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res fünfzigjährigen Jubiläums den Roten Adler⸗ Värr Iunizigid mit der Zahl 50 in Gnaden zu verleihen.
Es iſt ein wohlverdienter Schmuck. Mögen Sie ihn als Erinnerungszeichen an die treuen Dienſte tragen, die Sie dem Vaterlande und der vater⸗ ländiſchen Jugend geleiſtet haben, und mögen Sie Sich der Anerkennung dieſer Dienſte, der ich ſo gerne auch den Ausdruck meiner perſönlichen Verehrung hinzufüge, noch lange unter Gottes Segen erfreuen! Möge es Ihnen noch recht lange vergönnt ſein, in derſelben Kraft, in der wir Sie heute vor uns ſehen, in Ihrem Amte zu wirken! 3
Herr Oberbürgermeiſter Schüler, Vorſitzender des Kuratoriums der Anſtalt, ſprach Sich in gleich anerkennender Weiſe über die amtliche Wirkſamkeit des Jubilars aus; er gedachte aber ferner auch deſſen erfolgreichen Bemühens für das Gemeinwohl unſerer Stadt, indem derſelbe längere Zeit Mitglied des Bürger⸗Ausſchuſſes und der Stadtſchul⸗Deputation, ſowie des Handels⸗ und Gewerbevereins ſeit ſeiner Gründung bis jetzt geweſen ſei. Hieran knüpfte er im Namen der ſtädtiſchen Behörden und der Bewohner Marburgs den innigſten Wunſch einer ferneren ge⸗ ſegneten Wirkſamkeit des Jubilars in unſerer Stadt.
Er überreichte ſodann im Namen der ſtädtiſchen Be⸗
hörden eine prachtvolle Mappe mit einer großen An⸗ zahl wohlgelungener Photographieen größten Formats von berühmten Meiſterwerken alter und neuer Zeit mit dem Wunſche eine dem Jubilar angenehme Wahl getroffen und ihm eine Freude bereitet zu haben. Das geſamte Lehrerkollegium trat nun zum Jubilar heran und überreichte das Bild„Die Predigt Chriſti am See“ von J. M. Heinr. Hofmann in entſprechender Umrahmung mit dem vom Kollegen Leimbach geſprochenen Wunſche:„Möge, hochver⸗ ehrter Herr Jubilar, nach des Tages Laſt und Mühe, oder wenn ſonſt Schwierigkeiten im Berufsleben ſich einſtellen, ein Blick auf den größten Lehrer und Er⸗ zieher, den Pädagogen aller Pädagogen, unſern hoch⸗ gelobten Herrn und Heiland, Ihr Gemüt wieder erheben und Ihre Seele ſtärken, daß Sie mit neuer Kraft Ihrem Berufe ſich widmen und das Netz aus⸗ werfen und einen reichen Zug nach dem andern thun, dem Herrn zur Ehre und unſern Schülern zum Heile!“
Hierauf traten aus jeder Klaſſe die beiden oberſten Schüler zu dem Jubilar heran und der Primus om- nium Wilhelm Dörbecker ſprach im Namen aller Schüler folgenden Glückwunſch:
Hochgeehrter Herr Jubilar! An dem heutigen Tage, an welchem viele Ihrer Freunde, ſowie viele Ihrer früheren Schüler hier verſammelt ſind, um denſelben recht würdig zu begehen, wollen auch wir, Ihre gegenwärtigen Schüler, nicht zurückſtehen, einen kleinen Teil zur Feſtfreude beizutragen. Geſtatten Sie deshalb, daß ich Ihnen im Namen meiner Com⸗ militonen die herzlichſten Glück- und Segenswünſche darbringe. Möge der Allmächtige, der bisher ſo ſicht⸗
bar Ihr Schutz war, Sie noch recht lange erhalten in ungeſchwächter Körperkraft und Geiſtesfriſche, damit Sie noch recht viel des Guten ſtiften und ſich einer geſegneten Ernte erfreuen.— Ich habe die Ehre, Ihnen, unſerem hochverehrten Herrn Rektor, im Namen meiner Mitſchüler dieſe Standuhr mit Conſole zu überreichen. Mögen Sie dieſes Feſtgeſchenk anſehen als einen Beweis unſerer Liebe und Hochachtung gegen Sie und als eine Erinnerung an dieſen ſchönen Tag.
In Begleitung mehrerer früherer Schülertrat nun Herr H. Hering zum Jubilar heran und ſagte, wie ſehr ſich eine große Anzahl ehemaliger Schüler, ſo⸗ wohl hieſige als fremde, als deren Vertreter ſie hier aufträten, gefreut hätten, an dem heutigen Jubiläums⸗ feſte teilzunehmen, um hierdurch ihre alte Anhäng⸗ lichkeit, Liebe und Dankbarkeit zu bezeugen. Im Namen aller ſeiner Commilitonen, manche im Verein mit ihren Söhnen, bringe er die herzlichſten Glückwünſche. Zum bleibenden Andenken an das freudige Jubiläums⸗ feſt hätten ſie ſich erlaubt, eine Gabe als ein ſicht⸗ bares Zeichen ihres pietätvollen Denkens und Fühlens — die Statuen Hermann und Dorothea auf einer Standſäule— zu überreichen, um deren freundliche An⸗ und Aufnahme ſie bitten möchten.
Nun nahm Herr Stadtſchulinſpicient Paſtor Bern⸗ hard, auch Mitglied des Kuratoriums, das Wort und ſagte unter anderem, wie ſehr es ihn freue, dem Jubilar gratulieren zu dürfen, mit dem er beinahe 15 Jahre hindurch in der idealſten Arbeit habe zu⸗ ſammenwirken können. Ihre gemeinſame Arbeit ſei getragen geweſen von dem Geiſte herzlichſter Freund⸗ ſchaft; ſo hätten ſie beide für das Wohl der Jugend der altehrwürdigen Stadt Marburg in einem Sinne wirken können. Aber auch über die Grenzen der Schule hinaus hätte noch ihre gegenſeitige Freund⸗ ſchaft gereicht. Nicht nur als Stadtſchulinſpicient und Dirigent der höheren Töchterſchule, nein, auch als Freund des Hauſes des Jubilars käme er heute als Träger des Grußes ſeiner ganzen Familie.„Ich will“— fuhr er fort—„heute keine ernſtern Saiten anſchlagen, aber Sie wiſſen, wie mein Haus ſtets an Ihrem Hauſe gehangen hat. In dem Geiſte wahrer Freundſchaft, wahrer Kollegialität ſage ich Ihnen heute meinen Glückwunſch. Gott ſegne Sie fernerhin im Amt und Beruf und in Ihrem Hauſe. Amen.“
Herr Gymnaſialdirektor Dr. Buchenau, welcher ſich nun zu dem Jubilar hinwandte, führte in ſeiner Anſprache aus, wie die beiden verſchiedenen Bildungs⸗ wege, welche den höheren Lehranſtalten vorgeſchrieben ſind, in hieſiger Stadt nun ſchon ſeit einem halben Jahrhundert vertreten ſeien. Wenn auch die Bildungs⸗ mittel, welche man auf beiden Arten der höheren Lehranſtalten in Anwendung bringe, verſchieden ſeien, ſo ſei dieſes doch nicht mit dem Endziel der Fall; denn beide Schulen erſtrebten, der ihnen anver⸗ trauten männlichen Jugend neben einer chriſtlichen und nationalen Erziehung eine ſolche Ausbildung des Geiſtes zu gewähren, wie dieſe zu den verſchiedenen 3


