24
Hieran ſchloß ſich die Abſingung der 1. Strophe: „Heil dir im Siegerkranz.“
Nachdem nun das erſte Lied der zum Feſtkommers ausgewählten und verteilten Lieder geſungen war und die ſtädtiſche Kapelle concertiert hatte, nahm Herr Vice⸗ bürgermeiſter Bücking, ein Schüler des Jubilars, das Wort, und in vom Herzen kommenden und zum Herzen gehenden Worten ſchilderte er den Gefeierten in ſeiner langjährigen, geſegneten Wirkſamkeit in hieſiger Stadt, der einem Vater gleich nicht nur die Intereſſen ſeiner Schüler, ſondern auch ſeiner Lehrer warm vertreten habe, woran ſich ein Hoch auf den Jubilar anſchloß. Nach einer Unterbrechung, wie vor⸗ her, durch Geſang und Muſik, ergriff der Jubilar das Wort, und, nachdem er ſeinen innigſten Dank für die großartige Ovation des heutigen Feſtabends in den wärmſten Ausdrücken ausgeſprochen hatte, lenkte er die Aufmerkſamkeit der verehrten Feſtgenoſſen darauf hin, wie er, wenn er eine Umſchau in der zahlreichen Verſammlung halte, liebe Schüler finde, die drei Generationen repräſentierten, welcher Unter⸗ ſchied ſich auch ſchon äußerlich kenntlich mache. Alle ſeien, trotz dieſer großen Altersverſchiedenheit, ſich gleich in der Abſicht, die ſie hierher geführt habe. Dieſe Einheit ließe den Jubilar mit Freuden an⸗ nehmen, daß er ſeit einem halben Säculum auch bei allen ſeinen Schülern ſich gleich und immer derſelbe geblieben ſei. Dieſe Wahrnehmung freue ihn um ſo mehr, als ja ſtets ſein Ziel, deſſen Erreichung ihm durch widrige Umſtände oft erſchwert worden, geweſen ſei, alle ſeine vielen Schüler durch Erziehung und Unterricht nach Kräften auszubilden und ſie in ihrem Wiſſen und Können ſoweit zu fördern, daß ſie zu einer ſelbſtändigen Stellung gelangen könnten. Das leb⸗ hafte Intereſſe für die Schüler ſei aber eins mit dem der Schule, von dem ja auch alle Feſtgenoſſen lebhaft beſeelt ſeien. Deshalb ſei er der Zuſtimmung aller ſeiner lieben Schüler, die ſich ſo zahlreich zur Feier ſeines Ehrentages mit ſeinen Kollegen und Freunden hier eingefunden hätten, gewiß, wenn er ſich erlaube, auf das Wachſen, Blühen und Gedeihen der Real⸗ ſchule einen urkräftigen Salamander zu reiben, welche Aufforderung den allgemeinſten Anklang fand.
Eine überraſchende und angenehme Abwechſelung wurde bewirkt durch die Geſangsvorträge des durch ſeine Leiſtungen ſeit langen Jahren rühmlichſt bekannten Liedervereins unter Leitung des Herrn Bärtſch,
eines Muſikers von Gottes Gnaden, ſowie durch die Tenorſoli des Herrn Grimmell. Dieſe reiche Ab⸗ wechſelung, ſowie auch der Inhalt der Geſangſtücke trugen weſentlich zur freudigen und würdigen Stim⸗ mung der Feſtteilnehmer bei. Ganz beſonderen Bei⸗ fall erntete die Aufführung der Körnerſchen Poſſe„Der Vetter aus Bremen“, womit drei Sekundaner(Dör⸗ becker, Heuckrath und Barth) ihren Rektor über⸗ raſchten. Allen Herren, ſowie dieſen Schülern, welche ſich beſonders bemüht hatten, dieſen Commersabend zu verſchönern, ſagte der Jubilar nochmals ſeinen wärmſten Dank. Im weiteren Verlaufe toaſtete Herr Ausſchuß⸗Vorſteher Siebert auf den Jubilar als ſeinen langjährigen Freund und Conkneipant. Der andere Sohn des Jubilars, Herr Staatsanwalt K. Hempfing in Saarbrücken, dankte im Namen der Familie für den ſchönen Feſtabend, welchen der Feſtausſchuß, ſowie die zahlreichen Teilnehmer dieſer bereitet hätten. Hieran ſchloß der Redner in humor⸗ voller Weiſe ſeinen Dank an die Damen Marburgs für den Dispens, den ſie ihren Gatten behufs Teil⸗ nahme an dem Commerſe erteilt hätten und ließ dann ſeine durch Beifallsbezeugungen unterbrochene Rede in einem Hoch auf die Damen Marburgs ausklingen. Nach einer Unterbrechung durch Muſik und Geſang nahm auch der Schwiegerſohn, Herr A. Fritze, Oberlehrer am Gymnaſium in Wiesbaden, das Wort und ſchilderte in anziehender Weiſe ſeinen früheren Aufenthalt in Marburg und forderte dann die fröhlichen Feſtgenoſſen auf, mit ihm auf das Wohl der alten Muſenſtadt ein volles Glas zu leeren. Noch weitere Toaſte folgten und erſt in vorgerückter Nacht- oder vielmehr Morgenſtunde fand die Feier ihr Ende, welche den Teilnehmern nicht minder, wie dem allverehrten Herrn Jubilar noch lange in beſter Erinnerung bleiben wird.“(Oberheſſiſche Zeitung).
Wenn der unterzeichnete Jubilar bei der Be⸗ ſchreibung des eignen Jubiläums etwas genau war, ſo glaubt er dadurch vielſeitigen, an ihn gerichteten Wünſchen lieber Freunde und Verwandte, verehrter Kollegen und ehemaliger Schüler, neben Befolgung eines verbreiteten Gebrauchs, entſprochen zu haben; auch dürfte in der Darſtellung ein weſentliches Moment für die Geſchichte der Auſtalt enthalten ſein.


