen gelingen, daß unſerer Anſtalt in der neuen Geſtaltung in gleich erfreulicher Weiſe wie bisher das Wohl⸗ wollen und die hochzuſchätzende Anerkennung hoher und höchſter Behörden zu unſerer Ehre und Freude erhalten bleiben. Genehmigen Sie nochmals die huld⸗ reiche Entgegennnahme meines ganzergebenſten Dankes.
Hochgeehrter Herr Oberbürgermeiſter!
Sie waren ſo gütig im Namen der wohllöblichen ſtädtiſchen Behörden und des Kuratoriums der Anſtalt mir die beſten Glückwünſche zu überbringen. Daß meine 46jährige Wirkſamkeit in hieſiger Stadt eine ſo überaus günſtige Beurteilung auch ſeitens der Stadtverwaltung gefunden hat, bereitet mir große


